Seoul - Südkoreas Soul of Asia

Ein Kurztrip in die südkoreanische Hauptstadt ist ein Geheimtipp. In Seoul kann man Asien von seiner schönsten Seite erleben, zwischen Wolkenkratzern und Königspalästen.

Meine beste Freundin ist Flugbegleiterin bei Lufthansa und schon seit zwei Jahren, seit sie ihren Krankenhausjob an den Nagel gehängt und bei den Kranichen angeheuert hat, reden wird davon, dass ich sie unbedingt mal begleiten muss. Es bietet sich ja auch an, als Begleitperson zahlt man relativ wenig für den Flug und überhaupt nichts für die Übernachtung, billiger kommt man nicht um die Welt! Natürlich eignet sich nicht jeder Arbeitseinsatz auch als Kurztrip, manchmal ist der effektive Aufenthalt der Crew sehr kurz, die Location nicht reizvoll, oder die Jahreszeit für eine Reise nicht ideal. Dazu kommt, dass ich als Begleiter auch an Urlaubspläne und andere Verpflichtungen gebunden bin, was unterm Strich dazu geführt hat, dass eben zwei Jahre ins Land gehen mussten, ehe es geklappt hat.

Wo liegt eigentlich Seoul?

Das Angebot lautete: Ich nehme dich mit nach Seoul, Freitag hin, Mittwoch zurück. Das sind ganze vier Tage vor Ort. Ich stimmte begeistert zu, ohne genau zu wissen, worauf ich mich da einlasse. Bis zum Abflug beschränkten sich meine Kenntnisse über unser Reiseziel darauf, dass Seoul die Hauptstadt von Südkorea ist und der nonstop Lufthansa-Flug von München ca. 11 Stunden dauern würde. Zudem bekam ich kein richtiges Ticket, weil der Flieger ziemlich voll war, sondern nur ein Stand-by-Ticket. Was bedeutet, dass sie mich jederzeit in München lassen konnten, wenn die Plätze anderweitig benötigt wurden. Zum Glück kam es nicht so weit! Am 13.08.2010 saß ich bequem in der Business-Class, an Bord des Fliegers nach Seoul.

Ankunft um 7.00 Uhr koreanischer Zeit

Obwohl am frühen Nachmittag gestartet, wurde es über Russland irgendwann Nacht und wir landeten um 7.00 Uhr am anderen Morgen nach koreanischer Zeit auf dem Incheon International Airport. Der Crewbus des Hotels brachte uns ins Grand Hilton Seoul, dem Crewhotel der Lufthansa in der südkoreanischen Hauptstadt. Dort legten wir uns erst einmal ein paar Stündchen aufs Ohr, um die versäumte Nacht aufzuholen, bevor wir uns gegen Mittag auf den Weg in die Stadt machten. Ein kurzer Bummel durch die Innenstadt, über den Namdaemun Market und ein Besuch im Deoksugung Palast mit Wachablösung stand auf dem Programm. Abends trafen wir uns in der Hotelbar mit dem Rest der Crew, um zum Abendessen zu fahren. Die Gruppe spaltete sich in Fleischfresser und Vegetarier, die einen gingen in ein Steakhouse, die anderen - denen wir uns auch anschlossen, obwohl wir keine Fleischverachter sind - zum Thai. Das Thai Orchid in Ikaewon wurde unser Ziel. Anschließend machten wir noch die Kneipenszene von Ikaewon unsicher, dort reihen sich Bars, Kneipen, Restaurants und Clubs aneinander und bieten wirklich für jeden Geschmack das Richtige. Wir entschieden uns für das exotische The Bungalow, das bei den Lufthanseaten sehr beliebt ist.

Hop-on/Hop-off - Tour

Am nächsten Tag lösten wir ein Ticket für die große Downtown-Stadtrundfahrt mit den praktischen Hop-on/Hop-off-Bussen. Diese Busse halten an allen nennenswerten Sehenswürdigkeiten und bieten die Möglichkeit auszusteigen und die Gegend zu erkunden, bevor man in den nächsten Bus wieder einsteigt und die Tour fortsetzt. Insgesamt dauert die Fahrt zwei Stunden. Je nachdem, wie oft und wie lange man aussteigt, kann man die Tour natürlich entsprechend dehnen. Die Fahrkarte ist mit 10.000 Won (entspricht ungefähr 7,50 Euro) die günstigste Möglichkeit die Stadt zu erkunden, Tickets bekommt man bei der Reisebegleitung. Unser erster Stopp war der Fernsehturm. Von dort aus hat man einen Blick über die ganze Stadt und das Umland. Allerdings nicht im August, wenn die sommerlichen Monsun-Regen die Luft diesig und feucht machen und die Sicht sehr einschränken. Trotzdem ist der Turm einen Ausstieg wert, rundherum an den Zäunen hängen Millionen von Vorhängeschlössern, die Verliebte dort angebracht haben, um die ewige Haltbarkeit ihrer Liebe zu demonstrieren. Unwillkürlich fragt man sich, wie viele dieser Paare wohl wirklich noch zusammen sind. In jedem Fall ist es ein schöner Brauch.

Weiter ging es zu den Palästen, wir entschieden uns für den Changdeokgung Palast, den Palast der Tugend, bekannt vor allem auch für seine Parkanlage, dem Secret Garden. Die Eintrittspreise in die Paläste sind äußerst human, 1.000 Won (entspricht 0,75 Euro) pro Ticket. Anschließend fuhren wir noch eine Station bis nach Insaedong, der Altstadt Seouls. Dort kann man durch Handwerkskunstläden schlendern und traditionelle koreanische Süßigkeiten essen. Meine Freundin kannte dort in einer Seitenstraße versteckt ein traditionelles Kaffeehaus, das ein überdimensionaler Vogelkäfig ist. Kleine Piepmätze fliegen dort frei zwischen den Gästen herum und stibitzen sich Kekskrümel vom Tisch. Als wir das moderne Seoul erreichten, wo zwischen den riesigen Hochhäusern der Cheonggyecheon-Fluss entspringt, brach die Dämmerung herein. Am Ufer des Flusses fanden wir uns in bester Gesellschaft, hunderte Seouler, dazu Straßenmusikanten und Kleinkünstler. Sie feierten den koreanischen Unabhängigkeitstag, den 15.08. Gefeiert wird die Befreiung aus der japanischen Herrschaft zum Ende des 2. Weltkriegs. Abendessen gab es im Outback, einer australischen Restaurantkette, bevor wir uns auf den Heimweg machten.

Ausflug ins Umland

Nach eineinhalb Tagen in der City stand uns der Sinn nach etwas Anderem. Daher machten wir uns auf zu einem Ausflug in die Namara Republik. Namara ist eine kleine Insel ca. 60km außerhalb von Seoul im Han-Fluss, ein Ausflugsziel für gestresste Großstädter und neugierige Touristen. Die Insel bietet viel Grün für die gestressten Großstädter, im Pool oder am Ufer kann man baden, oder man leiht sich ulkige Fahrzeuge, Rikschas, Tandems oder Karts. Leider spielte das Wetter nicht mit, es war verhangen, diesig und regnerisch. So fiel auch unser geplanter Badenachmittag buchstäblich ins Wasser. Wir vertrieben uns den Tag also mit Spazierengehen und den gastronomischen Highlights der Insel. Korea entdeckt gerade die italienische Küche, die Pizza bestand sogar vor kritischen europäischen Gaumen. Am Abend brachte uns die Fähre wieder an Land und unser Bus zurück in die Stadt. An diesem Tag wagten wir uns auch endlich zu den koreanischen Spezialitäten vor und gingen Bibimbap essen, einen Reis-Eintopf mit Gemüse und wahlweise Fleischeinlage.

Geschichte und Gegenwart

Am nächsten Morgen musste die Crew einen Shuttle nach Busan fliegen, deshalb hatte ich den Vormittag für mich allein. Ich entschied mich für einen Ausflug ins Historische Museum, um ein bisschen in die Geschichte Seouls hinein zu schnuppern. Der Eintritt ist frei, dafür ist die englische Ausschilderung sehr spärlich. Im Nachhinein erfuhr ich, dass es wohl eine englischsprachige Führung um 14.30 Uhr jeden Tag gibt, das wäre wohl informativer gewesen. Immerhin bekam ich einen Eindruck über das Leben in Seoul in früheren Epochen. Danach bummelte ich noch ein bisschen durch das moderne Seoul mit seinen Hochhäusern und breiten Straßen. Zurück im Hotel traf ich die heimgekehrte Crew am Pool. Zum Abendessen blieben wir noch einmal in der Hotelgegend und gönnten uns ein traditionelles koreanisches Barbecue, bei dem man Fleisch direkt am Tisch auf einem Holzkohlegrill brät und zum Essen als Wrap mit Salat und Gemüse aufrollt. Zum Ausklang unseres Seoultrips fuhren wir noch einmal nach Ikaewon, dieses Mal saßen wir auf der Terrasse des Bliss und lauschten lustigen Fliegergeschichten.

Zurück im Abendland

Am nächsten Tag brachte uns die Crew wieder bequem und sicher zurück in die Heimat. Am späten Nachmittag erreichten wir München, müde und voller Impressionen aus Fernost. Ich habe mich zuvor nie für Asien und insbesondere nicht für Korea interessiert, aber mir scheint, Südkorea ist ein echter Geheimtipp! Seoul bietet eine gelungene Balance aus Tradition und Moderne und das Umland eignet sich für Wanderer, Trekking und Naturliebhaber. Vier Tage reichen nicht, um das Land kennenzulernen, aber zumindest, um einen Einblick zu bekommen. Für mehr hilft nur wiederkommen! Als Flugbegleiter-Begleiter sollte das nicht unmöglich sein!

Reisebericht als PDF
Autor: Schaaaaf81  31.08.2010 |  Beitrag hilfreich? Ja (3) | Nein (1)

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