Tudo bem! Eine Reise in 40 Tagen durch Süd-Brasilien
Absolute Höhepunkte der Reise waren die Wasserfälle von Foz do Iguazu, die historischen Städe von Minas Gerais und natürlich Rio de Janeiro.
Von Hamburg über Sao Paulo geht es Anfang November erst einmal nach Rio de Janeiro."A cidade maravilhosa!", die wunderbare Stadt, so loben die Cariocas, die Bewohner Rios, ihre Stadt selbst. Und dazu haben sie auch guten Grund. Den besten Eindruck hat man nun einmal vom Corcovado, zu Füßen des Cristo Redentor, der riesigen Christusstatue. Spektakuläre Aussichten auf das endlos erscheinende Häusermeer, das sich zwischen den zahlreichen Bergen und um die herrlichen Buchten mit ihren weltbekannten Stränden erstreckt. Ohne Zweifel, diese Stadt ist wohl eine der schönsten Städte der Welt. Es ist das Lebensgefühl, das die Cariocas vermitteln, auch das Klima und die herrliche Lage am Meer mit den wunderschönen Stränden Copacabana und Ipanema, die durch Songs Weltberühmtheit erhielten. Doch es gibt auch genügend Schattenseiten. Ein großes Problem für die Stadt ist die hohe Kriminalität. Daran wird mit Hochdruck gearbeitet. So hat man heute einige Favelas als Touristenattraktion erkannt und sie z.T. sicher gemacht. Davon profitieren alle Seiten. Doch da bleibt noch immer viel zu tun. Vielleicht kommt daher die unverwüstliche tudo-bem-Einstellung der Cariocas, Daumen nach oben, alles ist okay!
Curitiba und der Bundesstaat Paraná
Nach drei Tagen in Rio geht es nach Paraty, einer wundervoll restaurierten alten Stadt, die mit ihren alten Kopfsteinpflasterstraßen autofrei ist und dem UNESCO-Weltkulturerbe unterstellt wurde. Von hier aus kann man zwei Tagestouren unternehmen. Im Süden laden riesige, teilweise runde Steine am Praia de Trinidade zu einem Strandspaziergang ein. Fast wie in Hampi, in Indien! In Parati-Mirim kann man Familien des alten Stammes der Guarani, von denen nur noch 35.000 in Süd-Brasilien leben besuchen. Eine Bootstour zu abgelegenen Stränden rundet dann den dreitägigen Aufenthalt ab.
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Curitiba, die Hauptstadt des Bundesstaats Paraná, zeigt sich von ihrer besten Seite. Hier scheint alles besser, durchdachter und organisierter abzulaufen als im Rest des Landes. Der Baumbestand und die vielen Parkanlagen im Stadtgebiet bilden weitere Vorteile. Nicht umsonst genießt Curitiba den Titel Capital Ecologica do Brasil, Brasiliens Öko-Hauptstadt. Vor allem ist das Verkehrssystem hervorragend! Es gibt natürlich auch ein Touristenbussystem. Damit kann man eine einstündige Tour mit Zwischenstopps an allen sehenswerten Stellen unternehmen. So werden die weit auseinander liegenden Attraktionen touristengerecht angeboten.
Um in den Parque Estadual de Vila Velha zu kommen fährt man mit dem Bus in Richtung Ponta Grossa, westlich von Curitiba. Nach etwa anderthalb Stunden setzt einen der Busfahrer auf offener Strecke ab. Nach wenigen Schritten in diesem Park weiß man, warum die Indios, die diese Gegend bewohnten, dem Ort den Namen ltacueretaba gaben, die steinerne Stadt, woraus dann in Portugiesisch ViIa Velha, die Alte Stadt, wurde. Hier kann man faszinierende Steinformationen sehen, die die Fantasie anregen, weil man alles Mögliche erkennen kann (z.B. Flasche, Tisch, Phallussymbol...).
Leider wird das Wetter schlechter. Deshalb geht es mit dem Bus nach Morettes, östlich von Curitiba, um dann am Nachmittag von dort mit dem Serra Verde Express etwa drei Stunden, dann wieder bei teilweise Sonnenschein, zurück nach Curitiba zu fahren. Während der Zugfahrt durch die bezaubernde Bergwelt, an rauschenden Wasserfällen vorbei und über Schwindel erregende Brücken, werden Informationen per Mikrofon an die Mitreisenden gegeben, die teilweise an einen Losverkäufer auf dem Jahrmarkt erinnern. Es ist völlig ausreichend, wie auch auf allen anderen historischen Zugfahrten, die Strecke nur in einer Richtung mit der historischen Eisenbahn zu unternehmen. Auf diesen Strecken, wie auch bei den meisten Eintrittsgeldern, gibt es nicht nur für Studenten, sondern auch für Leute ab 60 Jahren eine 50%-ige Ermäßigung.
Gewaltige Wasserfälle und alte Kolonialstädte
Nächste Station ist Joinville im südlich von Paranä gelegenen Bundesstaat Santa Catarina. In dieser Stadt leben viele Deutsche, aber auch Leute aus Säo Paulo, die ihren Alterssitz hierher verlegt haben, um Smog und Verkehr der fast 13 Millionen Einwohner zählenden Stadt zu entrinnen. Ein Zwischenstopp mit erneuter Übernachtung in Curitiba erleichtert die lange Busfahrt nach Foz do Iguacu.
Diese Wasserfälle sind Pflichtprogramm für Besucher des Südens von Brasilien. Die Dimensionen dieser Fälle stellen alle anderen in der Welt in den Schatten. Deshalb wurden sie 1986 von der UNESCO zur Weltnaturerbestätte ernannt. Am zweiten Tag besichtigen wir die Wasserfälle auf argentinischer Seite, was eine völlig andere Sicht auf die tosenden Wassermassen zuließ. Die große Begeisterung und Überwältigung des Naturschauspiels drückte sich in den viel zu viel „geschossenen“ Fotos aus, die eine Beschränkung auf nur wenige sehr erschwert hat. Ein lebhafter Austausch abends in der Pousada am Pool und beim Sonnenuntergang rundete den Aufenthalt in dieser Gegend ab. Doch bevor man Foz do Iguacu verlässt, sollte man noch den nur 14 km entfernten Itaipu-Staudamm besuchen. Er ist der zweitgrößte der Welt aber aufgrund der hohen Energieerzeugung ist dieser Staudamm auch nach der Fertigstellung des Drei-Schluchten-Staudamms am Yangtze in China, noch immer an erster Stelle. So deckt Paraguay immerhin 90 % und Brasilien ca. 20 % seines Energiebedarfes durch Itaipu ab. Weitere große Staudämme sind in Brasilien geplant, was allerdings aus vielerlei Gründen keineswegs unumstritten ist. Es ist bekannt, dass der brasilianische Präsident Lula der Präsident der Arbeiter ist, der es geschafft hat, die Wirtschaft anzukurbeln, wovon auch die Arbeiter profitieren aber weniger die Umwelt.
Minas Gerais, alte Goldgräberstädte
Laut Reiseführer und den befragten Brasilianern gibt es nichts Besonderes zwischen Foz do Iguacu und Belo Horizonte im Bundesstaat Minas Gerais zu sehen. Wer also das nötige Kleingeld hat, sollte zumindest eine Strecke fliegen oder aber die Strecke dritteln, in Londrino und Ribeiro Preto übernachten, um täglich nicht mehr als etwa acht Stunden mit dem Bus zu fahren. Belo Horizonte ist auch nur eine Übernachtungsstelle, um mit wiedergewonnenen Kräften einige cidades históricas, Kolonialstädte, in diesem Bundesstaat zu besuchen.
Ouro Preto ist sicher ein absoluter Höhepunkt und nicht ohne Grund die erste Stadt Brasiliens, die dem Weltkulturerbe unterstellt wurde. Die teilweise mühevollen und schweißtreibenden Wege, bedingt durch die enormen Höhenunterschiede und das alte Kopfsteinpflaster, werden durch schöne Ausblicke und die überall liebevoll restaurierten Häuser aus der Zeit des Goldabbaus und des jahrelangen Regierungssitzes des Landes mehr als entschädigt. Von hier kann man wir wieder eine historische Eisenbahnfahrt nach Mariana unternehmen, einem kleinen Ort, etwa 14 Kilometer entfernt, der versucht Ouro Preto nachzueifern. Nach Sao Joao del Rei geht es nach Teresópolis, um nach dem Anblick des Gottesfingers „Dedo de Deus“, eine etwa 2,5-stündige Trekkingtour zu unternehmen. Dort gibt es eine völlig neue Tour, die einen herrlichen Blick auf Dedo de Deus freigibt. In Petrópolis ist man vom Prunk der Kaiserfamilie Dom Pedro II überwältigt – zu bestaunen im vollständig erhaltenen Palast.
Na praia, am Strand
Nun bricht der letzte Teil der Reise an: Strandleben in und um Cabo Frio, etwa 150 Kilometer östlich von Rio. Von Peró, vier Kilometer von Cabo Frio entfernt, kann man den langen Strand genießen, die herrlichen Wellen und eine Tagestour nach Arraial do Cabo unternehmen, um von dort eine dreistündige Bootsfahrt zu herrlichen, nur per Boot erreichbaren Stränden zu unternehmen. Cabo Frio sollte man vom Berg Ilha de Japanese aus betrachten, mit traumhaftem Blick auf die Praia do Forte, auf das an ihrem Ende gelegenen Fort, die blendend weißen Riesendünen Dama Branca (weiße Frau) und Pontal sowie auf das türkisblaue, glasklare Meer.
Szenen wie in einem Gangsterfilm erleben wir, als wir mit dem öffentlichen Bus zu dem ehemaligen Fischerörtchen Buzios fahren. Der Bus steht in einem Verkehrsstau fest, als Polizisten mit Gewehren und Pistolen plötzlich den Bus stürmen. Die Busreisenden ducken sich verängstigt und versuchen Schutz zwischen den Sitzen zu finden. Menschen schreien, alte Frauen und Kinder weinen. Nach und nach dürfen Passagiere nach Kontrolle, Leibesvisitationen und teilweise freiem Oberkörper den Bus verlassen - die Polizei immer noch mit dem Gewehr im Anschlag. Als fast alle den Bus verlassen traben, werden zwei Männer mit freiem Oberkörper und Handschellen aus dem Bus geführt. Nachdem die Polizei die Diebe im Polizeiauto abtransportiert hat, dürfen wir wieder einsteigen und die Fahrt fortsetzen. Ein aufregendes Erlebnis! Wir sind froh, dass es so glimpflich ausgegangen ist.
Buzios hat seinen Aufschwung im Jahre 1960 durch den Besuch von Brigitte Bardot und ihrem damaligen brasilianischen Freund genommen. Die malerische Uferpromenade mit dem Blick auf viele kleine Boote, einige Inseln und die schmalen kopfsteingepflasterten Straßen mit vielen Lokalen, Restaurants und Boutiquen machen auch heute noch einen Besuch lohnenswert. Eine Woche Cabo Frio macht den Abschied schwer und so ist man froh, wenn man noch einen kurzen Zwischenstopp am Meer einplanen kann, um dann noch zwei volle Tage reines Strandleben in Saquarema zu genießen. Von dort kann man dann am Abflugtag direkt zum Flughafen in Rio de Janeiro fahren.
Man trifft viele fröhliche, freundliche und hilfsbereite Brasilianer und wird oftmals auf der Straße begrüßt und auch gefragt, ob man Hilfe braucht. Ohne jegliche Kenntnisse der Landessprache, dem brasilianischen Portugiesisch oder Spanischkenntnissen, dürfte eine Reise allerdings nicht immer einfach sein, da kaum jemand eine Fremdsprache beherrscht. Zum Schluss sei noch erwähnt, dass es faszinierend ist, wie Menschen unterschiedlicher Hautfarben und Rassen wie selbstverständlich und (zumindest scheinbar) ohne Vorurteile miteinander umgehen und leben.
Wichtige Tipps:
- Für den Start in Brasilien ist es gut, wenn man Euro dabei hat, damit man diese am Flughafen an der Wechselstube eintauschen kann. Hierfür werden zwar auch Gebühren erhoben, doch zum einen sind sie geringer als bei den Automaten (beim Tausch einer kleineren Summe) und zum anderen bekommt man auch die gewünschten Rial, da viele Automaten auf dem Flughafen nicht funktionieren.
- Mitnahme eines Fake-Portemonnaies mit abgelaufenen E-Cards und einigen Geldscheinen, das man bei einem Überfall getrost abgeben kann.
- Nachts sollte man möglichst nicht auf Rios Straßen gehen, sondern mit einem Taxi gefahren.
- Als ich allein auf den Berg der Insel Illha de Japanese bei Cabo Frio gehen wollte, wurde ich gewarnt davor und man stellte mir einen "Guide" zur Seite, der mich kostenlos begleitete und mein „Dankeschön-Obolus“ ablehnte.
- Beim Eintritt zur Besichtigung der Wasserfälle Cataratas do Iguacu auf argentinischer Seite kann nur in argentinischer Währung bezahlt werden (auch keine EC oder Kreditkarte!). Tauschen kann man in der kleinen Wechselstube, die beim Verlassen Brasiliens auf der argentinischen Seite liegt.
- Wer von Deutschland aus angerufen werden möchte, sollte sich vorher in Deutschland eine entsprechende SIM-Karte für ca. 30 € (z.B. von Global SIM) kaufen, bei der dann keine weiteren Kosten mehr anfallen, wenn man angerufen wird.
- Brasilianische SIM-Karten von z.B. TIM oder Claro sind extrem teuer, wenn man innerhalb Brasiliens von einem Staat in einen anderen telefonieren möchte.
- Günstiges Essen gibt es in den Self-Service Restaurants, in denen man sich das Essen selber auf den Teller gibt (in der Regel reichhaltige Auswahl) und anschließend nach Gewicht bezahlt. Essen je nach Menge ca. 2,50 bis 4 Euro ohne Getränk. Ein Getränk kostet ca. 0,70 Euro – ein Bier 1,00 bis 1,30 Euro.
- Jugendherbergsausweis kaufen – 96 Hostels (Jugendherbergen) sind aufgelistet im GUIA Brasil
- Einen kleinen unzerbrechlichen Salzstreuer mitnehmen, da nicht in allen Küchen der Unterkünfte Salz vorhanden ist und man Salz oftmals nur in riesigen Verpackungen kaufen kann.
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