Rundgang durch die historische Altstadt von Oberursel im Taunus

Das hessische Städtchen Oberursel wird „das Tor zum Taunus“ genannt und ist Ausgangspunkt für viele Wanderungen. Es wäre schade, wenn man darüber die malerische Altstadt vergessen würde.

Unseren Rundgang durch die Altstadt Oberursels begannen wir am Marktplatz des Städtchens, wo die Stadtführerin vor dem Vortaunusmuseum auf uns wartete. Eine Menge Treppen führen von dort hinauf zum alten Rathaus, dem auffälligsten Gebäude am Markt. "Dieses historische Rathaus stammt aus dem Jahre 1659," erklärte die Stadtführerin. "Es wurde eigentlich auf der alten Stadtmauer errichtet. Seinen Unterbau bildet ein altes Stadttor, wie heute noch zu sehen ist." Geht man durch diesen Torbogen hindurch, fällt eine stabile alte Holztür mit einem großen Riegel auf. Die Stadtführerin erklärte:"Hier war früher die Arrestzelle. Bis zu zwanzig Gefangene konnten darin untergebracht werden. Dann wurde es allerdings eng." Bis 1932 fanden im Rathaussaal über dem Torbogen noch Sitzungen statt. Heute ist er der zweite Trausaal des Standesamtes. Ja, Oberursel hat mehrere Trausäle, einen im Rathaus, einen hier am Markt, und der letzte befindet sich im Brauhaus.

Das alte Oberursel liegt strategisch günstig auf einer Anhöhe. Die Straßen der Altstadt führen daher mehr oder weniger steil bergauf. Natürlich ist auch der Marktplatz ziemlich schräg. Geht man vom Rathaus her abwärts in Richtung Stadtbibliothek, sieht man rechts den Sankt-Ursula-Brunnen, genannt nach der Namenspatronin der Stadt. Linker Hand liegt dann der sogenannte Malerwinkel. Man hat von hier einen fantastischen Blick auf liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser und die Sankt-Ursula-Kirche im Hintergrund.

Schräg gegenüber der Bücherei liegt der wohl seltsamste Brunnen der Stadt, Fastnachtsbrunnen genannt. Er stellt einen Narren dar, der einen Esel führt. Darauf sitzt, allerdings verkehrt herum, eine Frau. Die Gesichter beider Figuren tragen eine Maske. Und dazu gibt es eine lustige Sage: Im Mittelalter wurden Frauen, die ihren Mann geschlagen hatten, verkehrt herum auf einem Esel sitzend durch die Stadt geführt. Wen wundert es, dass beide eine Maske tragen?

Angebote auf Karte zeigen

Alte Mühlen in Oberursel

Viele Mühlen bestimmten früher das Stadtbild Oberursels. Von der ehemaligen Roth`schen Mühle ist noch das typische Mühlenhaus mit dem alten Werksgraben zu sehen. In der Eselsgasse, wo man noch einen Teil der alten Stadtmauer findet, steht die Steinmetzmühle. Beides waren sogenannte Mehlmühlen. Allerdings waren Müller seinerzeit nicht sonderlich gut angesehen. Ein alter Spruch von damals lautet: „Üb immer Treu und Redlichkeit bis an das kühle Grab, und streiche stets zwei Finger breit von vollen Säcken ab.“

Man geht weiter, ein wenig aus der Stadt heraus bis zur Bleiche. Früher wuschen die Oberurselerinnen im Mühlengraben oder am Brunnen ihre Wäsche und breiteten sie zum Trocknen auf der Wiese aus. Ein Denkmal auf dem heutigen Brunnen, genannt „die Wäschfraa“, erinnert an diese Zeit. Von der Bleiche aus sieht man die größte Mühle der Stadt, die Herrenmühle an der Stadtmauer. Das alte Mühlrad ist noch erhalten und dient heute zur Elektrizitätsgewinnung, wenn der Bach genügend Wasser führt.

Entlang der Stadtmauer bis zur Kirche St. Ursula

Folgt man der Gasse „An der Burg“ wieder in Richtung Altstadt, fällt ein mächtiges zweistöckiges Haus auf. Seine Rückwand bildet die Stadtmauer und man sagt, dass der Urselbach durch das Haus hindurch floss, fließend Wasser im Mittelalter! Die Oberurseler nannten das Haus „die Burg,“ auch wenn es nur das Haus des Amtmannes derer von Eppstein war.

Weiter geht es an der Stadtmauer entlang an schmucken renovierten Fachwerkhäusern vorbei bis zur Sankt-Ursula-Gasse gegenüber der Sankt- Ursula-Kirche, dem höchsten Punkt der Stadt. Man sollte sich am Kirchturm die Zeit nehmen, nach der sogenannten „Flennels“ Ausschau zu halten. Etwa in halber Höhe kann man den Stein mit dem weinerlichen Gesicht erkennen. Es ist ein sogenannter Gauchstein, der ursprünglich in der Stadtmauer war.

Die kurze Verschnaufpause im Inneren der gotischen Kirche hat man sich verdient. Man schaut hinauf in das alte Kreuzgewölbe, betrachtet den Barockaltar und die Kanzel. Getragen wird sie von indianisch aussehenden Atlanten. Man sagt, dass der Künstler eine fast gleich aussehende Kanzel irgendwo in Südamerika geschaffen hat.

Von der Kirche aus gelangt man wieder zum alten Rathaus mit seinem Torbogen und weiter zum Marktplatz. „Schade,“ bedauerte die Stadtführerin, „das Museum ist leider schon geschlossen. Aber Sie sollten es vielleicht an einem anderen Tag besuchen. Es lohnt sich, unsere Ausstellung über die alten Kelten anzusehen.“

Reisebericht als PDF
Autor: Hausdrache  13.07.2011 |  Beitrag hilfreich? Ja (3) | Nein

Dein Kommentar zu Rundgang durch die historische Altstadt von Oberursel im Taunus

Weiterführende Inhalte zu Rundgang durch die historische Altstadt von Oberursel im Taunus

Angebote auf Karte zeigen
Urlaub im Taunus | ArtikelDer Taunus erstreckt sich vom Norden von Wiesbaden über Frankfurt am...
Weihnachtsbäume selber schlagen.. | ArtikelDie wohl familiärste Zeit des Jahres zieht jedes Mal zahlreiche...
Wanderregion Taunus - Von.. | ArtikelDer Taunus – das ist eine grüne und bergige Mittelgebirgslandschaft in...
Mühlenwanderweg | SehenswürdigkeitDie Mühlen am Urselbach, die einst der Stadt Oberursel Wohlstand...
Hessentag in Oberursel | Events & UnterhaltungDas jährliche "Fest der Hessen" findet vom 10. bis 19.Juni...
Taunus Therme | Sport & AusflugDie Taunus Therme bietet mit 1.400 qm Wasserfläche eine große...

Bilder zu „Rundgang durch die historische Altstadt von Oberursel im Taunus“

Weiterführende Reisetipps

loading...
Travel writers wanted!