La Palma - Durch die Caldera de la Taburiente Teil 2
Auf La Palma wandern wir durch die Caldera de la Taburiente. In Teil 2 unserer Tageswanderung begegnen wir erstarrten Spaniern und opfern den Göttern der Guanchen unseren Schweiß
Playa Taburiente wird der Platz hier auch etwas großspurig genannt. Playa heißt ja nun eigentlich Strand, und davon ist wirklich keine Spur zu sehen, doch dem zwischen Felsen munter sprudelnden Bach tut dies keinen Abbruch. Über uns stehen nun 1.600 m Felswand, bis hinauf auf den Gipfel des Roque de los Muchachos. Auf der anderen Bachseite, etwas oberhalb ist ein Campingplatz, oder besser gesagt, es gibt die Möglichkeit, sein Zelt hier aufzustellen. In einem Gebäude sind Waschräume und Toiletten untergebracht. Bei der Parkverwaltung muss ein paar Tage vorher die Genehmigung zum Camping eingeholt werden. Der weiterhin ausgeschilderte Wanderweg führt durch das Zeltareal unter den Bäumen, wir gönnen uns eine Pause zur Stillung unserer körperlichen Bedürfnisse, wie Banane essen und.... na, ihr wisst schon. Wofür gibt's denn hier schließlich Toiletten, die trotz der Abgeschiedenheit und relativ vieler Menschen erstaunlich sauber sind. Irgendwie haben wir damit gerechnet, jetzt unweit des Baches seinem Lauf zu folgen.
Doch diese Rechnung geht nicht auf. Den Berg hinauf müssen wir erst einmal, auf einen schmalen Bergrücken, der zwei Täler voneinander trennt. Durch einen Tunnel aus Feigenkaktus gehen wir, dann wieder umgeben von hohen Farnen. Unvermittelt führt der Weg aus dem Grün hinaus, das kann nicht wahr sein, wir stehen direkt vor einem Abgrund. Mehr als zweihundert Meter unter uns ist der Talgrund. Und das uns, die wir so gar nicht schwindelfrei sind! Wären da nicht die, wenn auch zunächst spärlichen Bäume, an denen sich der Blick aufhängt wie an einem Rettungsanker, wir hätten uns kaum überwinden können, hier weiterzulaufen. Doch wat mutt dat mutt! Vorher machen wir aber noch den Roque Idafe in unserem Blickfeld aus. Den hatten wir zwar schon von Los Brecitos aus gesehen, aber viel zu weit entfernt. Jetzt sind wir ihm näher, dem heiligen Felsen der Guanchen, an dem sie Tieropfer brachten, um ihre Götter gnädig zu stimmen. Hundert Meter hoch erhebt sich die basaltene Felsnadel auf dem nächsten Bergrücken.
Wir treten unseren Weg nach unten an, der den Hang quert, sich dann in Serpentinen nach unten schlängelt, ständig Gefahr laufend, auf Kiefernzapfen und Geröll auszurutschen und schneller unten zu sein als gewünscht. Das geht gewaltig auf die Kniegelenke, wir können nur sehr langsam absteigen. Es dauert fast eine Stunde, den Bach im Tal zu erreichen und wir sind heilfroh, mit gesunden Knochen unten anzukommen. Mächtige Geröllhalden haben sich am Grund des Tales angehäuft, zurück geblieben vom letzten Hochwasser in der Winterzeit. Ein Bach durchfließt das Tal und eigentlich müssten wir ihm folgen. Doch nur wenige Meter talaufwärts zweigt wiederum ein Tälchen ab, zu dem wir eine Stippvisite planen. Sein Wasser, oder besser gesagt seine Ablagerungen im Bachbett, sind rostrot vom vielen Eisen.
La Caleta, Playa De Los Cancajos7 Tage La Palma, 3 Sterne Appartment, nurÜbernachtung ab 362€ buchen
Las Olas, Playa De Los Cancajos7 Tage La Palma, 3 Sterne Appartment, nurÜbernachtung ab 364€ buchen
Das Tal ist eng, teilweise müssen wir durchs Wasser laufen, was beim jetzigen Wasserstand aber keine große Mühe oder Gefahr darstellt. Unser Weg wird belohnt, denn schon nach kurzer Zeit stehen wir vor einer Felswand, vielleicht zehn Meter hoch, über die ein Wasserfall herunterstürzt. Was liegt da näher als eine kühle Dusche mit gleichzeitiger Rückenmassage! Das macht richtig Laune und erfrischt! Die Felswand schimmert in vielen verschiedenen Farben, Mineralien, die sich dort abgelagert haben. Seht euch mal die Bilder an, da erkennt man zwei Gestalten, einen Mann und eine Frau. Die wurden von den Göttern der Guanchen auf immer und ewig dazu verdammt, in der Felswand des Wasserfalls zu erstarren, weil sie versuchten, das Volk der Guanchen zu unterjochen. Nun müssen sie tagein, tagaus knackigen Wanderern und hübschen Wanderinnen zusehen, wie die dort duschen. Na gut, hab ich selber erfunden, aber die Steinformen mit den roten und gelben Ablagerungen sehen doch wirklich aus wie Gestalten.
Wer den kurzen Weg von der Hauptschlucht zu der Cascada de Colores - Wasserfall der Farben - nicht nimmt, ist selber schuld! Bitte aber Vorsicht bei stärkerer Strömung, es ist stellenweise sehr eng! Wir folgen jetzt dem Wasser in Fließrichtung und treffen bald auf Dos Aguas, die Stelle, an der unser zuletzt gegangenes Tal mit dem des Taburiente zusammen trifft. Leider wird das meiste Wasser etwas weiter unterhalb durch ein Wehr abgefangen und als Trinkwasser in einer Leitung weiterbefördert. So sinkt in den Sommermonaten der Wasserspiegel bis auf ein kleines Rinnsal ab, das kaum ein paar Algen genug Lebensraum gibt.
Erst in seinem weiteren Verlauf bringen kleine Bächlein und ein Wasserfall wieder etwas mehr Wasser ins Tal. Ein Brückenbogen überspannt hoch oben die Schlucht. Längst marode und zu nichts mehr nutze könnte man daran schreiben: Out Of Order, zu nichts mehr zu gebrauchen. Er wirkt gleichzeitig fremd in dieser Welt der Felsen und des Wassers und doch fängt uns die Stimmung ein. Die Sonne steht hoch und wirft seinen Schatten hier tief unten auf den Grund. Mal laufen wir seit Dos Aguas am Wasser, dann wieder rechts darüber, wechseln irgendwann mal auf die linke Seite. Da, wo wir den Bach überqueren müssen, hat er ein paar Kolke ausgewaschen, Vertiefungen, die sich als Naturbadewannen geradezu anbieten. Heiß ist uns sowieso, die Füße brennen und die Knie schmerzen immer noch von dem harten Abstieg beim Roque Idafe, also hinein ins kühle Nass!
Anschließend gibt es auch was zu futtern, bevor wir nach der wohlverdienten Pause weitergehen. Jetzt sind wir auf der linken Talseite und müssen etwas höher in den Gang hinein, um gleich darauf wieder zum Wasser abzusteigen. Wir haben ein Talstück umgangen, in dem sich der Bach in den Basaltfels eingegraben hat und Rutschen und wunderlich runde Steingebilde zurückließ. Von unten können wir in diese Klamm hinein bis zu einem kleinen Wasserfall, der in einen Kolk hinunterplatscht. Nach ein paar weiteren Metern verschwindet alles Wasser in Anhäufungen von Basaltkieseln, um erst später wieder hier und da als Rinnsal an die Oberfläche zu treten. Ein paar hundert Meter trennen uns nun noch von unserem Auto, das wir glücklich, müde und durstig erreichen.
Sechseinhalb Stunden waren wir unterwegs vom Mirador Los Brecitos bis zum Parkplatz im Tal. Es war eine wunderschöne, aber teilweise auch sehr anstrengende Wanderung in einer unvergleichlich aufregenden Landschaft, die an jeder Ecke neue Eindrücke bereithält. Die Strecke wird mit 13 bis 15 km Länge angegeben, aber was zählen in den Bergen schon Kilometer! Wir verlassen den Barranco de las Angustias, so wie wir gekommen sind. Doch dort, wo die Straße hinaustritt aus der Schlucht, machen wir noch einmal halt, denn dort gibt es ein Restaurant, das Balcon de Taburiente. Dieses Restaurant hat einen wunderbaren Blick in die Schlucht, was jedoch nicht der Hauptgrund unserer Einkehr ist, denn in dem Restaurant gibt es eiskaltes, leckeres Bier! Das gönnen wir uns jetzt zum Abschluss der Wanderung durch die Caldera de la Taburiente.
Weiterführende Inhalte zu La Palma - Durch die Caldera de la Taburiente Teil 2
Brenas Garden, Breña Baja7 Tage La Palma, 4 Sterne Appartment, nurÜbernachtung ab 436€ buchen
La Caleta, Playa De Los Cancajos7 Tage La Palma, 3 Sterne Appartment, nurÜbernachtung ab 416€ buchen
Weitere Inhalte zeigen
Bilder zu „La Palma - Durch die Caldera de la Taburiente Teil 2“
Weiterführende Reisetipps
Verwandte Artikel
- La Palma - Durch die Caldera de la Taburiente, Teil 1
- Von Monreal zur Mosel - Durch das romantische Elztal, Teil 1
- Auf verschlungenen Windungen - An der Ardèche, Frankreichs Grand Canon
- Wasserfall Dreimühlen - Versteinertes Moos in der Eifel
- Von St. Jost bis Bürresheim - Durchs romantische Nitztal in der Eifel
- Whalewatching zwischen Teneriffa und La Gomera mit der Nashira Uno
- Hochgebirgstour im Tannheimer Tal, Teil 2
- Von Monreal zur Mosel - Durch das romantische Elztal, Teil 2

Roque Idafe
Am Fluß
Roque Idafe
Basalt-Wasserfall
Basaltrundungen
Wasserfall
Die Brücke
Wassermangel
Wasserfall der Farben
Rote Wasser
Roque Idafe
Feigenkakteen und Farne
Die Erstarrten