Monaco - Im Glanz der Promis sonnen
Ein Wochenende in Monte Carlo muss nicht gleich ein Vermögen kosten – doch es kann. Vielleicht sind es gerade diese Gegensätze, die die Leichtigkeit des Seins an der Côte d’Azur so verführerisch machen.
Ob Zirkusfestival, Formel-1-Spektakel oder Internationales Feuerwerk – alles mit Glanz und Glamour. Multimillionärs-Dichte? Promifaktor? Immer hoch. Alles scheint es im kleinen Fürstentum Monaco im Überfluss zugeben. Nur eines nicht – Platz. Deshalb das wichtigste vorweg: Das Auto sofort in die Hotelgarage fahren. Bei Wildparkern verstehen die Monegassen keinen Spaß, schleppen innerhalb von 15 Minuten ab. Und das kann mit mehreren Hundert Euro schnell das Budget sprengen. Dabei muss es gar kein Vermögen kosten, als Urlauber das High-Society-Feeling zu genießen. Vorausgesetzt man logiert nicht im Hotel de Paris, direkt am Place du Casino, wo das Herz des Mini-Staates schlägt. Obwohl der Weinkeller mit seinen auf 1,5 Regalkilometerlagernden 600.000 Flaschen verlockend ist. Ganz zu schweigen von der erlesenen Brandy- Kollektion. Der älteste stammt aus dem Jahr 1800. Kein Wunder, dass dort Geldadel auf echte Aristokratie trifft. Wem es reicht, sich in dessen Glanz zu sonnen, setzt sich gegenüber auf die Terrasse des Café de Paris und schaut, wer im verschnörkelten Belle-Epoque-Gebäude ein- und ausgeht. Ein erfrischendes Mineralwasser dazu kostet zwar 5,50 Euro, aber dafür darf man sich wie die Begum oder einst Maria Callas fühlen. Beide waren natürlich auch schon da. Kaum ein smarter Hollywood-Star, der nicht regelmäßig an der Côte d‘ Azur ausspannt.
Wie oft sie dabei alle ins benachbarte Casino gehen, ist nicht überliefert. Also nix wie hinterher in des Tempel der Glücksritter. Schon das Foyer mit den hohen Fenstern und schweren Bronzeleuchtern beeindruckt. Schließlich wurde das Casino 1870 von Architekten der Pariser Oper entworfen. Aber Vorsicht, für den großen Saal, in dem Millionen verzockt werden, sind 10 Euro Eintritt fällig. Übrigens, überall drinnen herrscht Fotoverbot. Im Großen und Ganzen gilt das auch draußen. Die Promis sollen sich hier ja in jeder Hinsicht wohl fühlen. Und so dient es nicht nur der Sicherheit, dass die ganze Stadt von Kameras überwacht wird. Vor allem an Plätzen, die von Promis stark besucht werden, wie am Casino. Wer Fotos machen möchte, sollte eine professionell aussehende Ausrüstung zuhause lassen. Dafür braucht man eine spezielle Erlaubnis, was strikt kontrolliert wird. Bei aller Diskretion – Urlaubsschnappschüsse sind selbstverständlich erlaubt.
Nun mal runter zum Hafen Hercule, an der Côte d’Azur bummeln. Bei einer Gesamtfläche von zwei Quadratkilometern sind Entfernungen in Monaco kein Thema. Hunger macht eher die frische Seeluft. Und nirgends lässt sich ein Drei-Gänge-Menü ab 19,50 Euro besser genießen, als im Restaurant Quai des Artistes. Dabei herrliche Yachten bewundern und über die an den Hang gestapelten Hochhäuser staunen, die wie eine Legoland-Kulisse in Übergröße wirken. Wie gesagt, in Monaco gibt es alles, nur keinen Platz. Schließlich ist das Fürstentum nach dem Vatikan der zweitkleinste Staat der Welt und hat mit seinen gut 30.000 Einwohnern gleichzeitig die höchste Bevölkerungsdichte.
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Gegenüber thront einem Adlerhorst gleich der Grimaldi-Palast auf dem Altstadtfelsen. Die Fürstenfamilie als Märchenhauptdarsteller sieht man dort oben in den verwinkelten mit Kopfstein gepflasterten Gassen aber nur auf T-Shirts, Tassen, Postkarten. Egal, der tägliche Wachwechsel um 11.55 Uhr und ein Rundgang für sechs Euro durch den Palast mit Thronsaal im Empire-Stil und Kapelle aus dem 17.Jahrhundert sind wie Besuch im Phantasia-Land.
Ganz real dort oben auf dem Felsen, an der Avenue Saint Martin, ist allerdings das Ozeanografische Museum. Von Albert I. als Lebenswerk 1910 gegründet, machte es der Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau weltberühmt. Er richtete rund 100 Aquarien mit bonbonfarbenen Fischarten und zauberhaften Wesen wie Seepferdchen & Co. aus allen Weltmeeren ein. Alte Tauchboote und Ausrüstungen verleihen dem Museum wunderbare Tiefseenostalgik, die 13 Euro Eintritt wert ist. Fast meint man „Meister Jacques“ spaziert gleich selbst durch sein Reich. Hier jedoch 85 Meter über dem Meer.
Dann aber schnurstracks ab an den Strand. „Grace Kelly Wetter“ nennen die Monegassen ihr mildes Klima. In Erinnerung an den 12. April 1956 – dem Ankunftstag ihrer bis heute vergötterte Fürstin Gracia Patrica. Die Legende lebt. Und das heißt Sonne, Sonne, Sonne an einem endlosen Himmel in Königsblau. Regen gibt es nur an 60 Tagen im Jahr, sogar das Meer verwöhnt mit lauen Temperaturen. Badewanne Côte d’Azur – selbst in Monaco zum Nulltarif. Wer im Monte Carlo Beach Hotel an der Avenue Princesse Grace eincheckt, darf sicher sein, dass er auch strandfein ist. Guter Stil – um nicht zu sagen Makellosigkeit – ist für Monegassen Pflicht. Das Traditionshotel vereint nach seiner Renovierung die Moderne mit dem mondänen Charme eines Seebades der 1930er-Jahre. Ob es allerdings beim Besuch im Spa eine Gesichtsmassage mit Kaviar für 185 Euro sein muss, oder ob es auch einen Augenbraunenkorrektur für 15 Euro tut, kann nur jeder für sich entscheiden.
Bevor es ins Nachtleben von Monte Carlo geht, einen Abstecher zum japanischen Garten machen. Der liegt direkt am Grimaldi Forum, dem Congress Center aus verspiegeltem Glas zwischen Meer und Avenue Princesse Grace. Dort plätschert am Teehaus das Wasser, ziehen edle Koi-Karpfen in Teichen gelassen unter Brücken hindurch ihre Runden. Ein Ort himmlischer Ruhe auf 7.000 Quadratmetern. Und eine ideale Einstimmung für den Besucher in der Buddha-Bar, die es seit Juni 2010 nun auch in Monaco direkt am Casino gibt.
Ihr Zuhause hat sie in einer ehemaligen Konzerthalle aus dem 20. Jahrhundert gefunden. Alte Stuckelemente gepaart mit dunklen Rottönen und Kronleuchter, die sanftes Licht ausstrahlen, schaffen im Restaurant mit seiner sieben Meter hohen Decke eine warme Atmosphäre. Serviert wird dort feinstes Asia-Food, an der Bar gibt es stilecht Sashimi und Sushi, während über allem ein überdimensionaler Buddha wacht. Dazu säuselt der echte Buddha-Bar-Sound aus Trance-Klängen und mystischer Weltmusik. Seit die erste 1996 in Paris öffnete, ist die Mischung aus fernöstlichem Lounge-Restaurant weltweit zum Hotspot geworden. Beirut, Kairo, Jakarta, Las Vegas – kaum ein Ort mit magisch klingendem Namen, der nicht eine Buddha-Bar hätte. Und auf Promis wirkt das Ambiente wie ein Magnet. Star Kicker David Beckham, die Schauspieler Cameron Diaz, Johnny Depp, Musik-Ikone Madonna und die Rolling Stones sowie Ex-US-Präsident Bill Clinton zählen zu den Gästen.
Wo Promis bis zum Morgengrauen feiern
Wer es aber so richtig krachen lassen will, ist in den Clubs und Bars an der Avenue des Spélugues gut aufgehoben. Dortist legendäre Tip-Top-Bar, Santa Lucia, The Legend oder Jimmy's. Besonders am Formel-1-Wochenende im Mai brennt hier die Luft. Dann feiern Promis, Fahrer, Teams und Boxenluder hemmungslos bis zum Morgengrauen. Teuer ist es das ganze Jahr. Spaß haben kann man auch in der Disco Karement am Grimaldi-Forum. Vor allem zahlt man nicht 35 Euro für eine Cola. Wenn es gemütlicher sein soll, und ein zünftiges Weizenbier in einem urigen Bistro, gibt es nur eines das Gerhard’s am Porte de Fontvieille. Für den letzten Abend sollte man sich vielleicht aber doch mal ein etwas edleres Getränk gönnen. Exklusiv an der Bar des Hotel Columbus einen Cocktail Grace kosten. Der kostet zwar 17 Euro, wurde aber speziell zu Ehren der ehemaligen Fürstin kreiert. Ein Champagner, verfeinert mit Rosenlikör und -Konfitüre sowie Essenzen ihrer Lieblingsblume.
Und fragen Sie sich am nächsten Morgen bloß nicht, wozu Sie hier den Mietwagen brauchen, wenn er doch die ganze Zeit in der Hotelgarage steht. Spätestens bei der Fahrt zum Flughafen sollte ein Umweg drin sein. Nur 500 Meter oberhalb der Küste schlängelt sich die Grande Corniche durch die Berge. Auf Resten der römischen Via Julia Augusta führt eine der schönsten Panoramastraßen der Welt von Menton nach Nizza. Vorbei an verschlafenen Dörfern, mit freier Sicht auf Monte Carlo, die verführerische Côte d’Azur. Absolute Romantik – schon Cary Grant und Grace Kelly nahmen diese Traumroute im Hitchcock-Klassiker „Über den Dächern von Nizza“. Damals, als die Kelly noch Schauspielerin war, nicht Fürstin.
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