Streifzug durch den Nationalpark Manuel Antonio in Costa Rica, Teil 2
Bei einem Streifzug durch den Nationalpark Manuel Antonio in Costa Rica, Teil 2 erleben wir Aufregendes in der Natur. Endlich wird unsere Hartnäckigkeit belohnt und wir machen eine tolle Entdeckung.
In Teil 1 unseres Streifzuges durch den Nationalpark Manuel Antonio haben wir vom Aussichtspunkt unseren weiteren Weg angetreten und sind links abgebogen in Richtung Meer. Dann haben wir eine Begegnung. Ein durchaus europäisch erscheinender Mensch männlichen Geschlechts und im besten Rentenalter kommt von unten herauf. Er spricht fließendes Hochdeutsch. Nachdem er unsere Annahme bestätigt hat, dass dieser Pfad uns zum Meer bringt, verfallen wir in ein Gespräch. Nachdem er heftig verneint, Deutscher zu sein und dazu im Brustton eidgenössischster Überzeugung verkündet, dass er als Schweizer geboren wurde, glauben wir ihm dies unbesehen. Ein sehr aufgeräumter Mensch ist er, wortgewandt und offenbar sehr belesen. Ein Wort führt zum anderen, natürlich müssen wir erzählen, dass wir auf Teneriffa wohnen, er, dass er sein weiteres Leben in Kalifornien verbringt. Bestimmt zehn Minuten reden wir so über alles Mögliche, über Umweltschutz und unsere Reiserouten, Teneriffa und Kalifornien, fast ist es schade, dass unser Weg nicht in die gleiche Richtung führt.
In Serpentinen steigen wir hinunter durch den hier etwas lichteren Wald und kommen an einem winzigen Strand aus, an dem wir allerdings nicht die einzigen sind. Etliche Wanderer, meist junge Leute, bevölkern Sand und Wasser in der idyllischen kleinen Bucht. Das Wasser lockt kristallklar und nacheinander stürzen wir uns in die Fluten. Einer von uns passt immer auf unsere Sachen auf, Vertrauen ist gut, Aufpassen ist besser. Angeschwemmte und umgestürzte Baumstämme bieten natürliche Sitzgelegenheiten, ebenso wie dicke Steine, die wahllos am Stand liegen. Aufgeregte Stimmen verkünden Neues. Hinter einem Baumstamm paaren sich vor aller Augen, zum Entzücken ihrer selbst und dem der Photographen, zwei Schwarz-Leguane. Innig versunken in ihrer Leguan-Extase haben sie keinerlei Scheu vor uns Menschen. Das Photo-Motiv ist einfach genial gut, wow!
Nach dem Liebespaß und den Badefreuden machen wir uns wieder auf, diesmal bleiben wir knapp über der Küste. Umgestürzte Bäume müssen wir unterqueren, aber sonst haben wir keine Abenteuer zu bestehen. Ungefähr dort, wo wir ihn anfangs verlassen hatten, treffen wir, nun aus der anderen Richtung kommend, wieder auf den breiten Weg. Jetzt biegen wir aber scharf links ab, hinunter zum Meer. Es wuselt, etwas unterhalb von uns und quer über die Piste. Ziemlich schattig ist es hier und das wuselnde Etwas ist reichlich schnell. Das Vergnügen hatten wir schon im Nationalpark Cahuita an der Karibikküste. Agutis sind das und beschreiben kann man sie in etwa so: man nehme die Gene von kleinen Schweinen, Hasen und Ratten, gebe lange Beine hinzu und einen Stummelkörper und fertig! Was dabei rauskommt, sieht dann aus wie kein anderes Tier, aber das Gemisch aus vielen verschiedenen. Der Wald ist hier offener, und so kann ich zumindest ein verschwommenes Bild eines dieser goldbraunen Nager machen.
Nur hundert Meter weiter erreichen wir das Meer. Der Strand hat einen ganz weißen, traumhaft schönen Sand. Auch hier reichen die Bäume bis ans Meer, stehen praktisch auf dem Strand. Kleinere Exemplare, wie Gummibäume sehen sie aus und sind auch bestimmt welche, so sechs, sieben Meter hoch, überragen uns. Und dann ist es soweit! Direkt über unseren Köpfen, in so einem Gummibaum, hängt kopfüber ein Faultier. Es ist wunderschön, so schön, wie ein Faultier eben sein kann. Ich schau ihm direkt in die Augen. Traumverloren knabbert es an einem Blatt, hat alle Zeit der Welt. Was hat ein Faultier denn auch schon zu tun im Leben? Nix hat's zu tun außer Schlafen, Lieben, Fressen und ein Faultier sein. Wir können uns da nur schwerlich lösen, waren wir doch fast zwei Wochen erfolglos gewesen auf unserer Jagd nach dem Faultier. Wo doch in Cahuita und Manzanillo angeblich der Wald nur so von den Tieren wimmeln soll! Die haben sich bestimmt vor uns versteckt.
Nach der gebührenden Zeit der Faultier-Andacht ziehen wir weiter, mitten hinein in die Zivilisation. Direkt vor unserer Nase, auf einer Betonfläche stehen ein windschiefes Rot-Kreuz-Zelt und sechs sauber aufgereihte Toilettenhäuschen à la Dixie! Nur, dass die hier nicht Dixie heißen. Was das nun wieder soll? Wir haben keine Ahnung. Wohl hatten wir schon davon gelesen, dass es hier im Manuel Antonio immer wieder technische Schwierigkeiten mit den Besuchertoiletten gibt. Aber sind die so gravierend, dass man sogar das Rote Kreuz braucht? Lassen wir das Spekulieren, jetzt verläuft der Pfad durch mehr oder weniger tiefen Sand, bald passieren wir tatsächlich die Besuchertoilette. Wegen Bauarbeiten geschlossen, aber ganz neu gebaut und fast fertig. Das lässt hoffen!
Noch eine Ecke weiter und wir stehen vor dem Wasser. Geschätzte einen Meter tief könnte es sein, ein kleiner Meeresarm, den man nicht umgehen kann. Es hilft im Zweifelsfall nur Durchwaten oder den Dienst der Fährleute in Anspruch zu nehmen. Für einen Dollar entschließen wir uns fürs zweite. Der Fährmann schiebt und ist nass und wir sitzen trocken im Boot. Wenige Meter weiter entlässt uns der junge Mann und bald darauf sind wir wieder in unserem 'Nobelhotel'. Für heute Abend haben wir uns etwas verdient! Wir haben dem Regen getrotzt, Leguane beim Liebesspiel zugesehen und endlich das Faultier, unser erstes, gefunden! In Quepos, das nur wenige Kilometer vor Manuel Antonio liegt, gibt es eine Pizzeria, die hat eine ganze Speisekarte rauf und runter jede Menge Pizzas. Auch welche mit Ananas gibt es dort. Ich liebe Ananas! Bei einem romantischen Candlelight-Dinner - in ganz Quepos fällt nämlich bei rauschendem Regen und donnerndem Gewitter der Strom aus - genießen wir den Abend. Ein Glück, dass die mit Gas kochen in der Pizzeria Escalofrío! Es ist köstlich!
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Playa Espadilla, Manuel Antonio
Schwarzleguane beim Liebesspiel
Schwarzleguan
Faultier
Orte ewigen Müssens
Playa Espadilla, Manuel Antonio