Schloss Rheinsberg - Ein preußischer Musenhof

Das idyllisch am Grienericksee gelegene Schloss Rheinsberg war der Jugendtraum Friedrich des Großen. Eine Entdeckungsreise durch Schloss und Park.

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„Das Schloß leuchtete weiß, violett funkelten die Fensterscheiben in hellen Rahmen, von staubigen Lichtern rosig betupft, alles spiegelte sich im glatten Wasser“ schrieb Kurt Tucholsky in seinem Roman "Rheinsberg" im Jahr 1912. Rheinsberg, erstmalig urkundlich im Jahr 1335 unter dem Namen „Rynesperg“ erwähnt, befindet sich im Ruppiner Land im Norden des Landes Brandenburg. Aufgrund der häufigen Fehden mit den Markgrafen von Mecklenburg im 13./14.Jahrhundert bauten die damaligen Herren im Lande, die Grafen von Lindow-Ruppin, Burg und Stadt als Festung aus. Schloss und Ländereien wechselten in den folgenden Jahrhunderten mehrfach den Besitzer. Im Jahr 1566 ersetzte man die Burganlage durch einen Schlossbau, da ein großes Feuer sie zerstört hatte. Auch der dreißigjährige Krieg verwüstete den Landstrich mehrfach.

Das Schloss unter dem preußischen Königshaus

1734 erwarb der preußische „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I die Rheinsberger Herrschaft für seinen Sohn, Kronprinz Friedrich. Die Abgeschiedenheit und Distanz zum königlichen Hof in Berlin-Potsdam erschuf in Rheinsberg ein Eigenleben. Friedrichs Zeit wird mit „mangelndem Kirchenbesuch und fehlenden Jagdeifer über das Flötenspiel, die Vorliebe für das aufgeklärte Philosophieren und das Lesen französischer Literatur bis zum Briefwechsel mit Voltaire“ (von Krockow 2004, S. 22) beschrieben. Rheinsberg wurde in Folge mit Attributen versehen, die ansonsten eher nicht mit preußischer Leistungs- und Pflichterfüllung in Verbindung gebracht wurden. Rheinsberg war der preußische Musenhof. Noch kurz vor seinem Tod sagte Friedrich II.: „Ich bin nur in Rheinsberg glücklich gewesen“ (ebd., S. 43). Und auch sein Bruder Heinrich sollte ihm in nichts nachstehen.

Der Ausbau

Zunächst wurde der kurmärkische Baudirektor Johann Gottfried Kemmeter von Friedrich Wilhelm I beauftragt, das erworbene Schloss für die Bedürfnisse des Kronprinzen Friedrich und der Kronprinzessin Elisabeth-Christine umzubauen. Kemmeter erweiterte den bestehenden einstöckigen und L-förmigen Bau mit Turm um ein Obergeschoss und verlängerte den Ostflügel. Doch bereits 1737 übergab Kronprinz Friedrich die Bauleitung und künstlerische Ausgestaltung des Schlosses an Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff. Dieser ließ den neuen Ostflügel zum Mittelbau umgestalten und fügte ihm einen Nordflügel an. Die beiden Türme wurden schließlich mit einer den Innenhof abschließenden Kolonnade verbunden. Es entstand eine symmetrische Schlossanlage, welche sich nicht repräsentativ zur Stadt, sondern zum See öffnete. Diese Verbindung aus Kunst und Natur gilt als der Beginn des friderizianischen oder märkischen Rokoko, der später in den Schloss- und Parkanlagen von Potsdam-Sanssouci seine Vollendung finden sollte.

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Von der Ausstattung der Innenräume aus der friderizianischen Zeit sind nur vier Räume im Original erhalten geblieben. Hervorzuheben ist der Spiegelsaal, der nach französischem Vorbild mit Spiegeln und bis zum Boden reichenden Fenstern ausgestattet wurde. Die Decke ziert das Gemälde „Der Tag vertreibt die Finsternis“ von Antoine Pesne. Auch Rittersaal und Turmkabinette, stammen aus dieser Zeit (Piltz 1987, S. 28 ff.). Friedrichs Rheinsberger Jahre waren nur von kurzer Dauer. Nach dem Tod seines Vaters und seiner Krönung zum König 1740 schenkte er die Rheinsberger Schlossanlage vier Jahre später seinem jüngeren Bruder Heinrich. Nur wenige Wochen vor der Thronbesteigung Friedrichs fiel die Stadt Rheinsberg bis auf Schloss, Kirche und einigen wenigen Häusern erneut einem verheerenden Feuer zum Opfer. Der Wiederaufbauplan wurde von Friedrich bei Knobelsdorff in Auftrag gegeben und unter Prinz Heinrich vom königlichen Bauinspektor Feldmann umgesetzt. Die sich rechtwinklig kreuzenden Straßenzüge mit ein- bis zweigeschossigen Häusern aus Ziegelfachwerk prägen noch heute das Bild der Stadt.

Die Zeit unter Prinz Heinrich

Prinz Heinrich, der zeitlebens im Schatten seines älteren Bruders stand, residierte von 1753 bis zu seinem Tod im Jahr 1802 in Rheinsberg. In seine Zeit fällt die Gestaltung einer Vielzahl von Räumen, wie der Muschelsaal und die Bildergalerie. Auch der Ausbau der Pavillons, der Bau des Theaters und die Gestaltung der Parkanlagen gehen auf ihn zurück. Der Garten entpuppt sich dabei als eine Mischform von Stilen. Wurde unter Friedrich die bereits vorhandene Barockstruktur des Gartens noch im Stile des Rokoko modifiziert, standen die Veränderungen, die Heinrich vornahm, bereits unter dem Einfluss des englischen Landschaftsgartens und waren dem Ideal einer weitgehend unberührten Natur verpflichtet. Auch das Heckentheater sowie eine Vielzahl von Gedenksteinen, Tempeln, Grotten und Ruinen zeugen von Heinrichs Zeit (von Krockow 2004, S. 31 ff.; Piltz 1987, S. 27 ff.). Dem Prinzen folgten sein Bruder Ferdinand und dessen Sohn August Wilhelm. Danach fiel die Herrschaft Rheinsberg wieder in königlichen Besitz und verschwand in der Bedeutungslosigkeit. Ein Großteil des Schlossinventars wurde versteigert und einige wenige Teile in andere Schlösser der Hohenzollern überführt. Bis 1945 stand das Schloss unter der Verwaltung der Hofkammer des preußischen Königshauses.

Das Schloss heute

Nach dem Krieg kam es zu unzähligen Plünderungen. Das Theater brannte aus und das Grab des Prinzen Heinrich wurde verwüstet. Im Jahr 1953 zog das erste Diabetikersanatorium der DDR in die Schlossanlage ein. Dies führte zu Umbauten, die unter Gesichtspunkten des Denkmalschutzes bedenklich waren. Allerdings verhinderte die Nutzung der Anlage ihren Verfall. Schloss und Park stehen seit 1991 unter der Verwaltung der SPSG. Im Jahr 2002 endeten die Restaurierungsarbeiten. Seitdem sind wieder alle Räume des Schlosses für den Publikumsverkehr zugänglich. (Rieger 2006, S. 5 ff). Bei den Sanierungsarbeiten wurde darauf geachtet, dass die Besichtigung des Schlosses barrierefrei möglich ist. Ein Aufzug ermöglicht die barrierefreie besichtigung für gehbehinderte menschen un Rollstuhlfahrer. Die Kastellanin hält zudem Angebote für seh- und hörgeschädigte Gäste bereit. Rheinsberg entwickelt sich zusehends zu einer barrierefreien Urlaubsregion. Durch literarische Werke wie Theodor Fontanes „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ (1862) und Kurt Tucholskys Erzählung „Rheinsberg“ (1912), wurde Schloss und Stadt ein namhafter Ruf zuteil.

Weiterführende Informationen

Die Anreise erfolgt von Berlin über die Bundesstraße 96, Fahrtzeit von Berlin-Mitte in etwa 1h und 30 min. Etwas beschwerlich ist dagegen die Anfahrt mit dem ÖPNV. Vom Berliner Bahnhof Gesundbrunnen gibt es nur zwei durchgehende Züge pro Tag. Ansonsten ist ein Umstieg am Bahnhof Löwenberg nötig. Reisende aus nördlicher Richtung können optional in Gransee umsteigen. Weiterführende Literatur: Krockow, Christian Graf von (2004): Rheinsberg. Ein preußischer Traum, 3. Aufl., München. Piltz, Georg (1987): Schlösser und Gärten in der Mark Brandenburg, Leipzig. Rieger, Günter (2006): Rheinsberg. Ein Gang durch die Residenz des Kronprinzen Friedrich und des Prinzen Heinrich, 5. Auflage, Karwe/Neuruppin. Tucholsky, Kurt (2007): Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte, Stuttgart.

Reisebericht als PDF
Autor: HeHa  18.07.2011 |  Beitrag hilfreich? Ja (1) | Nein

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