Skydiving in Neuseeland
In Neuseeland ist der Wahnsinn mit mir durchgegangen: Ich beschließe, aus einem Flugzeug zu springen. Skydiving, Fallschirmspringen, sich in die Tiefe stürzen. Ich wage es.
Der Blick aus dem Hostelfenster in Taupo bestätigt alles: Die Sonne scheint, es ist kalt und verreift, dazu windstill. Glasklare Sicht, der Flug wird stattfinden. In ein paar Stunden springe ich mit einem Kerl auf dem Rücken aus einer Propellermaschine. Aus knapp 4.000 m Höhe. Wir sind wahnsinnig geworden. Wir, das sind Thomas, mein Backpackingkollege, und ich. Und Thomas macht mit. Skydiven in Neuseeland - das ist der Plan. Thomas guckt noch etwas gequält. "Ich habe Halsschmerzen", krächzt er unter der Bettdecke hervor. "Mit Halsschmerzen kann man nicht Skydiven." Okay, Thomas kommt also doch nicht mit. Thomas wickelt sich einen Schal um den Hals und bleibt im Bett liegen, da ist nichts zu machen.
Ruhe vor dem Sturm
Etwas missmutig und mit einem leichten Kribbeln im Bauch mache ich mich mit meinem klapprigen Toyota Bus auf den Weg zum Flughafen. Das Schlimmste ist das Warten. Warten, bis die anderen landen, warten, bis man den Bogen ausfüllen darf, auf dem alle Regeln und "Ich bin für alles selbst verantwortlich"-Punkte unterschrieben werden müssen. Man guckt sich eine DVD an, sieht, was auf einen zukommt. Ich schwebe in Gedanken, kann kaum zuhören. Ein paar andere sind gelandet, sie kreischen in eine Filmkamera. "Amaaaazing! Absolutely awesome!" Okay, denke ich - scheint ja ganz gut gewesen zu sein.
Campino denkt an die Liebe, ich an den Tod
Jetzt ist es fast soweit. Die Gelandeten ziehen ihre Sprungklamotte, die wie ein riesiger Strampelanzug aussieht, aus und wir schlüpfen inklusive Schuhen rein. Reißverschluss zu - fertig. Dazu noch eine schicke Fliegermütze aus Leder, wie man sie aus diesen Filmen aus dem Zweiten Weltkrieg kennt. Schutzbrille und Handschuhe noch, los kann's gehen. Ins Flugzeug passen acht Leute, plus der Pilot. Eine ganz kleine Maschine mit zwei Bänken. Mein Fallschirmpartner Dave presst sich an meinen Rücken und schnallt mich an sich dran, während die Maschine im Steilflug höher steigt. Er erklärt alles. "Ten more minutes to go. For the landing you need to put your legs straight forward." Beim Landen die Beine nach vorne strecken, schon klar. Doch so weit muss es erst mal kommen. Skydiven. Durch den Himmel tauchen. In Neuseeland. Mein Puls rast und mein Herz zerspringt - Campino denkt in seinem Lied an die Liebe, ich an den Tod.
Tür auf, raus
Irgendwann ist es so weit: Wir haben den Punkt erreicht, an dem es kein Zurück mehr gibt. Irgendjemand macht die Tür des Flugzeugs auf. Ich die Augen zu. Das erste Paar schreit und ist weg. Dann die anderen. Dave und ich sind die Letzten. Wir rutschen etwas unbeholfen auf der Bank nach vorne. Dann setze ich mich in die offene Tür. Meine Beine baumeln aus dem Flugzeug. Es fühlt sich unglaublich falsch an, so etwas zu tun. Skydiven - oh man. Dave drückt mich nach vorne und wir fallen auf einmal kopfüber ins Nichts. Überschlagen uns. Ich sehe das Flugzeug von unten. Meine Gedanken setzen aus, ich kann nicht mal schreien. Meine Hände umklammern die Träger von Daves Gurt.
Der freie Fall
Der freie Fall dauert 30 Sekunden, mir kommt es vor wie ein halbes Jahr. Wie die Fledermäuse segeln wir mit ausgestreckten Armen dem Boden entgegen. Plötzlich reißt mich etwas nach hinten, ich höre ein metallenes Klacken. Die Karabiner, mit denen ich mit Dave verbunden war, sind weg! Mein Herz bleibt kurz stehen, doch dann ist es klar: Wir sitzen! Der Fallschirm hat sich geöffnet. Juchuuu - Sicherheit! Dave drückt mir die Bänder zum Steuern in die Hand. Wir grinsen uns an. Alles super! Unter uns die verschneite Vulkanlandschaft von Taupo. Ich habe einen Adrenalinpegel bis zum Hals und bewundere die fantastische Landschaft. Es klingt abgedroschen, aber Wahnsinn, wie klein alles aussieht! Nach einigen Minuten Fallschirm steuern und gemütlich im Gurt sitzen ist Rennen angesagt. Wir landen. Obwohl, eigentlich kümmert sich Dave um alles, für mich gilt: "Put your legs straight forward." Was ein Erlebnis! Zurück im Hostel höre ich Gitarrenklänge aus unserem Zimmer. Thomas singt was von den Toten Hosen. Halsschmerzen, Thomas, schon klar...
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