Ukrainische Weihnachten

Andere Länder, andere Sitten? Während bei uns in Deutschland die Kinder unter dem Weihnachtsbaum ihre Geschenke am 24. Dezember auspacken, ist dieser Tag in der Ukraine ein gewöhnlicher Arbeitstag.

Bald ist es soweit, die Wunschzettel der kleinen Kinder sind schon längst an den Weihnachtsmann mit Adresse am Nordpol verschickt und nun beginnt das große Bangen. Was bringt der große alte Mann mit den roten Mantel und dem weißen Bart? Was ist in dem großen schweren Sack auf seinem Rücken für mich? Und vor allem, war ich brav genug, um auch wirklich ein Geschenk zu bekommen und nicht die all zu sehr gefürchtete Rute? Die kleinen Kinder sind – zum Glück- von dem Zauber der Weihnacht noch umgeben. Sie freuen sich immer wieder auf Weihnachten und können diesen Festtag gar nicht erwarten. Doch je älter man wird, desto mehr entfernt man sich von diesem Zauber und sieht nur noch den Profitgewinn der Geschäfte, die Konsumverschwendung und den Stress, den dieses Fest doch jedes Jahr wieder mit sich bringt. Doch warum feiern wir Weihnachten dennoch, wenn es in älteren Jahren eher zur Belastung wird als zum Vergnügen? Wie handhaben das andere Länder? Umgehen sie vielleicht Weihnachten? Feiern sie vielleicht Weihnachten das weniger kommerzieller ist? Kann man auch auf Weihnachten bezogen sagen: „andere Länder, andere Sitten“?

Für die Ukraine zum Beispiel stellt der 24. Dezember keinen besonderen Tag dar wie für uns in Deutschland. Allerdings kann man auch nicht sagen, dass hier Weihnachten einfach nicht gefeiert wird. Weihnachten wird in der Ukraine einfach nur am 07. Januar gefeiert. Man könnte jetzt denken, dass das gemein ist gegenüber den ukrainischen Kinder, die dann ja viel später Geschenke bekommen, jedoch hat dieses rein gar nicht mit Boshaftigkeit zu tun, sondern einfach nur mit der dortigen Kirche und dem Glauben.

Im Jahr 46 v. Chr. führte Julius Caesar dem nach ihn benannten Julianischen Kalender ein, der ein Jahr auf 365 Tage und 6 Stunden festlegte. Leider stellte sich mit der Zeit heraus, dass der Julianische Kalender um 11 min länger war als das eigentliche Sonnenjahr, also länger als der Zeitraum, welchen die Erde gebraucht, um sich einmal um die Sonne zu drehen. Dieses führte nach Jahrhunderten zu einer Verschiebung der Jahreszeiten und zu einer immer größeren Differenz zwischen Kalender- und Sonnenjahr, was zum Beispiel Folgen für die Ernte hatte. Dieser „Fehler“ wurde im Jahr 1582 durch die Gregorianische Kalenderreform korrigiert, in dem man zum einen einmalig zehn Tage ausfielen ließ und so nach dem 04. Oktober 1582 gleich der 15. Oktober 1582 folgte, und zum anderen festlegte, dass alle Jahrhundertjahre, die nicht durch 400 teilbar sind, auch keine Schaltjahre sind. Nach dem Julianischen Kalender waren sowohl 1600, 1700, 1800, 1900 und 2000 Schaltjahre, nach dem Gregoriansichen Kalender aber lediglich die Jahrhundertwenden 1600 und 2000. Der Gregoriansiche Kalender wurde von der katholischen Kirche verkündet, setzte sich in den katholischen Ländern auch sofort durch, in den protestantischen erst im 18. Jahrhundert und in Ländern mit orthodoxer Kirche blieb die Julianische Zeitrechnung sogar bis 1918 im Gebrauch. Und so ein Land war eben auch die Ukraine. Die Ukraine führt heute natürlich den Gregorianischen Kalender, behielt aber die Tradition, Weihnachten nach dem Julianischen Kalender zu feiern, wodurch Heiligabend nach dem Gregoriansichen Kalender auf dem 06. Januar fällt und Weihnachten eben auf den 07. Januar.

Die Kinder in der Ukraine müssen aber dennoch nicht bis zum 06. Januar auf ihre Geschenke warten. In der Ukraine beschenkt man sich bereits zum Silvester am 31. Dezember und die Geschenke bringt hier auch nicht der Weihnachtsmann, sondern Väterchen Frost. Am 06. Januar selbst ist es nicht anders wie in Deutschland. Hier trifft sich die Familie und feiert den Heiligabend, aber halt ohne Geschenke und ohne Fleisch auf den Tisch. Eigentlich gar kein Problem könnte man denken, doch in der Ukraine gibt es zum Heiligabend 12 Fastenspeisen! Die Zahl 12 steht analog zu den 12 Aposteln. Doch auch beim Essen gibt es eine klare Ordnung. Als allererstes muss die Kutya von allen gegessen werden, bevor man die anderen Speisen essen darf. Kutya kann man als einen süßen Nachtisch beschreiben, der u.a aus gehackten Weizenkörner zubereitet wird und vor allem bei den Kindern überaus beliebt ist. Nach Heiligabend am 06. Januar folgen noch die eigentlichen beiden Weihnachtsfeiertage, an denen Verwandte besucht werden, zu viel gegessen und sich zu wenig bewegt wird.

So gesehen kann man sagen, dass Weihnachten an sich wirklich international ist. Man sitzt in der Familie beisammen, es gibt Geschenke, man isst zu viel, Leute gehen in die Kirche, die sonst nie in die Kirche gehen und man besucht Verwandte. Der einzige Unterschied ist halt nur der Tag, an dem man feiert und die Reihenfolge Heiligabend- Geschenk, Geschenk- Heiligabend. Somit kann man nur zustimmen zu dem Ausspruch „andere Länder andere Sitten“, aber wiederrum auf Weihnachten bezogen nur bedingt. Alle Eltern auf der ganzen Welt wollen das ihre Kinder den Zauber der Weihnacht erleben und leben und wiederrum an ihre Kinder weiter gehen. Deshalb tun sie sich jedes Jahr von neuem den Stress mit den Weihnachteinkäufen und den Weihnachtsvorbereitungen an, weil für sie selbst Weihnachten als Kind das Größte war. Kurzum: Fröhliche Weihnachten!

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Autor: norsk jente  10.02.2011 |  Beitrag hilfreich? Ja (4) | Nein

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