Let me be your chauffeur, baby - Autoreisen in Rajasthan

Funktionierender Transport ist das A und O einer Reise. Kommt der Bus pünktlich, ist der Sprit günstig, trägt das erheblich zur guten Urlaubslaune bei. Besser als Flug und Zug ist nur eine Chauffeurreise durch Rajasthan.

Mit dem Transport steht und fällt eine gute Reise. Kommt der Bus pünktlich, weist einem das Navi im Mietwagen den richtigen Weg und ergattert man Inlandsflüge für günstige 20 Euro, wie bei mir zuletzt in Caracas geschehen, dann trägt das erheblich zur guten Reiselaune bei. Teurer Sprit, chinesische Schriftzeichen auf den Anzeigetafeln im Fernbahnhof und Stadtpläne, auf denen große McDonald's Werbelogos ganze Straßennamen verdecken, mindern dagegen den Wohlfühlfaktor beim Reisen. Vielleicht hat mein Faible für gut funktionierenden Transport auch einfach mit meinem jahrelangen Job bei einer großen deutschen Fluggesellschaft zu tun. Nichts ist ärgerlicher, als auf den Besuch wichtiger Sehenswürdigkeiten verzichtet zu haben, weil kein Bus fuhr. Oder weil er in die falsche Richtung fuhr, da man den Jeju-Dialekt der koreanischen Schalterfrau nicht richtig gedeutet hat. Schließlich ist man nicht alle Tage in Sydney, Tokio oder Seoul und nur wer die ganze Palette an Fotos aus dem Reiseführer auch selbst geschossen hat, war wirklich da. ;-)

Besonders erfahrene Reisende haushalten immer geiziger mit der eigenen, knapp bemessenen Urlaubszeit, da sie über viele Vergleichsmöglichkeiten vergangener Reisen verfügen (also beispielsweise wissen, dass man 50 Kilometer auch hervorragend in 40 Minuten schaffen kann, wenn die Busse nicht mit der Hand geschoben werden müssen wie in Yucatan) und anspruchsvoll geworden sind. An sich und an die Transportverantwortlichen.

Da sich nach einem Tag in Delhi sehr bald herausstellte, dass ich als großgewachsene Blondine in den Mittzwanzigern schlecht damit beraten bin alleine zu reisen, tat ich etwas für mich sehr Untypisches, das ich aber nie bereut habe und an dieser Stelle allen Lesern mit bestem Gewissen weiterempfehle: Ich ließ einen ganzen Batzen Urlaubsgeld - keine Anzahlung, sondern den gesamten Betrag - auf dem Chai-getränkten Plastiktisch einer dunklen indischen Vorstadt-Kaschemme, mit nichts als dem Versprechen „in der Hand“, dass mir ab morgen für alle meine Fahrten durch Rajasthan ein Chauffeur zur Seite stünde und ging schlafen. Wie Wunder stand der Mann am nächsten Morgen punkt 8 Uhr tatsächlich mit dem Vertrag vor meinem Hotel, nicht sehr gesprächig zwar, aber willig, mich zur nächsten Sehenswürdigkeit zu fahren.

Man möge mir verzeihen, dass ich an dieser Stelle keine genauen Angaben zum Reisebüro machen kann. Der Deal wurde im Halbdunkeln abgewickelt und kam nur deshalb zustande, weil ich einen Riksha-Fahrer darum bat, mich zum nächsten Tourist Office zu fahren. Der Laden hieß dann tatsächlich „Reservation Centre & Department of Tourist“, gehörte wahrscheinlich seinem Cousin und befand sich, wie übrigens meine bezaubernde Bleibe, das Jyoti Mahal Guest House auch, im Elendsviertel Paharganj. Ich habe für acht Tage Fahrt und Unterkunft inklusive Sprit und Fahrer zu allen Tag-und Nachtzeiten circa 300 Euro bezahlt und keinen blassen Schimmer, ob das ein Schnäppchen oder, in Anbetracht des landestypischen Gehalts, Halsabschneiderei war. Aber wenn mir das Kosten-Nutzen-Verhältnis ausgewogen erscheint, so wie in diesem Fall, dann feilsche ich nicht, sondern schlage ein. Der angenehm schweigsame Alte hat mir die schönsten Ecken Rajasthans gezeigt und sich noch nicht einmal zum Mittagessen von mir einladen lassen. Für meine Unterkunft war gesorgt und den falschen Verlobungsring zum Schutz vor lästigen Verehrern habe ich - zumindest während der Fahrt - in der Tasche lassen können. Schön, wenn Transport so viel Gutes bewirkt.

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Autor: blondemissy  25.01.2011 |  Beitrag hilfreich? Ja | Nein

Kommentare zu Let me be your chauffeur, baby - Autoreisen in Rajasthan

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Userbild redbeet redbeet: Ein wirklich toller Bericht über Indien - lesenswert (21.01.11)

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