Port Arthur- Ruinen des Schreckens am Ende der Welt

Port Arthur ist durch eine 100 Meter breite Landzunge mit Tasmanien verbunden. In einer zauberhaften Landschaft stehen Ruinen als Zeugen der Revolution des Strafrechts.

Port Arthur befindet sich am letzten Zipfel Tasmaniens. Einzig eine 100 Meter breite Landzunge hält die Verbindung zur Insel. Inmitten der fabelhaften Natur stehen die Ruinen einer ehemaligen Strafkolonie. Niemand sieht dieser unschuldigen und friedlichen Natur den Schrecken an, der sich einst hier abspielte. Friedlich wiegen sich die Wipfel der Bäume im Wind. Sie stehen vor der azurblauen Tasmanischen See. Das Wasser wird ruhig an schneeweiße Strände gespült.

Port Arthur wurde im Jahr 1830 gegründet. Damals wurden die ersten Gefangenen aus Großbritannien auf die Insel gebracht. Sie kamen mit dem Schiff, welches fünf Wochen bis nach Tasmanien brauchte. Sie kamen, wegen den kleinsten Vergehen. Einige hatten aus Hunger Tiere gestohlen. Port Arthur galt als ausbruchssicher. Nur wenige der Gefangenen verließen die Insel lebend. In den vierzig Jahren seines Bestehens beherbergte Port Arthur 12700 Verurteilte. Damals hieß dieser Landstrich Van Diemens Land. Ab dem Jahre 1853 wurden keine Gefangenen mehr nach Port Arthur gebracht. Das bedeutet, dass 15 Jahre später die Kolonie komplett überaltert war. 1872 wurde Port Arthur geschlossen. Später zerstörten verheerende Buschfeuer die Zeugen des Schreckens. Heute sind die Ruinen noch erhalten. In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts kaufte die tasmanische Regierung die Reste der Strafkolonie. Alles wurde aufwändig restauriert. Die Gärten werden liebevoll gepflegt. Nach Abzug der Gefangenen siedelte sich eine kleine Ortschaft, namens Carnavan in Port Arthur an.

Als ich das erst Mal dort war, fuhr ich im Rahmen einer Tagestour von Hobart aus nach Port Artur. Ein großes Besucherzentrum empfängt die Touristen. Eine Karte, die zwei Tage gültig ist kostet 26 Dollar Eintritt. Später war ich noch einmal da. Es ist dem Zufall zuzuschreiben, dass ich während eines Spaziergangs auf den kostenlosen Hintereingang zur ehemaligen Strafkolonie stieß. So konnte ich alles noch einmal in Ruhe nachvollziehen und verbrachte dann einige Tage da.

Aber zurück zum normalen Eingang. Jeder Besucher, der Port Arthur betritt zieht zunächst eine Karte aus dem Spiel des Lebens. In diesem Moment verwandelt sich der Besucher in einen der ehemaligen Strafgefangenen. Mein Gefangener war erst vierzehn Jahre alt. Wegen Diebstahl wurde der nach Port Arthur gebracht. Er arbeitete als Schuster. Später beteiligte er sich an verschiedenen Streiks gegen die brutalen Bedingungen, was zur Folge hatte, dass er viele Strafen erhielt und Port Arthur nicht mehr verließ.

Port Arthur galt damals als Revolution des Strafrechts. Statt brutaler Gewalt erfand man neue Methoden, um die Gefangenen zur Buße und Reue zu bringen. Gut erhalten ist der strahlenförmige Bau eines Gefängnisses, in dem die besonders Straffälligen in Einzelhaft gehalten wurden. Anfangs waren die Gefangenen zwischen vier und zwölf Monaten da eingesperrt. Sie durften mit niemanden Sprechen und keinen der anderen Gefangenen sehen. Die Wärter kommunizierten im Flüsterton und per Handzeichen. Zum Hofgang wurden die Gefangenen mit Masken geführt, damit kein Blickkontakt den Prozess der Sühne störte. Sehr gut erhalten ist eine Kapelle. Ich erinnere mich an den schweren, süßlichen Geruch, der bis heute in dem Gemäuer liegt. Eine Kanzel steht in der Mitte. Nicht mal in der Kapelle durfte ein Gefangener den anderen zu Gesicht bekommen. Um dies zu gewährleisten war jeder Platz in der Kapelle durch eine große Holztür voneinander getrennt. Wer dieser Strafe nicht standhielt wurde bald verrückt. Aber auch dafür war gesorgt. Die Strafkolonie hatte ein eigenes Irrenhaus. Auf dem Gelände finden sich auch die Ruinen des Armenhauses. Ins Armenhaus kamen die alten Männer, die nicht mehr arbeiten konnten, ins Krankenhaus die Simulanten.

Auf dem Gelände Port Arthurs können Besucher ein einzelnes Cottage bewundern. In diesem lebte für kurze Zeit ein berühmter irischer Proletarier. Er kämpfte für die Unabhängigkeit Englands. Dem Anschein nach stieß er bei den Wärtern damit auf Sympathien, denn er besaß neben zahlreichen Vergünstigungen einen eigenen Garten. Nach vier Monaten kam er wieder in Freiheit. Noch besser als der irische Proletarier lebten die Offiziere und Wärter der Gefangenen. Originalgetreu nachempfunden wurde das Haus des damaligen Oberaufsehers und seiner Familie. Alles fand in einem Zimmer statt. Es wurde in einem Bett geboren und gestorben. Im Schlafzimmer befand sich gleichzeitig die Toilette. Die Räume  waren zwar beengt, aber für die damalige Zeit sehr komfortabel.

An einem winzigen Hafen in der Strafkolonie besteht für Touristen die Möglichkeit mit einem kleinen Schiff zur Insel des Todes zu gelangen. Das ist eine winzige Insel, ungefähr zehn Minuten vom Festland entfernt. Auf dieser Insel wurden die toten Gefangenen und Offiziere begraben. Und auch im Tod wurden die Unterschiede klar herausgestellt. Auf dem oberen Teil der Insel waren die Offiziere und Wärter begraben. Sie besaßen sogar einen Grabstein. Auf dem unteren Teil wurden die verstorbenen Gefangenen verscharrt.

So viel Schrecken und Ungerechtigkeit finden auch nach dem Tod keine Ruhe. Uns so häufen sich die Gerüchte, dass es in Port Arthur spukt. Wer Gänsehautgefühle mag, der kann an einer der nächtlichen Führungen teilnehmen. Sie starten um 21 Uhr 30 – nämlich dann, wenn es dunkel geworden ist und kosten 17 Dollar Eintritt. Viele Spukbilder sind während solcher Führungen entstanden mit Geistererscheinungen.

Im Jahre 1996 kamen der Schrecken und der Tod zurück nach Port Arthur. Ein Amokläufer setzte sich in ein Cafe Port Arthurs. Bei sich hatte er eine Tasche voller Waffen. Dann begann er wahllos auf Touristen zu schießen. Leute, die das vom Parkplatz aus beobachteten hielten dies zunächst für die Aufnahmen zu einem Film. Am Ende fielen dem Amoklauf 35 Menschen um Opfer und viele weitere wurden verletzt. Heute sitzt der Täter eine Haftstrafe von 35-mal lebenslänglich ab. Das Cafe, der Tatort wurde später abgerissen. Heute erinnert ein Gedenkstein an die Tat. An einer anderen Stelle wurde das heutige Besucherzentrum errichtet.

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Autor: yvowe  13.07.2010 |  Beitrag hilfreich? Ja | Nein

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