San Cristóbal de La Laguna - Stadtschönheit und Welterbe auf Teneriffa

San Cristóbal de La Laguna ist eine Stadtschönheit und Welterbe auf Teneriffa. In ihren engen Straßen und Gassen begegnet man Jahrhunderte alten Häusern und der Geschichte Teneriffas auf Schritt und Tritt

Die Insel Teneriffa liegt nur 300 km entfernt von der marrokanischen Südküste. Ein ausgeglichenes Klima macht die vom Nordostpassat bevorzugte Insel aus. Der Süden ist trocken und warm, im Norden bringen die Wolken das ersehnte Nass. War es da ein Wunder, dass die Spanier erbittert um diese und die weiteren Kanareninseln kämpften? Der spanische Eroberer Alonso Fernández de Lugo erlebte 1494 eine für seine Truppen vernichtende Schlacht gegen die Guanchen. Die Spanier, zu Pferd, mit steifen Rüstungen und ebenso steifer Schlachtordnung, hatten keine Chance gegen die flinken Guanchen, die sich in ihrer Heimat zudem extrem gut auskannten. Der Ort der Schlacht heißt heute La Matanza, das Gemetzel. Die Geschlagenen flohen von Santa Cruz mit ihren Schiffen zurück in ihr Heimatland. Doch 1495 kehrte de Lugo besser ausgerüstet zurück und unterwarf die Guanchen, die noch einmal erbitterten Widerstand leisteten, in einer letzten Schlacht bei La Victoria de Acentejo. Die Insel Teneriffa fiel als letzte des Archipels in die Hände der Spanier. Alonso Fernández de Lugo machte sich ansässig im Gebiet von Aguere, dem späteren San Cristóbal de La Laguna.

Die Stadt liegt auf einer Hochebene zwischen den Meeren im Nordosten Teneriffas. Südöstlich befindet sich am Meer Santa Cruz, nördlich der Ort Bajamar in einem recht dünn besiedelten Küstenbereich. Lugo machte sich zum einen den Nutzen der auf Teneriffa selten anzutreffenden Ebene zu Nutze wie auch die Lage abseits des Meeres, was ihn vor Piratenangriffen schützte. Dazu kam, dass La Laguna, der Name deutet es an, zu dieser Zeit einen Süßwassersee besaß, der von einem Bach aus dem nahen Mercedeswald gespeist wurde. Nach anfänglich wilder Bebauung entstand in der Folge eine von seinem Verwalter de Lugo beauftragte Stadtplanung. Es wurden ebenso Verwaltungsgebäude errichtet wie sakrale Bauten. Zunehmend siedelten sich Menschen in der Stadt an, unter ihnen vornehme Kaufleute und Adlige. Fast zwangsweise zog dies nach sich, dass La Laguna Teneriffas Verwaltungs- und damit Hauptstadt wurde. Im 17. und 18. Jahrhundert jedoch verlor La Laguna an Bedeutung, als La Orotava die Stadtrechte verliehen wurden und dann, als der Militärgouverneur seinen Sitz nach Santa Cruz verlegte.

Nominell war damit Santa Cruz Hauptstadt geworden. Der städtischen Entwicklung La Lagunas tat dies jedoch nicht wirklich einen Abbruch. Der Schwerpunkt verlagerte sich auf eine Stadt der Künste, der Schriftsteller und der Mäzene. Mit dem Schwinden der politischen Präferenz wurde aus La Laguna eine Stadt des gehobenen Lebensstandards, eine Stadt der gutbürgerlichen Gesellschaft, des Intellekts und der Bildung. Literarische Salons beschäftigten sich mit den räumlich entfernten, doch hier durchaus präsenten politischen Entwicklungen und dem künstlerischen Zeitgeschmack Europas. Dies förderte auch die Architektur, bestehende Patrizierhäuser wurden renoviert und neue errichtet. Es wurde mehr Wert auf Schönheit, denn Funktionalität gelegt. Dies kam dem Stadtbild in erheblichem Maße zugute. Heute zeugen nicht nur einzelne Bauwerke von dieser Epoche der Kunst und Schönheit, es ist der gesamte alte Stadtkern von La Laguna, der eine Augenweide darstellt.

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Sakraler Mittelpunkt ist die Kathedrale von La Laguna, die Iglesia Santa María de los Remedios, deren ursprünglicher Bau als Gemeindekirche besonders zum Ende des 16. Jahrhunderts erheblich erweitert wurde. Leider ist die Kathedrale immer wieder wegen umfangreicher Renovierungsarbeiten auf längere Zeit geschlossen. Rund um diese Kirche liegen bedeutende Bauten, wie verschiedene Klöster, das ursprüngliche Universitätsgebäude, und ungezählte Patrizierhäuser, deren Abschluss zur Straße hin oft einfach gehalten ist mit großen glatten Fassaden, unterbrochen von Fensterleibungen, die meist aus Holz, aber teilweise auch aus Naturstein bestehen. Teilweise wurden auch Balkone zur Straße hin gebaut. Am schmuckreichsten und aufwändigsten sind die Türen und Portale gestaltet. Die meisten dieser Häuser haben eines gemeinsam. Große Innenhöfe, in denen das Leben stattfand beziehungsweise immer noch stattfindet. Oft umschlossen von reich verzierten dunklen Holzbalkonen, zieren sie die Wohn- und Geschäftshäuser des städtischen Bürgertums.

Wenn auch am Rande der heutigen Innenstadt, so kam doch dem Plaza del Adelantado große Bedeutung zu. Hier war die Residenz des Alonso Fernández de Lugo und weitere ehemalige Verwaltungsgebäude gruppieren sich um diesen Platz. Zu früheren Zeiten war er Marktplatz, Stierkämpfe wurden hier ausgetragen, es fand das öffentliche Leben dort statt. Heute ist er sehr schön als grüne Oase angelegt, Bänke im Schatten großer Bäume bieten Rast, Ruhe und Beschaulichkeit. In seinem Zentrum ziert ihn ein Brunnen aus Marseille, der 1870 errichtet wurde. Aus der Vielzahl der Patrizierhäuser sticht eines hervor, das pompöser in seiner Gestaltung ist. Das Casa Nava y Grimon war der Sitz der gleichnamigen Familie und ihr Palast. Nach dem ursprünglichen Baubeginn 1586 erfolgte Ende des 17. Jahrhunderts eine aufwändige Umgestaltung der Fassade, die zur Plaza de Adelantado ausgerichtet ist. Im Eingangsbereich in der Mitte wurde im barocken Stil ein Giebelabschluss mit gedrehten Säulen errichtet. Bei einer Kompletterneuerung 1776 verkleidete man die Fassade dann komplett mit Naturstein aus einem Steinbruch des nahe gelegenen Tegueste. Balustraden auf dem Dachgesims und Balkone fast über die gesamte Gebäudelänge lockern den Baustil weiter auf.

Ein Bewohner dieses Anwesens, der sechste Marquis de Villanueva del Prado, Don Alonso de Nava y Grimón setzte sich auch mit seinem Vermögen maßgeblich für die Realisierung des heutigen botanischen Gartens in Puerto de la Cruz - damals La Orotava - ein. Die im Jahr 1999 erfolgte Erklärung der Stadt zum Welterbe der UNESCO förderte auch ein Umdenken der Verantwortlichen auf die Bewahrung des kulturellen und architektonischen Erbes der Stadt. Damit hat Teneriffa mit dem Nationalpark des Teide zwei Welterbestätten. Die heutige, moderne Stadt San Cristóbal de La Laguna ist weit über die historischen Grenzen hinausgewachsen. Vor allem hinunter nach Santa Cruz, die Grenzen der Städte sind nicht mehr auszumachen. Eine Straßenbahn, die Tranvía, entlastet seit 2007 die überlasteten Straßen beider Städte und verbindet sie miteinander. La Laguna ist Sitz einer Universität mit fast allen Fakultäten und mit über 25.000 Studenten. Die Universitätsgebäude, unter anderem die Universitätsklinik, berühmt für ihre Herzchirurgie, sind über das gesamte Stadtgebiet verstreut. Erreichen kann man La Laguna über die Autobahn TF-5, zu der parallel der Nordflughafen Los Rodeos, westlich der Stadt, liegt. La Laguna umfährt man auf dem Weg in den Mercedeswald und das im Nordosten gelegene Anagagebirge, einen der ältesten, sehr zerfurchten Gebirgsstöcke Teneriffas.

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Autor: voyager  23.11.2010 |  Beitrag hilfreich? Ja (1) | Nein

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