Tauchen in der Karibik für Backpacker – Die Insel Utila vor Honduras

Ein Tauchurlaub in der Karibik gilt als teure Angelegenheit. Doch der faszinierende Sport muss nicht mit 5-Sterne Resorts Hand in Hand gehen. Auf der honduranischen Insel Utila gibt es gute und günstige Tauchkurse.

Bis zu dem Zeitpunkt, als wir im guatemaltekischen Quetzaltenango ankamen, hatten wir noch nie etwas von einer Insel namens Utila gehört. Zwei Australierinnen aus unserem Hostel wollten gerne hin und da bot es sich zum Teilen der Benzinkosten an, einfach mitzukommen. Ein paar Tage karibischer Strand wird wohl nicht schaden nach den Wochen des Spanisch Lernens.

Ankunft auf Utila

Die Fähre auf die Insel kostet im Moment 21 US Dollar, auf dem Rückweg hat man montags und donnerstags die Möglichkeit, sich für 17 US Dollar in einem kleineren Boot von einem lokalen Gemüsehändler mitnehmen zu lassen, der auf dem Festland seine frische Ware kauft. Welches Hotel man nimmt, hängt entscheidend von den Plänen ab, die man hat. Besucht man die Insel als einfacher Tourist, der ein wenig ausspannen will, sollte man es in Betracht ziehen, in eines der Resorts zu gehen, die einen kleinen Strand vor der Tür haben. Sie befinden sich ein wenig abseits der Hauptstraße, bieten dafür aber alle Annehmlichkeiten, die einem ohnehin die Lust nach Aktivitäten außerhalb des Hotels nehmen können. Es gibt in Utila nur einen kleinen öffentlichen Strand, der zwar nett ist, aber nicht den Ansprüchen genügt, die man haben sollte, wenn man aus Europa kommt, um einen Strandurlaub in der Karibik zu machen.

Wassersport

Der Grund für einen Besuch Utilas ist dementsprechend nicht der Strand, es ist das Wasser! Türkisblau, wie man es von den schönsten Bildern der Seychellen kennt, kann man vom Boot aus noch auf den Grund gucken, wenn man schon längst nicht mehr im Wasser stehen kann. Das Wasser um die Insel lädt einen geradezu ein, man muss nur noch zustimmen. Es gibt einige Möglichkeiten, wie man sich am besten im türkisen Nass vergnügen kann. Die Tauchschulen der Insel bieten alle Schnorchelequipment an und nehmen die Schnorchler mit auf die Boote, mit denen sie zum Tauchen rausfahren. Kajaks zu leihen kann ebenso Spaß machen. Der Großteil der Touristen befindet sich auf einen kleinen Bereich, so dass es mit dem Kajak noch gute Möglichkeiten gibt, ein Stück unberührte Insel zu erleben. Einige Boote ziehen einen mit dem Reifen durch das Wasser, und auch der Genuss eines kalten Salva Vida (warum das Bier Lebensretter heißt, habe ich noch nicht in Erfahrung bringen können) mit den Füßen im Wasser und dem Blick gen Sonnenuntergang ist ja eine Wassererfahrung.

Die Qual der Wahl

All diese Möglichkeiten sollen aber nicht über den eigentlichen Grund hinwegtäuschen, warum die meisten Touristen den Weg mit der Fähre nach Utila auf sich nehmen: Tauchen. Wie in der Einleitung geschrieben, hatten wir gar nicht vor zu tauchen, konnten uns dem Reiz aber nicht entziehen. Spätestens der Schnorchelausflug mit ein paar Tauchern hat das Blatt gewendet. Das Tauchen hier hat aus einer schönen Zeit eine unvergessliche gemacht, der Pathos ist an dieser Stelle angebracht. Über die Preise der verschiedenen Anbieter kann man ein wenig verhandeln, obwohl sie hier in Utila günstiger sind als überall sonst auf der Welt. In unserem Fall hat die Tauchschule uns nachträglich die Kosten für das vorherige Schnorcheln erstattet, die Gebühren für die Nutzung des Riffs erlassen und sind noch ein Stück heruntergegangen, da wir glaubhaft klarmachen konnten, dass wir eigentlich gar nicht vorhatten zu tauchen, aber irgendwie doch ein wenig ins Überlegen gekommen seien. Im Endeffekt haben wir für einen Anfängertauchschein (PADI Open Water Diver) und das Zertifikat zum tiefer Tauchen (30 Meter statt 18 Meter sind nun während der nächsten Urlaube erlaubt) pro Person 235 US Dollar bezahlt. Für 10 US Dollar mehr hat man während der Zeit des Kurses eine freie Unterkunft im jeweiligen Partnerhostel der Tauchschule, manche haben auch eigene Zimmer. So zahlt man pro Nacht nur 1 bis 2 Dollar.

Die Tauchschule

Wir waren bei Ecomarine, der aus mehreren Gründen eine gute Wahl war. Zunächst liegt er fünf Gehminuten weiter die einzige Straße hinauf Richtung Public Beach. Diese Distanz scheint für viele so abschreckend zu wirken, dass wir auf dem Wasser immer wieder festgestellt haben, wie voll die anderen Boote sind, während wir mit einer netten Dreier- bis Sechsergruppe aufs Wasser gefahren sind, was das Tauchen selbst deutlich angenehmer macht. So werden auch die theoretischen und praktischen Kurseinheiten effektiver, da wir zu zweit eine Lehrerin für uns hatten. In anderen Schulen haben wir ca. zehn Leute zusammen beim Unterricht gesehen. Neben einem besseren Unterricht bringt es eine sehr familiäre Atmosphäre mit sich. Die Köchin sitzt abends genauso mit einem Bier an der kleinen Bar am Wasser wie der Chef mit Familie, die Tauchlehrer und die Gäste. Dass einem der eigene Lehrer einfach ein Bier ausgibt, ist meiner Meinung nach bei vielen der etwas übervollen Schulen schwer vorstellbar. Der zweite Grund sind die freundlichen, bemühten und gut ausgebildeten Tauchlehrer. Es arbeiten neben honduranischen, spanischen und US-amerikanischen Lehrern momentan auch ein Schweizer für Ecomarine, die Bücher zum Lernen sind ebenfalls in mehreren Sprachen vorhanden.

Der Schnorcheltest

Eine weitere Sache, gab es noch, die uns zu Ecomarine hin und von einigen anderen Anbietern weggelotst hat. Als wir zu Beginn „nur“ schnorcheln wollten, war es überhaupt kein Problem. Uns wurde gesagt, wann sie uns mitnehmen könnten und sie haben extra an einer Stelle geankert, vor der aus man als Schnorchler viel sehen kann. Bei anderen dauerte es teilweise, bis überhaupt jemand Lust hatte, mit uns zu sprechen, und als dann das magische Wort schnorcheln fiel und klar wurde, dass wir keinen teuren Tauchkurs machen möchten, wechselte die Gesprächstemperatur vom karibischen Utila zum schwedischen Upsala: „Achso, ja, also, Boot wissen wir noch nicht, kostet zwischen 10 und 15 Dollar, weiß noch nicht, morgen schon mal nicht, übermorgen vielleicht...“. Danke für die Infos, wir schauen mal woanders und machen da gleich noch einen Tauchkurs!

Das Tauchen

Zum Tauchen selbst kann ich persönlich eigentlich nur Superlative bemühen. Das Riff ist das zweitgrößte der Welt und zieht sich bis zur Yucatan Halbinsel Mexikos (wobei die Größe für uns relativ egal war, da wir nie vor hatten, bis Mexiko zu tauchen). Die Formationen der Korallen, die vielen bunten Fische, Langusten und Moränen sind atemberaubend. An einem Tag konnten wir uns zwei Schiffswracks ansehen, in dem einen hatte sich die grüne Moräne Lucy angesiedelt. Neben dem anderen wurden wir Zeuge eines Kampfes zwischen zwei Barrakudas, der für einen der Raubfische tödlich verlief, wobei es sich die Snapper, sonst gern gesehenes Frühstück der Barrakudas, nicht nehmen ließen, an dem schon fast toten Fisch ihre Rache auszuüben. Böses Revanchefoul, aber ein Schiedsrichter fehlt in der Natur nun einmal. Leider scheinen sich die großen Schildkröten vor uns versteckt zu haben, ganz zu schweigen von den Walhaien, bei denen wir allerdings wussten, dass gerade nicht ihre Saison ist. Walhaie sind mit bis zu 14 Meter Länge die größten Fische der Welt und für Menschen absolut ungefährlich. Ich kann nur jedem empfehlen, die Urlaubszeit auf Utila mit der Saison der Walhaie in Einklang zu bringen. Mit Stachelrochen, Adlerrochen und vielen weiteren Meeresbewohner haben wir dennoch soviel gesehen, dass es fast schon gut zu wissen ist, noch Steigerungen erwarten zu können, wenn es irgendwann mal wieder ins Wasser geht.

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Autor: Travelbugs  22.06.2011 |  Beitrag hilfreich? Ja | Nein

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