Strände in der Umgebung von Lissabon
Wenn es in Lissabon im Sommer so richtig heiß wird, findet man Abkühlung an vielen Stränden in der Nähe der Stadt. Die Strände in der Umgebung von Lissabon lohnen einen Besuch.
In der Umgebung der portugiesischen Hauptstadt Lissabon gibt es viele schöne Sandstrände. Egal ob man mit Auto, Bus oder Bahn zum Baden fahren möchte - schon in weniger als einer halben Stunde kann man einen der Strände rings um Lissabon erreichen. Die Wassertemperaturen sind in der Regel eher frisch. Auch im Sommer wird der Atlantik nicht viel wärmer als 20°. Für weitere Abkühlung sorgt fast jeden Tag ab Nachmittag ein kräftiger und böiger Wind. Es ist also sinnvoll, lange Kleidung mitzunehmen, gerade wenn man abends etwas länger bleiben will. Während der Badesaison, also etwa von Juni bis September, sind an allen Stränden Rettungsschwimmer, auf portugiesisch Nadador Salvador, im Einsatz. Liegestühle und Sonnenschirme können vielfach zu recht günstigen Preisen von circa zehn Euro gemietet werden. Viele Strände sind auch für Gehbehinderte erreichbar, zum Baden setzen sie sich auf eine Art schwimmfähigen "Amphibien-Rollstuhl", der dann von den Bademeistern ins Wasser geschoben wird.
Strände an der Linha de Cascais
Wer es besonders eilig hat, der Lissaboner Sommerhitze zu entkommen und sich in die kühlen Fluten zu stürzen, fährt am besten mit der Bahn ab Cais de Sodre in Richtung Cascais. Entlang dieser Strecke, der sogenannten Linha de Cascais, liegen zahlreiche Strände. Der schönste und größte Strand entlang der "Linha" befindet sich in Carcavelos. Die Fahrt von Cais de Sodre bis dorthin dauert etwa 20 Minuten. Wegen seiner Brandung ist Carcavelos auch bei Surfern sehr beliebt. Bei Ebbe entstehen oft flache Pfützen, die sich schnell erwärmen und für Kinder ideal sind. An der Strandpromenade gibt es diverse Bars, Cafes und Restaurants. Dazu kommen in der Hochsaison noch zahlreiche fliegende Händler, die den Strand entlangwandern und Snacks, Getränke und allerlei andere Dinge anbieten. Ein schöner Spaziergang führt von Carcavelos, vorbei an einer alten Festung namens Forte de Sao Juliao, zur kleinen aber schönen Praia da Inatel und weiter zur Marina von Oeiras. Dort beginnt die Strand- und Hafenpromenade von Oeiras namens Passeio Maritimo, die auch bei Skatern und Joggern sehr beliebt ist. In der Nähe der Marina gibt es ein Meerwasser-Freibad. Der etwas weiter entfernt liegende Strand Praia de Santo Amaro de Oeiras liegt leider direkt an der Haupt-Uferstraße und ist deshalb nicht ganz so empfehlenswert.
Wer mit der Bahn noch etwas weiter fährt, steigt am besten in Estoril aus und begibt sich auf die Strandpromenade, die Estoril und Cascais miteinander verbindet. Entlang der Promenade passiert man diverse Strände, man kann also an Ort und Stelle direkt miteinander vergleichen. Die einzelnen Strandbuchten sind alle recht klein, bei Flut kann es also schon einmal eng werden. Der längste Strand in diesem Bereich heißt Praia de Tamariz und liegt im Ortsteil Monte Estoril. Es gibt auch einige Gezeiten-Schwimmbecken, die sich bei Flut füllen und dann schnell erwärmen. Cascais und Estoril sind die Nobelvororte Lissabons, dementsprechend hoch ist hier der Flirt- und Coolnessfaktor der Strandbesucher. An den Stränden von Cascais und Estoril gibt es auch ein reges Nachtleben mit Beach-Discoparties, Konzerten und anderen Veranstaltungen.
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Ein paar Kilometer westlich von Cascais liegt Praia de Guincho, das Mekka der portugiesischen Surfer. Der Strand ist wunderschön und auf jeden Fall einen Besuch wert, aber wegen des fast immer vorherrschenden stürmischen Windes zum Sonnenbaden und Schwimmen oft nicht geeignet. Auf den Klippen oberhalb von Guincho gibt es zahlreiche Restaurants. Von dort aus kann man, bequem sitzend und windgeschützt, die aufgewühlte See betrachten. Von Cascais nach Guincho verkehren die Buslinien 405 und 415. Abfahrtsort ist der Rodoviaria, also Busbahnhof in der Nähe der Bahnstation. Eine andere Möglichkeit sind Fahrräder, die man im Zentrum von Cascais kostenlos ausleihen kann. Nach Guincho führt sogar ein Radweg, Ciclovia auf portugiesisch, was in Portugal eine absolute Seltenheit ist. Die Anreise mit dem Fahrrad hat außerdem den Vorteil, dass man unterwegs am "Boca de Inferno" vorbeikommt. Dieser "Höllenschlund" ist eine schroffe Felsformation mit zahlreichen Grotten, in die im immerwährenden Takt der Wellen das Meerwasser gurgelnd ein- und wieder ausströmt. Auch hier gibt es wieder Verpflegungsmöglichkeiten mit Blick auf das Naturschauspiel.
Von Lissabon Richtung Nordwesten
Die Küste nordwestlich von Lissabon bietet beinahe endlose Strände und beeindruckende Felsformationen. Die Landschaft ist von herber Schönheit und die Strände sind wiederum unter Surfern sehr beliebt. Besonders schön sind die Strände von Ericeira und Areia Branca. Leider gibt es von Lissabon dorthin keine Bahnverbindung und die Busverbindungen sind ebenfalls bescheiden. Ein Ausflug in diese Gegend lohnt sich also nur mit eigenem Auto oder Mietwagen.
Es gibt mit dem Electrico de Sintra noch eine extrem urige Art, an die Küste nordwestlich von Lissabon zu gelangen. Diese Oldtimer-Überlandstraßenbahn verbindet Sintra mit dem Praia das Macas, einem Strand bei Azenhas do Mar. Man fährt zunächst mit dem Zug vom Bahnhof Rossio in Lissabon nach Sintra; dort startet dann der Electrico. Die uralten Triebwagen - aus Holz und ohne Fenster! - schaukeln und quietschen in einer guten Dreiviertelstunde durch friedliche Täler und enge Kurven bis an die Küste. Der Fahrer kurbelt und bimmelt was das Zeug hält, manchmal steht eine Kuh auf den Gleisen. Leider verkehrt diese Straßenbahn nur freitags, samstags und sonntags oder auf Vorbestellung für private Touren. Die Abfahrtsstation der Straßenbahn in Sintra liegt im Stadtteil Estefania, beim Museum für Moderne Kunst in der Rua Helidoro Salgado. Man geht vom Bahnhof circa zehn Minuten zu Fuß, zunächst geht es ein Stück zurück an den Bahngleisen entlang.
Die Costa de Caparica
Südlich von Lissabon erstreckt sich die Costa de Caparica über Dutzende von Kilometern feinsten Sandstrandes. Die Anreise ist auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln problemlos möglich. Von der Praca de Espanha in Lissabon fahren mehrere Buslinien nach Caparica. Die Fahrt führt über die Hängebrücke Ponte 25 de Abril, was für sich allein schon ein Erlebnis ist. Eine andere Möglichkeit ist es, mit der Fähre von Cais de Sodre nach Cacilhas zu fahren und dort in den Bus umzusteigen. Die dritte Alternative ist, zunächst mit der Fähre von Belem nach Trafaria zu fahren und dann zu Fuß oder per Fahrrad oder Bus nach Caparica zu gelangen. Der Ort Caparica ist nicht besonders schön, auf der neuen Strandpromenade lässt es sich aber gut spazierengehen, und Gastronomiebetriebe gibt es in Hülle und Fülle. Besonders schön, und auch im Sommer nie überfüllt, sind die Strände etwas weiter südlich, also nach dem Ende der Strandpromenade.
In Caparica bietet sich ein etwas anderes Bild als etwa in Guincho: Die Strände sind breit und flach abfallend, felsige Abschnitte gibt es keine und hinter dem Strand liegt ein Dünenstreifen. In den Dünen liegen die Gleise einer putzigen Schmalspur-Strandeisenbahn namens Transpraia. In den Sommermonaten verbindet sie den Ort Caparica mit den südlicher gelegenen Stränden. Die Strecke ist circa neun Kilometer lang. Abfahrtsort ist bei der Bar Chapeu de Palha, etwa am Ende der Strandpromenade. Im katholischen Portugal ist FKK nicht sehr verbreitet. Auch in Caparica gibt es keinen offiziellen FKK-Strand, aber in den etwas abgelegeneren Strandabschnitten, zu denen man mit dem Bähnchen gelangt, wird Nacktbaden zumindest inoffiziell geduldet.
Wer lieber mit dem Auto nach Caparica fahren möchte, verlässt Lissabon ebenfalls über die Ponte 25 de Abril und biegt direkt danach auf die autobahnartige Schnellstraße IC20 ab. Obwohl es entlang der kilometerlangen Strände massenhaft Parkplätze gibt, kann es an den Wochenenden im Sommer eng werden, wenn halb Lissabon an den Strand fährt. Wenig erholsam gestaltet sich nach einem Tag am Strand auch oft die Rückfahrt, wenn man zusammen mit allen anderen Strandrückkehren stundenlang im Stau steht. Insbesondere das Nadelöhr der Tejo-Brücke lässt die Rückfahrt zur Geduldsprobe werden.
Insgesamt gibt es aber genug Möglichkeiten, sich stressfrei und bequem von Lissabon an einen der zahlreichen Strände zu begeben. Wer des Pflastertretens müde ist, kann hier gut verschnaufen. Nur wenige Kilometer entfernt von der lauten und staubigen Großstadt gibt es sauberes, klares Wasser, frische Luft und meist noch eine kühlende Brise. Wer besonderes Glück hat, erlebt noch einen spektakulären Sonnenuntergang mit einem sich schlagartig lila verfärbenden Himmel. Ein Ausflug an den Strand ist ein billiges Vergnügen. Die Zugfahrt von Lissabon nach Carcavelos kostet gerade einmal 1,35 Euro! An den Stränden rings um Lissabon tummeln sich hauptsächlich portugiesische Familien. Es gibt keinen Ballermann und auch der Anblick krebsroter Nordeuropäer bleibt einem meistens erspart.
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