Shopping einmal anders - der Flohmarkt von Lissabon
Die Feira da Ladra ist streng genommen der "Markt der Diebin". Aber keine Sorge, so heißt einfach der große Lissaboner Flohmarkt.
Jeden Dienstag und Samstag ist Flohmarkt in Lissabon auf dem Campo de Santa Clara, dem Platz hinter der Kirche Sao Vicente da Fora im Stadtteil Graca. Angeblich haben dort früher verzweifelte Touristen versucht, ihre gestohlenen Kameras und Geldbörsen zurückzukaufen, aber diese Zeiten sind längst vorbei. Heute ist die Feira da Ladra ein ganz normaler Trödelmarkt, wo es so gut wie alles gibt. Selbstgebrannte DVDs und gefälschte Lacoste-Hemden sind natürlich auch im Angebot, daneben auch die unvermeidliche Neuware. Hauptsächlich aber findet man, wie sich das für einen richtigen Flohmarkt gehört, alle Arten von wunderbarem altem Trödel, häufig zu Spottpreisen und dargeboten von portugiesischen Omas undefinierbaren Alters. Feilschen ist allerdings nicht durchweg üblich, sondern wird von vielen Portugiesen als beleidigend empfunden. Allerdings - ein Versuch kostet nichts!
Die gute Nachricht ist: Auf der Feira gibt es alles. Die weniger gute Nachricht ist leider, dass man es nie schafft, das riesige Flohmarktgelände zur Gänze zu durchstreifen und alle Stände abzuklappern. Wer sich für antiquarische Bücher interessiert, sollte die alte Markthalle im oberen Bereich des Flohmarktgeländes ansteuern. Dort gibt es jede Menge alte Bücher, Atlanten, Comics, Postkarten, darunter erstaunlich viel fremdsprachige Literatur. Man muss also kein portugiesisch können, um hier fündig zu werden. Um die Halle herum gibt es viele Stände mit Textilien, sowohl neue als auch getragene Sachen, außerdem Stände mit Antiquitäten, deren Alter allerdings nicht immer über jeden Zweifel erhaben ist. Etwas weiter unten - das Gelände ist leicht abschüssig - befindet sich meist ein Stand, der schöne, handgemachte Keramik-Artikel im Angebot hat. Hier gibt es alles, was man an Souvenirs und Mitbringseln braucht, z.B. Azulejos, die portugiesischen Kacheln mit diversen Beschriftungen wie Hausnummern oder Namensschilder. Noch etwas weiter unten befinden sich die unvermeidlichen Elektronik-Händler, daneben steht oft ein Schuhverkäufer.
Dies sind lediglich ein paar Anhaltspunke zur groben Orientierung. Die Anordnung ändert sich von Woche zu Woche, und natürlich kommen auch nicht alle Händler jedes Mal. Um die wahre Pracht dieses Flohmarkts - die vielen Privatstände mit echtem Trödel und Nippes - zu genießen, gibt es sowieso nur ein Rezept: einfach losgehen, sich treiben lassen und umschauen! Man findet immer etwas, und langweilig wird es nie. Mal stößt man auf Kisten mit CDs und alten Vinyl-Schätzen, mal entdeckt man schaurig-schöne Fußball-Devotionalien oder hübsche alte Kristall-Gläser. Alte Werkzeuge, Einrichtungsgegenstände und technisches Gerät aller Art finden sich auch oft. Wer ein Elektrogerät kaufen möchte und wissen will, ob es funktioniert: Im Eingangsbereich des Toilettenraumes, gelegen unterhalb der Markthalle und oft dicht umlagert, befindet sich eine Steckdose!
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Wer sich zwischendurch stärken möchte, findet in der Markthalle und den umliegenden Straßen diverse Cafés und Restaurants, von wo aus sich das Marktreiben wunderbar entspannt beobachten lässt. Man hat vom Flohmarkt-Gelände übrigens einen schönen Blick über den Tejo. Wer hingegen noch gut bei Kräften ist, sollte unbedingt die Klosterkirche Sao Vicente und das portugiesische Pantheon, einen weißen Kuppelbau, besichtigen. Man kommt zum Flohmarkt-Gelände am besten mit der Straßenbahnlinie 28, die Haltestelle heißt Sao Vicente und liegt direkt an einem kleinen Platz vor der gleichnamigen Kirche, erkennbar an ihren zwei weißen Türmen. Oft ist auch der Fahrer so freundlich und kündigt die Haltestelle an. Ob mit oder ohne Ankündigung, an der Haltestelle Sao Vicente leert sich der Wagen oft schlagartig, im Zweifelsfall geht man also einfach den anderen Flohmarktgängern hinterher.
Eine andere Möglichkeit ist, mit der Metro bis Santa Apolonia zu fahren und von dort zur Feira zu laufen. Man geht etwa 20 Minuten, leider ist das letzte Stück sehr steil. Die Feira beginnt schon sehr früh am Morgen, auch als Tourist sollte man versuchen, nicht all zu spät dort zu sein. Gegen Mittag wird es oft schon ruhiger, die ersten Händler packen zusammen und die besten Schnäppchen sind weg - die beste Feira-Zeit ist vormittags etwa zwischen 9.00 und 11.00 Uhr. Auf dem Flohmarkt gibt es nicht mehr Taschendiebe als sonst in Lissabon auch, zudem ist die Polizei immer massiv präsent. Das einzig Verruchte an diesem Flohmarkt ist heute sein Name. Einer vergnüglichen Schnäppchenjagd in malerischem Ambiente steht also nichts im Wege!
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