Safari-Roadtrip durch Südafrika
Von der Garden Route bis Pretoria: 10 Tage Safari-Roadtrip durch Südafrika
Den ersten Schreck, noch vor dem Start meines Safari-Roadtrips durch Südafrika, bekomme ich schon gleich am Frankfurter Flughafen, als ich sehe, dass mein Flug etwa eine halbe Stunde Verspätung hat. Da ich in Johannesburg nur 30 Minuten zum auschecken, Gepäck holen, Gebäude wechseln und wieder einchecken habe. Alles halb so schlimm, denke ich mir, denn das holen die Piloten meistens locker wieder rein.
In Johannesburg kommen wir aber wegen eines Unwetters dann doch 20 Minuten zu spät an, mir bleiben nur noch 10 Minuten. Innerlich habe ich mich eigentlich schon damit abgefunden, meinen Anschlussflug verpasst zu haben, ich beeile mich trotzdem und renne was das Zeug hält, um vor allen anderen Passagieren meinen Pass abstempeln zu lassen, meinen Koffer vom Band zu ziehen und vielleicht doch noch rechtzeitig zum Inlandsterminal zu kommen. Dort macht gerade der Schalter für meinen Flug zu, aber die netten Damen der Airline machen eine Ausnahme und lassen mich noch durch. Nur beeilen soll ich mich, 8 Minuten bleiben mir. Ich renne zum Ausgang und verpasse den letzten Bus zur Maschine. Jemand scheint es aber gut mit mir zu meinen und funkt den Busfahrer an, er solle noch mal halten. Als ich dann endlich in der kleinen Maschine Richtung George sitze, bin ich beruhigt und freue mich auf 10 Tage Safari-Roadtrip entlang der Küste Südafrikas.
Kurz nach 11 Uhr landet das Flugzeug auf dem kleinen Flugplatz in George direkt neben strahlend blauem Meer. Nach der Hektik genieße ich die warme Luft, lasse mich auf einer Bank in der Sonne nieder und warte darauf abgeholt zu werden. Da erscheint auch schon meine Reisebegleitung in einem großen Landrover, unser Gefährt in den nächsten 10 Tagen. Bevor wir zu unserer Unterkunft fahren, bekomme ich erst einmal die neue Garden Route Mall gezeigt. Doch statt Lust auf shoppen, bekomme ich Hunger und einen großen Teller Pasta. Danach geht es nach Oudtshoorn. Aber statt einem faulen Tag in der Sonne, gehen wir einkaufen für den Braai (Barbecue) und schon ist es auch dunkel und die ersten Gäste da.
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Am nächsten Tag machen wir uns noch vor Sonnenaufgang auf den Weg. Das gleichmäßige Brummen des Autos lässt mich tatsächlich noch eine ganze Weile schlafen. Zwischendurch werde ich geweckt, um den farbenfrohen Sonnenaufgang nicht zu verpassen. 14 Stunden fahren wir beinahe ununterbrochen von Oudtshoorn durch tiefstes Outback bis nach Port Shepstone an der Hibiskus Coast. Das Sitzen und die Hitze hat mich so müde gemacht, dass ich nur noch schnell ein Steak essen kann und dann sofort in mein Bett im Schlafsaal des Backpackers falle. Irgendwann nachts wache ich auf und stelle fest das außer mir, nur noch zwei liebestolle Geckos im Zimmer sind und ich von meinem Bett direkt auf das Meer und den Mond sehen kann.
Gerade als die Sonne aufgeht, wache ich auf. Ich schnappe mir meine Kamera und spurte los zum Strand. Der ist eingerahmt von Hibiskusblüten, man könnte fast meinen man ist auf Hawaii. Die Sonne spiegelt sich rot-golden im Meer, das Wasser glitzert und ich schnappe mir eine der reifen Papayas zu Frühstück. Weiter geht es nach Durban zur Touristikmesse Indaba, wo wir einen zweitägigen Zwischenstopp einlegen mit Wein&Käse-, Whisky- und Schokolade-Seminaren, jede Menge Souvenirs und etliche Vorführungen von afrikanischen Tänzen und Ritualen.
Nach einer langen, nächtlichen Fahrt durch den Regen (wir kommen dem tropischen Regenwaldgebiet immer näher) haben wir die Nacht in St. Lucia verbracht. Hier soll es frei laufende Hippos geben, die auch nicht davor zurückschrecken nachts die Gärten mit ihren riesen Tretern zu verwüsten. Als Europäerin kenne ich die Tiere nur aus dem Zoo und kann mir gar nicht vorstellen das durch sie mehr Menschen im Jahr ums Leben kommen als durch Autounfälle. Wir machen eine Bootsfahrt durch die St.Lucia Wetlands und lernen, dass das "Hippopotamus amphibius" unter Wasser tanzt wie eine zu groß geratene Ballerina. Mir gelingt es sogar einen tanzenden und Pirouetten drehenden Bullen vor meine Kamera zu bekommen. Fast genauso begeistern mich aber auch die Seeadler, die uns ganz genau zu beobachten scheinen und der kleine Eisvogel, der extra für mich genau in dem Moment ins Wasser schießt und mit einem kleinen silbernen Fisch wieder auf seinem Ast sitzt, in dem ich meine Linse auf ihn halte.
Der nächste Teil der Reise führt uns nach Hluhluwe (sprich: Schluschluwe), den ältesten Nationalpark Afrikas, der sich auf Breitmaulnashörner spezialisiert hat. Zwei friedlich grasende Tiere dieser Art bekommen wir aber erst ganz am Ende der Tour zu Gesicht. Dafür freundete ich mich mit einem Elefantenbullen an, der ganz plötzlich direkt neben meinem offenen Autofenster auftaucht und der, genau wie ich, schrecklich erschrickt, laut trötend umdreht und ebenso schnell verschwunden ist wie er gekommen war. Wir beschließen, dass wir nach stundenlanger Fahrt wohl nichts mehr sehen werden und machen uns auf den Weg zum Ausgang. Kurz vor dem Ausgangstor laufen plötzlich etliche junge und alte Elefanten aus dem Dickicht und nehmen gar kein Ende mehr. Und selbst nachdem die jungen Bullen, die die Nachhut bilden, an uns vorbei gelaufen sind, beschließen diese, uns noch beweisen zu müssen wie stark sie sind, in dem sie auf der Straße ihre Machtkämpfe austragen. Am Ende des Tages haben wir etwas dazugelernt: Elefanten sind zwar groß, tauchen aber sehr gerne ganz plötzlich auf und sind genauso schnell und fast ohne Spur auch wieder verschwunden.
Am sechsten Tag machen wir uns auf nach Swaziland. Nach mehr oder weniger aufreibenden Stunden an der Grenze dürfen wir endlich passieren und fahren los. Immer geradeaus. Berg hoch und Berg runter. Sand und noch mehr Sand. Ab und an eine Kuh, die sich auf der Straße verirrt hat und zurück zu ihrer Herde will. Afrika ist halt anders. Relaxt eben. Sagt mein persönlicher Tourguide. Trotzdem würde ich viel lieber weiter auf Elefantenforschung im Hluhluwe Park gehen statt durch trockenes, heißes Gebirge zu fahren.
Als wir an unserem Hotel in Manzini, der größten Stadt Swazilands, ankommen werde ich aber ein bisschen entschädigt: es gibt einen Pool, der die Hitze erträglich macht. Nach ein paar Runden im kühlen Nass und einem Mittagsschläfchen vor dem Flimmerkasten, machen wir uns auf zur Erkundungstour durch Manzini. Zum ersten Mal in Südafrika erfahre ich was es heißt, weiß zu sein. Kleine Kinder erschrecken sich vor mir und verstecken sich hinter ihren Müttern. Andere sind dagegen ganz neugierig, kommen zu mir gelaufen um mich anzufassen. Seltsam. Mich überkommt ein bisschen Angst, mit so einer Situation habe ich nicht gerechnet. In den anderen Städten gehört man zum normalen Straßenbild, hier bin ich eine Attraktion, vor allem für die Kinder die ich abwechselnd zum Weinen oder Strahlen bringe.
Von Swaziland fahren wir am nächsten Tag zum Kruger-Nationalpark. Der Park aller Nationalparks in Südafrika, gelegen in den Provinzen Mpumalanga und Limpopo. Leider ist der erste Tag sehr enttäuschend. Außer ein paar Antilopen und Zebras sehen wir keine wilden Tiere. Dafür werde ich mit einer Übernachtung in einer Rundhütte mittendrin, im Krugerpark, überrascht. Wir trinken Bier, unterhalten uns und wissen das sich neben uns Löwen und Elefanten Gute Nacht sagen.
Ganz früh machen wir uns auf zum nächsten Infopunkt und informieren uns wo man heute schon welche Tiere gesehen hat. Geparden sollen ganz in der Nähe sein. Und Löwen. Wir fahren los. Und treffen auf ein extrem relaxtes Löwenbrüderpaar, das sich eigentlich nur in Ruhe sonnen möchte. Wegen der vielen Zuschauer aber dann doch ab und zu mal aufschauen und gefährlich ihre Zähne hervor blitzen lassen. Oder war es doch nur ein Gähnen? Wir fahren weiter und sehen eine riesige Schlange. Autos. Überall. Und dazwischen ein Löwenmännchen und ein Löwenweibchen, die sich nicht darum kümmern, wer ihnen beim Liebestanz zuschaut. Eigentlich erschreckend wie gewohnt die Tiere schon an diese Automengen sind. Ich dachte immer sie sind - trotz Park - immer noch wild. Jetzt tun sie mir leid, wie sie da mitten auf der Straße stehen und zu wissen scheinen was von ihnen verlangt wird.
Da gefallen mir die drei Elefanten, denen wir auf einem abgelegten Weg begegnen, viel besser. Hätte ich nicht aufgepasst, hätten wir sie gar nicht erst gesehen wie sie da, einer nach dem anderen, zur Wasserpfütze stolzieren und sich genüsslich eine Dusche aus ihrem Rüssel gönnen. Und plötzlich wieder weg sind. Abends finden wir eine Unterkunft auf einer Macadamia-Farm. Mit einer Katze die den Rest der Nacht nicht von meiner Seite weicht. Ein kleiner Hauslöwe für mich zum kuscheln und schmusen, der genauso viel Platz im Bett wegnehmen kann wie ein echter Löwe.
Endspurt am neunten Tag: Auf der Panorama Route geht es ab Richtung Pretoria, auf eine kleine Farm von Freunden. Mit einem zahmen Schauspieler-Zebra und Friesenpferde. Das kleine Mädchen in mir freut sich tierisch, als ich mich auf den Rücken des großen, schwarzen Friesen schwingen darf. Ich fühle mich wie im Paradies. Als noch eine Horde Zebras mit mir um die Wette galoppiert, denke ich mir, dass da doch was dran ist, an dem "Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde". Leider dauert es nur 15 Minuten bis ich - ohne Sattel und ohne Schuhe - den Halt verliere und auf den Boden plumpse. Das Schauspiel-Zebra, seine Frau und das Fohlen stupsen mich an und ich glaube sie lachen mich aus. Der letzte Abend ist da und ich fühle mich nach neun Tagen und etwas mehr als 2.000 Kilometern wie eine Weltreisende. So richtig vorstellen kann ich es mir noch gar nicht, das ich morgen Abend wieder in meinem Bett liegen werde. Mit meinem Hausschmuselöwen, der in Sachen Platzwegnehmen den südafrikanischen in nichts nachsteht.
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