Märchenkönigs Götterdämmerung - Ausstellung in Herrenchiemsee
Ein altes und faszinierendes Thema, eine interessante historische Persönlichkeit - die aktuelle Ausstellung wäre Grund genug, Bayern wieder zu besuchen.
Vielleicht ist Bayern tatsächlich das schönste deutsche Bundesland. Ganz sicher aber ist Ludwig II., der Märchenkönig, einer der interessantesten deutschen Regenten. Sein Todestag jährt sich am 13. Juni zum 125. Male. Eine zeitlos faszinierende Persönlichkeit voller Mythen und Tragik, in dessen Leben die Bayerische Landesausstellung im Schloss Herrenchiemssee eindrucksvoll und gelungen Einblicke gewährt. Sie führt den Titel "Götterdämmerung" und ist seit dem 14. Mai bis zum 16. Oktober täglich von 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Das Inselticket ist für 9,50 Euro zu haben. Kinder zahlen 1 Euro. Der Preis schließt die Führung ein.
Was bietet die Ausstellung?
Schloss Herrenchiemsee ist ein kleines Versailles. Besonders imposant erscheint die nach französischem Vorbild errichtete Spiegelgalerie. Der Eindruck feudaler Pracht ist überwältigend. Das Leben des Märchenkönigs, der mit achtzehn Jahren gekrönt wurde und der sein Amt völlig unvorbereitet antrat, wird in fünf Akten dargestellt. Hierfür werden im Übrigen auch die seinerzeit unvollendeten, der Öffentlichkeit bisher nicht zugänglichen Räume des Schlosses freigegeben.
Ludwigs Idol: Der Sonnenkönig
Ludwig II. war ein Herrscher an der Zeitenwende. Die ausklingende Romantik des 19. Jahrhunderts wich der Industrieepoche. Die deutsche und die bayerische Gesellschaft wurde verbürgerlicht, versachlicht, eingerahmt in Etatdisziplin und strenge Regeln. Der König war Romantiker, hochmusisch veranlagt, und er trauerte schmerzhaft dem Idealbild des absolutistischen Herrschers nach. Sein Vorbild, mit dem er in einsamen Stunden Zwiesprache hielt, war Ludwig XIV., der französische Sonnenkönig. Damit passte der junge Monarch überhaupt nicht in seine Zeit - doch anderseits war er keineswegs unmodern. Er war auch ein begeisterter Bewunderer und Förderer des wissenschaftlich-technischen Fortschritts. Der goldene Prunkschlitten, mit dem der Märchenkönig des Nachts durch die bayerischen Wälder raste, gilt als das erste elektrisch beleuchtete Fahrzeug Deutschlands. Auch dieses Prachtstück ist in der Ausstellung zu bewundern.
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Das Leben in fünf Akten
Der erste Akt wirft ein Licht auf die Jugend des Königs und auf die ersten Jahre seiner Regentschaft. Franz Piloty hat den jungen Herrscher im Hermelinmantel dargestellt. Die späteren Gemälde und Fotografien bezeugen die äußerlichen Veränderungen Ludwigs, spiegeln die wachsende Enttäuschung, den wahnhaften Realitätsverlust, auch den körperlichen Verfall wieder. Der König ist für seine fast grenzenlose Verehrung Richard Wagners bekannt, der wir Bayreuth und seine Festspiele verdanken. Noch kostenintensiver war des Königs Bautätigkeit. Die kühnen wie fantastischen Visionen werden in der Ausstellung als 3D-Animationen aufbereitet: Zunächst die Burg Falkenstein, die als romantisches Raubritternest errichtet werden sollte. Dann der Chinesische Palast -geplanter Standort: Linderhof -, den er noch in seinem Todesjahr entwerfen ließ. Lange Zeit saß der Märchenkönig über den Entwürfen eines byzantinisch-maurischen Palastes. Neben den unverwirklichten Utopien kann der Besucher auch die realen Königsschlösser bewundern. Schloss Linderhof, das ab 1869 im französischen Rokoko-Stil errichtet wurde und natürlich Neuschwanstein bei Füssen. Hier geschah im Jahre 1886 die dramatische Festnahme des Monarchen und seine gewaltsame Verbringung nach Starnberg.
Das Finale: Entmachtung und Tod
Die Absetzung Ludwigs II. war nach dem geltenden Recht der damaligen Zeit wohl ein illegaler Staatsstreich. Das Ende des Monarchen, auch die Umstände seines Todes sind mythenhaft durchwirkt wie sein Leben zuvor. Fest steht aber, dass die Nachricht von der Absetzung wegen "geistiger Krankheit" in der Öffentlichkeit seinerzeit auf heftiges Unverständnis und sogar Proteste stieß. Um den vermeintlichen Irrsinn des Monarchen plausibel zu machen, ließ die Regierung, die hinter dem Staatsstreich stand, nur wenige Tage nach Ludwigs Tod dessen prunkvolle Schlösser öffnen. Doch die Menschen waren beim Anblick all der in Stein gewachsenen Visionen keineswegs erschüttert - vielmehr zeigten sie sich fasziniert. Sie bewunderten und bestaunten, was sie sahen, und der König wurde posthum noch populärer. Von nun an trug er auch den Beinamen "Märchenkönig".
Der König - ein Fundus für Kunst und Wissenschaft
Bis heute ist ungeklärt, ob Ludwig durch Selbstmord oder durch fremde Hand ums Leben kam. Im Starnberger See wurde am 13. Juni 1886 nicht nur die Leiche des Königs, sondern auch die seines Psychiaters Bernhard von Gudden gefunden. Die Spekulationen erhielten Auftrieb, als man die Taschenuhr des Königs untersuchte. Sie war um 18.54 Uhr stehen geblieben, die ebenfalls gesicherte Uhr des Psychiaters jedoch erst 75 Minuten später. Eine der vielen Ungereimtheiten des Geschehens vor 125 Jahren. Auch diese Taschenuhr Ludwigs ist in der Ausstellung zu besichtigen.
Der König hat die Nachwelt in vielfältiger Weise beschäftigt, natürlich zunächst die Kunst. Sein Leben wurde mehrfach verfilmt, wir erinnern uns an O. W. Fischer und Helmut Berger. Auch Architekten, Juristen, Politiker und Juristen haben die Persönlichkeit des Märchenkönigs als Fundgrube ihrer Forschungen entdeckt. In den letzten Jahrzehnten wurde seine sehr wahrscheinlich homosexuelle Neigung thematisiert, unter der er als gläubiger Katholik wohl zeitlebens sehr gelitten hat. Eingefleischte Monarchisten bestreiten dies noch heute - ebenso wie seine freundschaftliche Arbeitsbeziehung zu Bismarck.
Für Interessenten
Wer Herrenchiemsee besucht, sollte sich viel Zeit nehmen. Prien am Chiemsee ist per Bahn problemlos erreichbar. Der Ort liegt an der Ausfahrt Bernau der Autobahn München - Salzburg. Vom Priener Bahnhof gelangt man zum Hafen Stock mit der historischen Schmalspurbahn. Von dort fahren Schiffe halbstündlich zur Herreninsel. Der Nostalgiker kann auch eine Fahrt mit der Pferdekutsche buchen. Apropos Kutsche: Wer den kurfürstlich-königlichen Fuhrpark besichtigen möchte, sollte einen Abstecher nach Schloss Nymphenburg in München unternehmen. Dort ist das Marstall-Museum untergebracht - und noch einiges andere zu sehen.
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