Ruinen von Caral – Die älteste Stadt Amerikas liegt in Peru

5.000 Jahre sollen die Ruinen von Caral im Supe-Tal von Peru alt sein. Die Archäologin Ruth Shady ist sicher: Sie hat die älteste Stadt von ganz Amerika gefunden.

Noch fahren viele Touristen an Caral vorbei. Die Ruinen liegen deutlich abseits der klassischen Touristenpfade der Peru-Reisenden: knapp 200 Kilometer und etwa drei Stunden Busfahrt nördlich von Lima in der erbarmungslos heißen Küstenwüste von Peru in der Provinz Barranca. Wer den Komplex der Ruinen von Caral besuchen will, braucht momentan noch nicht viel Geld, aber einen Funken Abenteuerlust.

Anreise nach Caral

Die Stadt Barranca an der Panamericana ist Ausgangspunkt für Reisende nach Caral. Barranca ist ein ruhiges, unaufgeregtes Städtchen, Touristen kommen hierher in sehr überschaubaren Mengen. Die Anbindung ist jedoch gut. In die peruanische Hauptstadt Lima fahren Busse quasi im Minutentakt ab. Von Barranca fährt man am besten mit dem Taxi oder einem combi, einem öffentlichen Kleinbus, in den Nachbarort Supe und von dort mit einem Sammeltaxi (colectivo) nach Caral; die Fahrt kostet umgerechnet weniger als einen Euro.

Caral, das ist zunächst auch ein Dorf, ein paar hingeworfene Häuser am Ufer des Río Supe. Bis zu den Ruinen von Caral ist es noch ein Stückchen Weg, aber bald sieht man die Umrisse der sandbraunen Bauten und Pyramiden. Gut 50 Hektar ist Caral groß, seit dem Jahr 1996 wird hier gegraben. Die peruanische Archäologin Ruth Shady Solís hat Caral zu einem der wenigen archäologischen Projekte in Peru gemacht und die staatliche Finanzierung erhalten. Sie hat sich gegen eine Menge Neider und Diffamierungen durchsetzen müssen. Nicht von ungefähr, denn es ist keine kleine Sache, was Ruth Shady gelungen ist: Mit den Ruinen von Caral hat sie vermutlich die älteste Stadt auf dem amerikanischen Kontinent ausgegraben.

Die Ruinen von Caral - noch immer ein Insidertipp

Die touristische Infrastruktur der Ruinen von Caral ist noch rudimentär. So kann es durchaus vorkommen, dass man in der glühenden Mittagshitze eintrifft und der kleine Kiosk gerade seine letzte Flasche Wasser verkauft hat. Die Besichtigung der Ruinen von Caral ist im Rahmen einer Führung möglich, die pro Kopf elf Soles kostet, das sind umgerechnet keine drei Euro. Studenten zahlen umgerechnet einen Euro. Für den guía, den Fremdenführer, wird noch einmal eine Gebühr von 20 Soles (fünf Euro) fällig, die man sich aber mit den anderen Gruppenteilnehmern teilt.

Zweiunddreißig architektonische Einheiten werden während des Rundgangs, der etwa anderthalb Stunden dauert, besucht. Sie verteilen sich auf zwei terrassenartige Terrains, die obere und die untere Hälfte. Archäologische Hypothesen gehen davon aus, dass sich in der oberen Hälfte mehr Monumentalbauten befanden als in der unteren. Beeindruckende Bauten in der unteren sind beispielsweise der Templo del Anfiteatro, der in Anlehnung an die antiken Bauformen Europas so genannt wurde; er enthält einen runden, abgesenkten Platz, der allerdings typisch für die andine Architektur ist.

Sehenswerte Führung durch Caral

Die Ruinen von Caral stammen aus einer Zeit, in der noch keine Keramikverarbeitung bekannt war, dennoch wurden hier eine Vielzahl von aussagekräftigen Objekten gefunden, beispielsweise viele Musikinstrumente. Mit Repliken will man bald den Klang der präkolumbischen Musik nachstellen. Bemerkenswert ist, dass in Caral bislang kein Friedhof oder ähnliches gefunden wurde. Bei anderen archäologischen Fundstätten in Peru sind Begräbniskontexte nicht nur häufiger, sondern meist auch besonders aufschlussreich.

Die Führung durch die Ruinen von Caral erfolgt auf Spanisch, auf Wunsch auch auf Englisch. Die meist lokalen Führer geben gute, fundierte Informationen über Caral und seine Geschichte. Der Rundgang vorbei an den mittlerweile gut freigelegten Resten von Tempeln und pyramidenartigen Bauten sollte nicht nur passionierte Archäologen beeindrucken. Ganz gleich, ob Caral wirklich die älteste urbane Zivilisation von Amerika ist: Seine Ruinen sind absolut sehenswert und momentan noch nicht touristisch überlaufen.

Ruth Shady und das Caral-Projekt - sozial verantwortliche Archäologie

Zudem sind die Ausgrabungen von Caral in weiterführende soziale Projekte eingebunden. Denn dem Team um Ruth Shady geht es auch darum, die lokale Bevölkerung für die Bedeutung der Ruinen von Caral zu sensibilisieren, die vor einigen Jahren zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurden. Und sie möchten die Anwohner des Supe-Tals am touristischen Potential beteiligen. Das ist Ausdruck einer ehrgeizigen, sozial integrativen Archäologie, die in Peru so nicht selbstverständlich ist. Währenddessen gehen die Ausgrabungen in Caral und angrenzenden Ruinenstätten weiter – es bleibt noch viel zu tun in Caral. 

Reisebericht als PDF
Autor: Malinche  23.07.2010 |  Beitrag hilfreich? Ja (1) | Nein

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