Roadtrip durch Skandinavien
Ein Roadtrip durch Skandinavien, von Kopenhagen über Stockholm bis in die Wälder Finnlands.
Bevor unser Roadtrip beginnen konnte, kauften wir uns für ein paar Hundert Euro einen alten VW-Bus, der uns hoffentlich problemlos in den hohen Norden bringen sollte. Dazu natürlich allerhand nötiges und unnötiges Gepäck, wie eine gute Reserve an Bier oder auch ein Werkzeugsatz für den Fall der Fälle. Jetzt noch den obligatorischen Roadtrip-Soundtrack und schon konnte es losgehen.
Kopenhagen
Unser erster Stopp auf dem Roadtrip durch Skandinavien war die dänische Hauptstadt Kopenhagen. Wir hatten uns im Voraus Betten in einer gemütlichen Jugendherberge im Stadtzentrum reserviert. "Sleep in Heaven" hieß die Unterkunft. Unser Auto stellten wir einfach auf einen Parkplatz - auf Gott und die Gnade der dänischen Polizei vertrauend. Kopenhagen ist eine für seinen großen Namen doch eher kleine Stadt. Deshalb mieteten wir uns Fahrräder, die uns in nie mehr als einer Viertelstunde Fahrt zu allen Sehenswürdigkeiten der Stadt brachte. So sahen wir die berühmte Meerjungfrau, die obwohl eine bekannte Touristenattraktion, nur bedingt sehenswert ist. Ein weiterer Stopp beim Nyhaven - einem traditionellen kleinen Hafen mitten in der Stadt - ist hingegen ein Muss. Die Cafés und Bars entlang des Hafens laden zum Verweilen ein. Die Wachablösung der königlichen Leibwache vor dem Königspalast ist für Besucher aus einem Land ohne Könige und Leibgarde sicherlich interessant. Ebenso sehenswert ist das Hippieviertel Christiania, wo die Bewohner mehr oder weniger die freie Liebe und das Leben in einer Kommune leben. Christiania versteht sich zudem als Freistaat und so verkündet eine Tafel beim Betreten des Viertels, dass man die EU jetzt verlasse und Christiania betrete.
Schwierig wird es in Kopenhagen erst, wenn man auf der Suche nach bezahlbaren Restaurants oder Kneipen ist. Schließlich können sich Studenten auf einem Roadtrip nicht täglich Bier für umgerechnet 8 Euro leisten. Dank der Hilfe von freundlichen Dänen gelang es uns dann jeweils zumindest nicht allzu viel Geld auszugeben. Empfehlenswert sind die zahlreichen Hotdog-Verkäufer an den Straßenrändern, die stets preiswert sind. Dass Kopenhagen teuer ist, muss aber akzeptiert werden (eine Tatsache, die sich auch für den weiteren Verlauf des Roadtrips durch Skandinavien nicht ändern sollte). Von Kopenhagen ging’s nach vier Tagen weiter über den Sund nach Malmö, wo wir aber nur einen kleinen Zwischenstopp einlegten. Da ein Roadtrip ja vor allem aus Autofahren besteht überrascht es nicht, dass es weitere sechs Stunden brauchte, bis wir endlich in Stockholm ankamen.
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Stockholm
Im Vergleich zu Kopenhagen erscheint Stockholm direkt groß. Unser Hostel war wiederum eine Jugendherberge im Zentrum der Stadt, ideal um die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Das besondere an unserer Jugendherberge war, dass ein Teil davon auf einem alten Schiff war, dass vor dem Gebäude der Jugendherberge ankerte. Leider waren unsere Zimmer keine Kojen an Bord, aber von andern Besuchern hab ich mir sagen lassen, dass das Übernachten in den Kojen eine spezielle Erfahrung sei.
Zur Stadtbesichtigung besorgten wir uns wieder Fahrräder, um über die vielen Brücken von einer Insel zur nächsten zu radeln. Besonders sehenswert sind vor allem Gamla Stan, mit der engen Altstadt und dem Königspalast, sowie der Stadtteil um den Hamngatan herum. Für Besucher - und vor allem Besucherinnen - die von der schwedischen Kleiderkette H&M schwärmen, bieten sich um den Hamngatan herum mehrere Geschäfte an. Einen halbtätigen Ausflug in den Stadtpark Djurgarden mit dem Kulturmuseum und Tierpark Skansen ist ebenfalls empfehlenswert. Ebenfalls auf Djurgarden befindet sich auch das Vasa-Museum, wo das Schiffswrack der gesunkenen Vasa betrachtet werden kann. Zudem erfährt man in diesem Museum einiges über die Vergangenheit Schwedens als Regionalmacht.
Zudem hatten wir in Stockholm noch das Glück an ein Openair-Festival mit diversen schwedischen Bands heranzutreten, wo wir auch endlich mit einigen Einheimischen in Kontakt kamen. Schweden sind zunächst eher schüchtern, tauen aber im Laufe des Abends gewaltig auf. Das Nachtleben in Stockholm kann sich durchaus sehen lassen, allerdings sind die Altersgrenzen für den Einlass in Clubs für mitteleuropäische Verhältnisse sehr hoch - und so kann es durchaus sein, dass man 25 Jahre alt sein muss, um in bestimmte Lokale zu kommen. Auch Stockholm ist eher ein Hochpreisland - ein gutes Polster an Kronen ist daher sicherlich keine dumme Idee. Nach fünf Tagen fuhr unser Gebrauchtwagen dann in den Bauch einer Fähre, die uns über den finnischen Meerbusen nach Turku in Finnland bringen sollte.
Blockhaus in den finnischen Wäldern
Einen Roadtrip durch Skandinavien muss natürlich auch ein Zwischenhalt in der totalen Abgeschiedenheit beinhalten. Unser Blockhaus lag mitten in finnischen Wäldern, die nächste große Stadt Tampere lag gut eine Stunde Autofahrt weit weg. Für die täglichen Einkäufe musste man eine gute Halbstunde über holprige Schotterstrassen mit Schlaglöchern fahren. Diese Abgelegenheit hatte aber auch viele Vorteile: Erstens konnten wir so laut sein wie wir wollten, kilometerweit gab’s keine Häuser. Zweitens hatten wir einen See direkt vor unserer Nase, der eine gute Alternative zu Sauna und Bier darstellte. Wunderschön sind auch die Sonnenuntergänge im Norden. Weniger toll war leider das Wetter, für Nachahmer sei der Juli und nicht der August als Reisemonat empfohlen. Ganze zwei Wochen hielten wir es in unserem Blockhaus aus. Wir hatten uns in der Zwischenzeit passable Fähigkeiten in den Bereichen Bootsmotor bedienen, Schwitzen in der Sauna sowie beim Angeln angeeignet. Vom Blockhaus fuhren wir dann drei Stunden bis nach Helsinki, der vierten und letzten Station unserer Reise.
Helsinki
Die Hauptstadt Finnlands bildete der Schlusspunkt unseres Roadtrips durch Skandinavien. Helsinki ist eine überschaubare Stadt, die durch den bekannten Dom mit der türkisfarbenen Kuppel überragt wird. Ein Besuch des Doms ist sicherlich ein Pflichtstopp. Geprägt ist Helsinki vor allem auch durch die Lage am Meer. Da unsere Fähre zurück nach Rostock schon am nächsten Tag fahren würde, blieben uns nur ein Nachmittag und eine Nacht um Helsinki kennenzulernen. Unser Hostel überzeugte auch hier durch seine zentrale Lage und so konnten wir mitten in der Nacht in wenigen Minuten nach Hause torkeln. Denn das Nachtleben in Finnland hat es in sich: Was für die Nordländer generell gilt (zuerst verschlossen, mit Alkohol tauen sie auf), gilt für die Finnen speziell. Entsprechend war in den Nachtklubs Helsinki eine gute Sause anzutreffen. Ehrlich gesagt waren wir aber von den Bars und Klubs abgesehen, eher enttäuscht von Helsinki, vor allem im Vergleich zu den lebendigen Städten Stockholm und Kopenhagen.
Auf jeden Fall wünschten wir uns auf der 27 Stunden dauernden Fährenüberfahrt nach Rostock sämtliche Städte Skandinaviens zurück, da der Aufenthaltsraum an Langeweile kaum zu überbieten war. Vielleicht wäre es eine interessante Option auf der Rückfahrt im Baltikum einen Stopp einzulegen. Einige Fährgesellschaften bieten Stopps in Talinn oder Riga an. Trotz nerviger Fährfahrt am Ende ist ein Roadtrip durch Skandinavien eine tolle Sache, die ich nur weiterempfehlen kann.
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