Prag - zauberhafte Stadt an der Moldau
Prag mit seiner lieblichen Lage zwischen Hügeln und Fluss ist eine der romantischsten Städte Europas. Bei einem Spaziergang entdeckt der Besucher alle paar Meter malerische Winkel der zauberhaften Stadt an der Moldau.
Die tschechische Hauptstadt Prag ist für viele noch eine Unbekannte auf der Landkarte. Was erwartet einen in Kafkas Stadt? fragt sich der Reisende während der Anreise. Prag ist eine jener Städte, in die man sich nicht erst auf den zweiten Blick verlieben muss, sondern es reicht meistens der erste. Die Lage ist für eine Großstadt mit über einer Million Einwohnern geradezu idyllisch: das Zentrum liegt in einer Schleife der Moldau, welche die Stadt von Süden kommend durchquert, dann eine Kurve nach Osten macht und sie schließlich wieder gen Norden verlässt. Wer mit dem Zug auf der Neustadtseite ankommt, der könnte sich gleich auf dem Königsweg, jenem Pfad, den früher die tschechischen Könige auf ihrem Weg zur Krönungskirche St. Veit nahmen, auf Entdeckungsreise begeben. Doch bequemer bezieht man erst sein Hotel oder Hostel in Prag. Die Auswahl ist unendlich groß und bietet etwas für jeden Geschmack und Geldbeutel. Auch wenn Prag eine der beliebtesten Städte für Tourismus ist, findet der spazierfreudige Reisende immer wieder stille Ecken und Winkel, die überraschenderweise oft nur wenige Meter entfernt sind von den bekannten Sehenswürdigkeiten Prags.
Kaffeehauskultur und Kleinseitner Geschichten
Wem zuerst einmal der Sinn nach einer kleinen Kräftigung steht, der wird in Prag rasch fündig: die Kaffeehauskultur erinnert an Wien, und der Besucher kann sich entscheiden zwischen einem Sandwich und Getränk im herrlich dekadenten Flair des Jugendstilcafès im Gemeindehaus, dem Obecní Dum gleich in der Nähe des Bahnhofs, oder dem Slavia an der Moldau, mit seinem plüschig-nostalgischen Flair, den Obern im Frack und den unzähligen Varianten, Kaffee zu servieren. Hier soll auch Vacláv Hável gern zu Gast sein. Und dieser begegnet einem in Prag immer wieder, wenn man mit Tschechen spricht: Der Vater der Demokratie, der Dichterpräsident, der das Land aus dem Kommunismus führte, ist eine Legende.
Dass es ausgerechnet ein Poet war, spricht für die lange literarische Tradition Prags. Hier lebte und arbeitete der geniale Kafka, hier schrieb der rasende Reporter Egon Erwin Kisch und die „Kleinseitner Geschichten“ von Jan Neruda erzählen das Leben in dem traditionellen Viertel der einfachen Leute, der Malá Straná, mit einer nostalgischen Atmosphäre, die der Besucher auch heute noch vor allem morgens noch finden kann, wenn die meisten Touristen noch auf ihren Zimmern sind. Wer sich für Literatur interessiert und den Touristenströmen ausweichen möchte, der sollte unbedingt ins Kafkamuseum auf der romantischen Kampahalbinsel gehen – merkwürdigerweise finden nicht so viele Besucher hierher, wie es die interessante Ausstellung verdienen würde.
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Ein ertränkter Heiliger, wandernde Apostel und ein Gässchen voller Alchemisten
Neben Kafka hat Prag immer schon verschiedene große Persönlichkeiten angezogen: Der Nationalheilige Johannes von Nepomuk ist einer von ihnen und ihm ist auf der zauberhaften Karlsbrücke eine Statue gewidmet: Er soll als Beichtvater der Frau des Königs Wenzel IV. ihre Geheimnisse nicht preisgegeben haben und wurde deshalb vom erzürnten Gatten in der Moldau ertränkt. Um den Kopf des Brückenheiligen am Ende der von Statuen geschmückten steinernen Brücke sieht man einen Kranz aus fünf Sternen, die die fünf Buchstaben des lateinischen Tacui repräsentieren, was auf deutsch "Ich habe geschwiegen" bedeutet. Auf jeden Fall sollte der Urlauber hier innehalten und die Bronzeplakette mit dem stürzenden Heiligen berühren, dies bringt nämlich Glück! Und mit ein wenig davon findet man bei einem der Verkäufer hier auch ein kleines Andenken, wobei man besser und günstiger in den kleinen Läden der Altstadt oder der Kleinseite einkauft. Die Altstadt mit ihren weiten Plätzen, die im Winter zu stimmungsvollen Adventmärkten werden, ist natürlich ein Muss, und wer zur vollen Stunde hier ist, der sollte vor dem Rathaus halt machen und dem Reigen der Apostel zusehen, die zum Glockenschlag der astronomischen Rathausuhr eine Runde vor dem Ziffernblatt drehen.
Danach steht der Burgberg Hrád auf der Liste – ein Städtetrip nach Prag wäre nicht vollständig ohne mindestens einen halben Tag auf dem Hrad, dem Festungsberg, mit dem Königspalast, dem St. Georgskloster, der herrlichen St. Veitskathedrale mit der St. Wenzelskapelle, die von Tausenden Halbedelsteinen traumgleich schimmert und natürlich dem Goldgässchen. Die kleine Gasse war früher den Goldmachern vorbehalten, die auf alle möglichen geheimnisvollen Weisen versuchten, das Edelmetall zu erschaffen. Die geduckten Häuschen sind heute Anziehungspunkt für alle Prag-Reisenden und natürlich ist ein Halt bei Haus Nr. 22 unerlässlich, hat sich hier doch Franz Kafka von der einmaligen Stimmung inspirieren lassen.
Der Golem und ein frühgotisches Kunstwerk
So hat Prag wirklich jedem und zu jedem Wetter etwas zu bieten! Auf der Altstadtseite der Moldau liegt auch die Josefstadt, das ehemalige Judenviertel, das eines der größten in Europa war. Die Synagogen, die kleinen Gässchen und der verwitterte Friedhof verbreiten noch den morbiden Charme der Zeit, als Juden ein wichtiger Bestandteil der tschechischen Stadt waren. Meist ist die Altneusynagoge mit ihrem charakteristischen Satteldach Ausgangspunkt für einen Rundgang. Hier soll der berühmte Rabbi Löw auch seinen Golem erschaffen haben, ein Wesen aus Lehm, das menschengleiche Züge hatte und das Symbol für die Arroganz des Menschen werden sollte, der sich als Schöpfer aufspielt. Unweit des jüdischen Viertels ist mit dem Agneskloster ein weiteres Juwel unter den Sehenswürdigkeiten in Prag verborgen. Frühgotische Architektur, großartige Gemälde böhmischer Maler und ein Hof, der zum Ausruhen einlädt, sind die Höhepunkte des Klosterkomplexes.
Knödel, Bier und schwarzes Theater
Doch auch der Abend ist in Prag niemals langweilig: Zuerst wird jeder Gast ein rustikales böhmisches Essen zu schätzen wissen, am liebsten mit einem köstlichen kalten Bier. Tschechien ist berühmt für sein Pilsener und Budweiser Bier, und auch Staropramen aus Prag selbst ist eine Verkostung wert. Besonders bekannt ist das U fleku, eine traditionelle Bierhalle, in dem schmackhaftes dunkles Bier ausgeschenkt wird. Es lässt nicht wundern, dass zu Zeiten der Österreichisch-Ungarischen Monarchie die Köchinnen der Adeligen zumeist aus Böhmen stammten, ist die Auswahl an saftigen Knödeln, knusprigen Braten und luftig-süßen Palatschinken doch schier unerschöpflich. Und nach einem Becherovka, einem Kräuterlikör, ist der Reisende auch wieder fit für die Nacht.
Und die kann lang werden – das studentische Nachtleben zieht Studierende aus der ganzen Welt hierher, doch auch klassische Konzerte in den Kirchen und Palästen der Stadt sind eine schöne Alternative. Für alle, die den Jazz lieben, wird es in Prag nur noch schwierig, das Lokal auszuwählen: Einer der bekanntesten und ältesten Clubs ist das Reduta, in dem immer wieder tschechische und internationale Jazzgrößen auftreten. Intimer ist das Agharta, und auch hier kann man Jazz in höchster Qualität hören. Auf keinen Fall versäumen sollte man bei einer Reise nach Prag eine Vorführung im Schwarzen Theater – eine eigene Kunstform, bei der die Schauspieler alle in schwarzer Kleidung vor einem schwarzen Hintergrund auftreten. Dadurch nehmen alle von ihnen bewegten beleuchteten Gegenstände einen magisch-unrealen Charakter an. Ein perfekter Abschluss für eine erste Reise nach Prag, sei’s nur für ein Wochenende, sei’s für mehrere Tage....
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