Pilgern auf dem Jakobsweg Tirol
Das Pilgern auf dem Jakobsweg ist nicht nur eine spirituelle, sondern auch eine persönliche Herausforderung. Eine der schönsten Gegenden, ihn zu beginnen, ist Tirol.
Beim Jakobsweg denkt man zunächst an Spanien. In erster Linie gilt als Jakobsweg tatsächlich der Camino Francés, der im Hochmittelalter die Hauptverkehrsachse Nordspaniens bildete. Sie reicht von den Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela, wo sich das Grab Jakobs befinden soll. Jakob war einer der zwölf Apostel Jesu und wurde im Jahre 44 n. Chr. der Legende nach von König Herodes ermordet. Sein Leichnam soll einem Schiff ohne Besatzung übergeben worden sein, das in Galicien landete. Dort soll er schließlich beigesetzt worden sein. Auf dem Jakobsweg war im 11. und 12. Jahrhundert eine der größten Pilgerbewegungen des christlichen Westens unterwegs. Santiago de Compostela wurde damit neben Rom und Jerusalem zu einem der wichtigsten Wallfahrtsorte. Ab 1980 begann man zunächst in Spanien, die Wege, die die damaligen Pilger genommen hatten, mit Hilfe von Pilgerberichten, Zollbüchern und Passantenlisten von Hospitälern zu rekonstruieren und zu markieren. Der Autor Peter Lindenthal erschloss in Privatinitiative ab 1997 die Pilgerrouten durch Österreich und zeichnete sie mit kleinen Holztäfelchen aus. In jüngster Zeit ist die Tradition des Pilgerns zu Teil auch durch das Buch „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling wieder aufgelebt.
Dass die Jakobswege auch durch Tirol führen, ist dabei wenigen bekannt. Zu Unrecht, denn gerade in der weiten Natur der Tiroler Berglandschaften findet der Pilgernde die optimalen Bedingungen, um zur Ruhe zu kommen und fernab von der Hektik des Alltags einfach mal bei sich zu sein. Die Wege beginnen jeweils in Nikolsdorf, Lofer oder Kufstein und treffen sich in Innsbruck. Von und bis Innsbruck können die einzelnen Wege wiederum leicht variiert werden. Ab St. Christoph geht der Tiroler Jakobsweg in den Vorarlberger Jakobsweg über. Pilgerinteressierte in Tirol können sich einer Pilgergemeinschaft anschließen wie etwa der Jakobsgemeinschaft Tirol, die sich regelmäßig im Gasthaus „Goldenes Dachl“ zusammenfindet. Aber auch das Loswandern auf eigene Faust ist für viele ein erfüllendes Erlebnis von Aufbruch, Neuanfang und seelischer Reinigung.
Einige besondere Vergünstigungen bietet der Pilgerpass, der in Tirol in der Dompfarre St. Jakob in Innsbruck erhältlich ist. In manchen Pilgerherbergen ist das Übernachten nur unter Vorlage des Pilgerpasses erlaubt, im Gasthaus Engel im Schweizer Ort Sirnach und im Hotel Jakob in Rapperswil bekommt man gegen Pilgerpassvorlage eine kostenlose Pilgersuppe serviert. Außerdem bildet der Pilgerpass dann, wenn der Jakobsweg bewältigt wurde, eine schöne Erinnerung an das Geschaffte. An jeder Station kann sich der Wandernde einen Stempel eintragen lassen und so am Ende noch einmal rekapitulieren, wo er alles gewesen ist.
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