Pura Luhur Ulu Watu in Bali- ein Tempel der Affen
Der Ulu Watu befindet sich an der Südwestspitze der Halbinsel Jimbaran. Er wird von diebischen Affen bevölkert und bietet Sicht auf die tosende Brandung des Meeres.
An der Südwestspitze der Halbinsel Jimbaran erhebt sich der imposante Tempel Pura Luhur Ulu Watu. Dieser Tempel wurde im zehnten Jahrhundert von Empu Kututan geschaffen. Erbaut aus Korallengestein soll er vor bösen Mächten schützen. Die Balinesen vermuten, dass im Wasser viele Dämonen wohnen. Da wir schon viel über diesen Tempel gehört hatten, stand er auch bei uns auf der Liste der Sehenswürdigkeiten, ohne deren Besuch wir Bali nicht verlassen wollten. Mit Hilfe eines Fahrers erreichten wir schnell die Südwestspitze der Insel. Als ich das Auto verließ, nahm mir die Tropenhitze den Atem. Ein Nachteil der Hitze ist, dass sie die Fähigkeit zum logischen Denken stört. Neben unserem Fahrzeug standen Reisebusse und einige andere Fahrzeuge, welche Touristen lieferten. Auch die typischen Marktstände fehlten nicht. Um jede Attraktion siedelten sie sich an. Touristen der verschiedensten Nationen strömten zum Tempel. Ohne einen Sari wurden wir allerdings nicht hineingelassen. Es fehlte jedoch nicht an Sari-Ausleihstationen. Schließlich gingen wir mit den Touristen, unserem Reiseführer und dem Sari um die Hüften in Richtung Eingang.
Als wir den staubigen Weg entlanggingen, saßen links und rechts von uns ärmlich gekleidete Menschen, die Nüsse verkauften. Schon bald sahen wir den Grund für diesen seltsamen Handel. Der Tempel war bewohnt. Nein, nicht von Menschen. Unzählige Affen hatten ihn besiedelt! Dass ausschließlich diese Tiere das Sagen hatten, machten sie uns bald klar. Wir hatten ihr Revier betreten, also galten ihre Regeln. Ihr Revier, dass war ein alter, durch vielfältige Witterungseinflüsse verfallener Tempel, der eigentlich nur aus Ruinen bestand, die auf staubigen Boden standen. Wir versuchten die Bewohner mit den gekauften Nüssen friedlich zu stimmen. Doch diese reichten den Affen längst nicht als Gastgeschenke. Sie wollten mehr! Und nun wurde uns klar, warum viele der Reiseführer mit Schlagstöcken bewaffnet waren. Wenn die Affen die Nüsse aufgefressen hatten, dann stand ihnen der Sinn nicht mehr nach kulinarischen Genüssen, sondern eher nach modischen und technischen Highlights.
Eine Kamera sollte daher immer um den Arm oder Hals gebunden werden - also untrennbar mit dem Körper verbunden. Während wir mit dem Reiseführer die Treppen zum Tempel hinauf schritten, konnten wir immer wieder diebische Affen beobachten. Mit flinken Fingern versuchten sie den Touristen Kameras zu entreißen, zogen Sonnenbrillen mitten aus den Gesichtern oder lüfteten Köpfe, in dem sie Mützen abzogen. Wir sahen den hilflosen Versuch eines Touristen seine Sonnenbrille wieder zu bekommen. Sein Reiseführer schlug mit einem Stock nach dem Affen, doch dieser steckte seelenruhig den Bügel der Brille in seinen Mund und verschwand. Die Affen wollen nicht nur mal kurz die Touristen ärgern, ihnen einen Streich spielen, sie verulken oder sonstiges. Nein, sie wollen die geklauten Gegenstände behalten. Raffgierig schleppen sie alles in ein Lager, in dessen Nähe kein Mensch darf.
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In Begleitung unseres Reiseführers und immer im Schatten der Affen erreichten wir schließlich die höchste Stufe des Tempels. Unter den Tempelmauern bot sich eine atemberaubende Sicht auf das Meer, welches immer wieder gegen den Fels schwappte. Jeden Abend bei Sonnenuntergang kann man hier einen berühmten Tanz erleben, den Kecak-Tanz. Sehr treffend symbolisiert dieser Tanz ein mythologisches Affenheer, die Helfer des einstigen Prinzen Rama. Sie bilden einen Kreis, in dessen Inneren einzelne Figuren treten, immer umrahmt von den Rufen und beschwörerischen Bewegungen der Kecak-Tänzer. Wir verließen den Tempel noch vor Sonnenuntergang und fuhren an den nur wenige Kilometer entfernten Jimbaran Strand. Er ist bekannt für seinen Fisch, der vor Ort gegrillt wird. An einem Tisch mit Blick zum Meer, an dessen Horizont die Sonne langsam unterging, ließen wir den Abend ausklingen.
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