Thiel und St. Pauli - Eine niemals endende Love Story im Tatort
Der exzentrische Gerichtsmediziner Boerne, Kommissar Thiel und St. Pauli, eine niemals endende Love Story im Tatort Münster, setzt kultige Maßstäbe in Deutschlands Krimilandschaft.
Wer der Nachkriegsgeneration würde sich nicht so einen Papa wünschen: Dreitage- bis Vollbart, das Nasenfahrrad auf die selbige geklemmt und ab und an den Bestand seiner Hanfplantage ver(b)rauchend. Dazu einen Pferdeschwanz, der, jedenfalls mit angedeuteter Wollmütze, die fehlende Resthaarfülle nicht vermissen lässt, also schlechthin der Vorzeige-Achtundsechziger des hanfgrünen Klischees. Kommissar Thiel kann mit seinem Erzeuger aber wenig anfangen. Er leidet unter seinem recht progressiven Vater, der sich auch nicht zu schade ist, mit Frau Staatsanwältin, immerhin so etwas wie die Vorgesetzte seines Sohnes, in die Falle zu hüpfen. Thiel dagegen ist mehr der einfach gestrickte Geradeausdenker, der das Leben so nimmt wie es kommt und nach seiner Strafversetzung aus Hamburg ins erzkatholische Münster immer noch seiner großen Liebe nachhängt.
Die Liebesgeschichte von Thiel und St. Pauli könnte selbst einen Nicht-Fußball-Fanatiker, wie den Autor dieser Geschichte, fast zu Tränen rühren, vergeht doch kaum eine Folge des Tatort aus Münster, in dem Thiel nicht mit Rucksack und St. Pauli-Schal bewaffnet loszieht in die alte Heimat, um seinen Verein anzufeuern. Eines wird dem Zuschauer klar: selbst wenn der FC St. Pauli auf Kreisniveau abrutschen würde, dem innigen Liebesverhältnis von Thiel und St. Pauli würde auch dies keinen Abbruch tun. Doch oft genug kommt es vor, dass ein ungerufenes Mordopfer oder Thiels gar nicht passendes Pendant in Form von Gerichtsmediziner Prof. Boerne ihm einen Strich durch die Rechnung machen. Der extrovertiert-exzentrische alte (Studenten-)Herr Boerne mag nämlich all das nicht was Thiel mag. Deshalb oder trotzdem leben beide unter einem Dach in Boernes Haus, keifen sich tagaus, tagein privat und beim Ermitteln an und geben dem Münsteraner Tatort seine Würze.
Weil der Strafversetzung Thiels ein Führerscheinentzug zu Grunde lag, darf der Kommissar im Schlotterlook mit dem Fahrrad auf Verbrecherfang gehen. Vorbei an Münsters Schönheiten wie dem St. Paulus Dom und dem alten Rathaus, über den romantischen Prinzipalmarkt oder entlang der Lindenallee unter uralten Bäumen, ist er den Bösewichten auf der Spur. Vielleicht wird Thiel sich ja auch mal ins feine Schwarze werfen und mit Boerne zum Krimidinner im barocken Schlossgarten des Münsteraner Schlosses ermitteln. Und dann wird mit Sicherheit auch wieder ein Besuch im Millerntor-Stadion in der Thiel- und St. Pauli-Heimat anstehen. Im wahren Leben ist Thiel, nein Prahl heißt er da, durch seine Rollen-Liebschaft zum St. Pauli-Fan geworden. Wenn das keine Liebe ist! So, wie die Kölner Ermittler Ballauf und Schenk ihr lokales Krimiumfeld zum Kult erhoben haben, so haben es Thiel, Boerne, die never ending St. Pauli-Lovestory und der kiffende Papa in Münster getan. Aus Münster sind Thiel und St. Pauli genauso wenig wegzudenken wie die Fahrräder aus Deutschlands fahrradfreundlichster Stadt.
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