Mit dem Zug von Mumbai nach Delhi - ein Abenteuerbericht
Eine Zugfahrt von Mumbai nach Delhi ist nicht nur eine lange Reise, sie ist auch eine Erfahrung der besonderen Art, speziell wenn man nicht gerade in der Luxusklasse reist.
Mit dem Zug durch Indien zu fahren ist immer noch ein Abenteuer. Allein wenn man die vollen Vorstadtzüge Mumbais betrachtet wird einem schon etwas mulmig, wenn man sich jedoch vorstellt in solch einem Gefährt mehr als 24 Stunden zu verbringen, dann scheint das fast eine Unmöglichkeit darzustellen. Eine Zugfahrt von Mumbai nach Delhi macht man natürlich nicht in einem Vorstadtzug, aber für europäische Verhältnisse sind die Langstreckenzüge ebenfalls etwas gewöhnungsbedürftig. Natürlich gibt es auch wie bei uns Klassen, aber auch die höchste Klasse -2 AC -garantiert noch lange keinen ruhigen Schlaf im Zug.
Wir hatten unser Budget jedoch nicht einmal auf eine AC Klasse, also mit Klimaanlage, ausgelegt, sondern auf die Sleeper Class. Hier gibt es nur Ventilatoren, die einem Kühlung verschaffen sollen. Kurz vor 20.00 Uhr wollten wir eigentlich unsere Betten in Wagen S8 beziehen. Unser Zug hatte sich aber schon um zwei Stunden verspätet und so rollten wir, in einem Abteil mit vier weiteren Passagieren, Gitterstäben als Fenster, weil sich das Glas nicht schließen ließ und einem leichten Müdigkeitsgefühl aus Mumbais Chatrapati Shivaji Bahnhof.
Bis wir die Vororte Mumbais passiert hatten dauerte es eine Weile, sicher war bloß, dass wir sowieso nicht pünktlich in Delhi ankommen sollten und dass wir mit unseren Reservierungen nicht zwangsläufig ein eigenes Bett hatten. Die Sleeper Class schien an chronischer Überfüllung zu leiden und wir fingen schon an es zu bereuen, nicht einen Aufpreis bezahlt zu haben. Nach dem Abendbrot, welches wir durch die Gitterstäbe gekauft hatten, legten wir uns schlafen, immer drei Mann übereinander. Mein Freund schlief auf der obersten Etage, gleich am staubigen Ventilator. Zwischen uns schlief ein junger Inder und unten hatte ich mein Lager bezogen. Der Wind pfiff mir um die Ohren und ein Mäuschen flitzte durch den Gang, langsam schlummerte ich ein.
Als ich irgendwann mitten in der Nacht erwachte - an die Händler, die auch nachts alle paar Minuten im Zug ihre Waren anpreisen - war ich schon längst gewöhnt, standen wir mitten im Wald. Irgendwo in Indien, draußen war es stockdunkel und man sah nur einige Männer aus dem Zug springen, die ihre Notdurft verrichteten. Unsere Mitreisenden meinten, dass es sich wohl um eine Kuh auf den Gleisen handeln müsse. Eigentlich war das alles ziemlich spannend und ich hätte auch gleich wieder einnicken können, aber die zwei Männer, die sich an mein Bettende gesetzt hatten, wollten ihr Gespräch bis zum Morgengrauen einfach nicht beenden.
Übermüdet verbrachten wir den kompletten Tag im Zug und vertrieben uns die Zeit damit die Angebote der Händler durchzuprobieren, uns mit indischen Reisegefährten auszutauschen oder einfach nur damit, aus dem Fenster in die ärmlichen Dörfer zu starren. Nach etlichen Stunden hatten wir es dann endlich geschafft, nach 1.544 Kilometern in knapp 28 Stunden waren wir in Delhi.. Es war zwar nicht die bequemste Zugfahrt, die wir je erlebt hatten, aber eine der spannendsten war es gewiss.
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Chatrapati Shivaji Terminus
Bahnhof in Mumbai
Indischer Zug
Ausfahrt
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