Nazca in Peru – mehr als geheimnisvolle Linien

Nazca ist nicht wegzudenken aus der touristischen Landkarte von Peru – wegen des Fluges über die berühmten Nazca-Linien. Das ist aber nicht alles, was die Stadt zu bieten hat.

Wer von Lima aus in den Süden von Peru fährt, wo sich die klassischen Highlights einer Perureise befinden – Arequipa, Puno am Titicacasee und Cusco mit Machu Picchu -, der wird nicht selten die Fahrt auf der Panamericana in mehrere Etappen splitten. Knapp vier Stunden südlich von Lima liegt das Städtchen Nazca, ein beschaulicher und unspektakulärer Ort, könnte man meinen. Einen historischen Kern gibt es kaum, viele Gebäude wurden 1996 bei einem schweren Erdbeben zerstört.

Die Nazca-Linien sind weltberühmt

Kaum jemand würde hier halten, wären da nicht jene Scharrbilder in der Wüste, die den Namen des kleinen Städtchens weltberühmt gemacht haben: die Nazca-Linien. Ihretwegen kommen die Touristen in Scharen, um vom Flughafen Nazcas aus halbstündige Rundflüge in klapprigen Cessnas zu unternehmen. Das ist ebenso kostenintensiv wie beeindruckend: Man fliegt über die Wüste und sieht die unglaublich gut sichtbaren Bilder, die Angehörige der Nazca-Kultur vor Jahrtausenden in den Wüstenboden gescharrt haben.

Ein Kolibri, ein Kondor, ein Affe mit einem endlos geringelten Schwanz, eine Spinne, ein Wal ... die figürlichen Darstellungen haben es zur größten Berühmtheit gebracht, obwohl die Mehrzahl der Nazca-Linien rein geometrische Formen und einfache Linien sind. Sie gelten als eines der bestgehüteten Geheimnisse der Archäologie: Wozu wurden sie angelegt? Die Theorien sind so zahlreich wie abstrus.

Wozu dienten die Nazca-Linien?

Die deutsche Mathematikerin Maria Reiche etwa glaubte an einen riesigen Kalender, andere sehen in den Linien Hinweise auf unterirdische Wasserbestände oder uralte Prozessionswege, ja, selbst die Außerirdischen sollen bei ihrer Erstellung mitgeholfen haben. Sicher ist, dass die rätselhaften Linien heute den touristischen Grundstock Nazcas ausmachen: fast die gesamte touristische Infrastruktur der Stadt baut auf ihrer Vermarktung auf.

Dabei ist es hin und wieder schon zu tödlichen Unfällen und Abstürzen einer Cessna gekommen. Als Reaktion werden die Sicherheitsvorschriften strenger und der Flug teurer, über fünfzig Dollar muss man für das halbstündige Vergnügen bezahlen. Wer in Nazca ankommt, fliegt und wieder fortfährt, dem entgeht zudem, dass der Ort in der Wüste noch ganz andere Dinge zu bieten hat.

Chauchilla und Cahuachi - abseits der Touristenpfade

So lohnt ein Ausflug zum Friedhof von Chauchilla, auf dem etwa zwischen 1000 und 1470 n. Chr. die Toten der Ica-Chincha-Kultur begruben worden. Diverse Gräber mit ihren Beigaben sind jetzt nachgestellt worden, eine makabre Attraktivität hat der Friedhof aber durch die Tatsache, dass hier jahrelang Gebeine offen im Sand verstreut lagen – das Werk von Grabräubern. Ebenfalls sehenswert für archäologisch Interessierte sind die Ruinen von Cahuachi, bei denen es sich um eine weitgehend noch nicht freigelegte Anlage aus Adobe-Ziegeln handelt. Viel zu sehen gibt es nicht, doch allein die Vorstellung der Anlage, die sich noch unter Schutt und Sand verbirgt, ist beeindruckend. Die Anfahrt aus Nazca durch eher unwegsames Gelände ist dazu spektakulär.

Nazca - eine sympathische Stadt

Was man ganz einfach feststellen kann, wenn man sich ein bisschen Zeit für Nazca nimmt, ist verblüffend. Denn bei aller Normalität hat das Städtchen Charme. Wer abends durch die Straßen von Nazca schlendert, wird Zeuge des peruanischen Alltags, dessen Akteure sich nicht darum scheren, ob ein Tourist zusieht oder nicht. In diesem Sinne lässt sich ausgerechnet das Touristenziel Nazca als Ort einer Atempause vor den touristischen Hochburgen des Südens nutzen: Abends, wenn die meisten Touristen schon wieder im Bus sitzen und weiterfahren, sollte man gemächlich durch Nazca spazieren, gebratene Rinderherzen bei einer Straßenverkäuferin essen und vielleicht dem Sandsturm nachsehen, der durch die Parallelstraße davon zieht.

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Autor: Malinche  23.07.2010 |  Beitrag hilfreich? Ja (1) | Nein

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