Unbekanntes Istrien- Eine Reise durch das Landesinnere

Die Halbinsel Istrien ist bekannt für ihre schönen Badebuchten und Ferienorte. Doch das Hinterland bietet mit seiner romantischen Landschaft und geschichtlichen Bedeutung viel mehr, das man nicht verpassen sollte.

So wie viele Dörfer und Städte in Istrien, liegt auch Draguc auf einem Hügel.

Die Halbinsel Istrien im Norden von Kroatien an der Grenze zu Slowenien, ist bekannt für ihre schönen Badebuchten, Hotel- und Ferienanlagen. Jährlich genießen Touristen aus ganz Europa in ihren Badeurlauben das mediterrane Flair der Küste. Wenige Urlauber gelangen in das Hinterland von Istrien, mit seinen alten verträumten Städten, verlassenen Burgen und der wunderschönen Landschaft mit sanften Hügeln und Wäldern. Diese einzigartige Landschaft, eingebettet zwischen dem Ucka- Gebirge, der slowenischen Grenze im Norden, dem Küstenstreifen im Westen und Süden der Halbinsel, bietet mehr als nur einen reinen Badeurlaub.

Pazin, das Zentrum der ehemaligen habsburgischen Verwaltung in Istrien

Der Ort hieß unter der Herrschaft der Habsburger Mitterburg und diente als Grenzposten zum venezianischen Reich. Gleichzeitig wurde hier eine Festung mit demselben Namen errichtet, die heute als eine der besterhaltensten Kroatiens gilt. Das Kastell war ab dem 12. Jahrhundert der Sitz der Grafschaft Mitterburg, zu welcher der nördliche Teil des heutigen Istriens gehörte. Heute leben in Pazin 5.285 Einwohner und die Stadt ist wieder Sitz der Verwaltung Istriens.

Mit folgendem Szenario kann man sich das Flair des Ortes vorstellen: Sonntagvormittag im Juni, Sonnenschein, blauer Himmel und es weht ein leichter Wind. Auf dem Platz vor der Kirche SV Nikola, hat gerade der Sonntagsgottesdienst begonnen und die Kirche ist so voll, dass die Messe über Lautsprecher auf den Platz vor der Kirche übertragen wird. Die Kirche ist ein weißer schlichter Bau im venezianischen Stil mit separat stehendem Kirchturm, der aus Steinblöcken errichtet wurde. Neben dem Turm befindet sich ein steinerner Torbogen, dahinter beginnt die Altstadt, ebenfalls in venezianischer Bauweise errichtet.

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Die Gasse Ulica Velog Joze führt in das Zentrum des Ortes. Die Häuser sind alle aus Stein gebaut, teilweise verfallen und renovierungsbedürftig, aber fast alle bewohnt. Über Stufen erreicht man den Platz Hrvatski Trg auf dem, unter von Bäumen geschützten Spielplatz, Kinder spielen. Zu dieser Tageszeit ist es sehr ruhig auf dem Platz, die Bewohner nehmen fast alle am Gottesdienst teil. Vom Hrvatski Trg zweigt eine kleine Gasse mit dem Namen Buraj ab, wo sie nach wenigen Metern auf das alte Kastell stößt. Von außen wirkt der große Bau trutzig und wehrhaft. Errichtet wurde die Burg aus rechteckig gehauenen Steinquadern. Am oberen Ende der Anlage befindet sich eine hölzerne durchgehende Galerie mit Erkern. Die Steinmauer der Festung ist durch vergitterte Fenster und Schießscharten durchbrochen. Vor der Burg fällt das Gelände teilweise bewaldet in ein grünes Tal ab, das einen weiten Blick in das Innere von Istrien frei gibt.

Auf der anderen Seite fallen teilweise, mit Sträuchern versehene Felswände, senkrecht ca. 120 Meter in eine Schlucht ab, genannt der Schlund. Vom Boden der Schlucht her hört man das Wasser tosen. In der Mitte der Schlucht zieht sich ein abfallender Waldstreifen bis zum Grund der Schlucht. An verregneten Tagen kann man das Aufsteigen der Nebel beobachten. Durch ein schmales Tor gelangt man in das Innere der Burg, wo ein Steingewölbe und Ausstellungsstücke zur Weinerzeugung den Besucher empfangen. Rechts steht das Kassenhäuschen und links gibt ein Blick durch das Eisengitter den Burghof frei. Der Eintritt beträgt für Erwachsene ca. 2 Euro, für Kinder ca. 60 Cent.

Im Burghof angelangt, steht auf der linken Seite auf einem Steinpodest erhöht, die Zitadelle. Sie ist über eine Treppe aus Steinen zu erreichen. Vor dem Steinpodest stehen zwei Skulpturen aus Holz, die vom Künstler Bruno Cappelletti geschaffen wurden. Die eigentliche Ausstellung beginnt im hinteren, rechten Teil des Burghofes, zu der man durch eine Türe gelangt. In einem Kellergewölbe kann man Holzbearbeitungsgeräte und eine Schmiede sehen. In diesen Räumen wird die Herstellung von Wagenrädern und das Binden von Fässern gezeigt.

Im Obergeschoss des Kastells bekommt man die ethnologische Geschichte Istriens in Form einer Ausstellung mit alten Gefäßen und Schmuckstücken zu sehen. Ferner sind auch Bilder kroatischer Künstler ausgestellt. Im ersten Stock befindet sich der große Burgsaal, in dem ein alter Kamin und eine Fahne mit dem k.u.k. Doppeladler der Habsburger zu sehen ist. In den folgenden Räumen sind istrianische Trachten aus den verschiedenen Regionen ausgestellt, sowie ein Webstuhl und Musikinstrumente aus Ziegenhaut.

Zu sehen gibt es auch noch die alte Küche mit einem großen Herd, Küchengeräten und einer Feuerstelle, sowie einem speziellen Ofen, in dem Brot gebacken wurde. Daneben gibt es Räume, in denen eine Ausstellung über die Landwirtschaft und über Fischfang zu sehen ist. Im Anschluss an die Ausstellung gelangt man in den großen Turm. Im Inneren ist der Turm ausgehöhlt und es führt von der oberen Plattform eine Treppe aus Holz und Metall hinab in den Keller. An den Wänden hängen verschiedene mittelalterliche Waffen. Im Keller befindet sich die Folterkammer des Kastells mit verschiedenen Gerätschaften wie Streckbank, Fesseln, Fußklötzen etc.

Eine weitere Sehenswürdigkeit in Pazin ist das Franziskanerkloster, das in der Nähe der Burg gelegen ist. Vor der Kirche befindet sich ein Steinplattenweg, der eine Grünfläche mit mehreren kleinen Nadelbäumen teilt. Die Fassade des Klosters ist in schlichtem Beige gehalten, die Wände sind glatt, kahl und ohne Verzierungen. Wie bei allen venezianischen Kirchenanlagen, befindet sich auch hier der Kirchturm abseits stehend. Der Eingang zum immer noch bewohnten Kloster befindet sich auf der rechten Seite. Mit Glück kann man bei einem Blick in den langen dunklen Gang des Eingangsfoyers, einen Klosterbruder mit seiner Kutte sehen, der gerade hinter einer Türe verschwindet.

Buzet, einstige venezianische Grenzstadt

Einst hieß der Ort, als er noch im 15. Jahrhundert unter venezianischer Verwaltung stand, Pinguente. Er war Venedigs Verwaltungssitz in diesem Abschnitt der Grenze zum österreichischen Teil Istriens. Der alte Teil der Stadt liegt, wie könnte es anders sein, auf einem Hügel, der neue Teil der Stadt breitet sich im Becken darunter aus. In die Altstadt gelangt man durch ein venezianisches Tor, dahinter eröffnet sich eine schöne Aussicht auf die umliegende Landschaft mit dem breiten Tal.

Entlang der Straße Richtung Stadtzentrum, stehen sehr alte Steinhäuser, teilweise verfallen, wo nur mehr die Außenmauern stehen. Einige der Häuser haben in verschiedenen Farben gestrichene Fassaden. Im Zentrum befindet sich die barocke Marienkirche mit dem üblichen, abseits stehenden Glockenturm. Gleich gegenüber ist das alte Rathaus gelegen, das zu Zeiten der Venezianer, auch die Bezirksverwaltung beherbergte. Die vom Hauptplatz wegführenden Gassen sind winkelig, eng und mit Steinpflaster versehen. Bei der kleinen Kirche SV Jurja besteht die Möglichkeit, auf die alte Stadtmauer aufzusteigen. Rechts von der Kirche, leicht versteckt, führen Stufen auf die alte Befestigungsanlage hinauf. Von oben hat man eine tolle Aussicht. Die Kirche selbst ist ein schlichter, einfacher Bau mit einer orangefarbenen Fassade. Als Besonderheit fällt auf, dass kein Kirchturm vorhanden ist, sondern nur eine einfache Steinmauer, in der eine einzige Glocke hängt.

Auf dem Platz Trg Vela Sterna steht eine reich verzierte Zisterne. Sie versorgte einst die Stadt mit Wasser. Besonders auffällig ist die Gestaltung des Brunnens. Die Zisterne ist von einer Steinmauer umgeben, deren Ecken Säulenansätze dekorieren. Der Zugang befindet sich auf der Stirnseite, auf der anderen ist ein kleines Becken mit Steinverzierungen und Wappen zu sehen. Heute übernimmt die Aufgabe der Versorgung die zentrale Wasserzuleitung der Stadt.

Das Städtchen Roc

Das Städtchen Roc kann mit einer vollkommen erhaltenen Stadtmauer und alten Steinhäuser aufwarten. Oberhalb des alten Stadttors ist das alte Stadtwappen ersichtlich, im Tor selbst sind alte Steintafeln mit Inschriften aus der Römerzeit zu sehen. Die Kirche ist im barocken Baustil eingerichtet, am Kirchturm sind venezianische Fresken zu erkennen. Das Städtchen Roc ist auch deshalb interessant, da hier die Allee Glagoliter mit zehn Denkmälern aus weißem Stein beginnt. Sie erinnern an die kroatischen Glagoliter, einst die Bewahrer nationaler Kultur und Identität. Die Allee führt über eine Strecke von sechs Kilometern, bis in die kleinste Stadt der Welt nach Hum.

Die Stadt Hum, klein aber ein Juwel

Für sein Fahrzeug findet man beim Friedhof einen Parkplatz. Hier steht auch ein kleiner Souvenirshop wo Bilder, Vasen und Figuren von einem eifrigen Ladenbesitzer verkauft werden. Der Weg zum Eingangstor führt durch eine Baumallee entlang der Befestigungsmauer. Die Stadt vermittelt von außen einen burgähnlichen Eindruck, wobei der Kirchturm gleich der Stadtturm ist. Hinter dem Tor liegen ein paar Häuser aus Stein mit Holzläden, teilweise mit Blumenkästen geschmückt und roten Ziegeldächern gedeckt. Hier leben nur 21 Einwohner, womit Hum die kleinste Stadt der Welt ist. Die Wege innerhalb der Stadtmauer sind mit Steinplatten belegt und die Stadt ist frei von Autoverkehr.

Hum wurde zur Zeit der Venezianer errichtet und stand unter dem Kommando des Befehlshabers in Buzet. Das erklärt auch die starken Befestigungsmauern von Hum, denn der Ort diente zur Überwachung der Grenze zu Österreich. In einer der kleinen Gassen befindet sich eine Galerie mit einem kleinen Museum. Schon von einiger Entfernung dringt kroatische Musik aus der Galerie. Hier gibt es neben Bildern noch Wein, Trüffel, Honig und Keramik zu kaufen. Das kleine Museum befindet sich im Vorraum und besteht aus einer Nachbildung eines istrianischen Wohnraums aus dem 19. Jahrhundert.

Das mittelalterliche Städtchen Beram

Beram liegt ca. fünf Kilometer westlich der Stadt Pazin auf einem Hügel und ist wegen seiner kunsthistorischen Bedeutung sehr interessant. Das Städtchen besteht aus mehreren alten Steinhäusern und einer schönen Kirche. Die Kirche ist tagsüber geschlossen. Ungefähr einen Kilometer vom Ortszentrum liegt die kleine Kapelle SV Maria vom Fels mit angrenzendem Friedhof. In der Kapelle sind ebenfalls Fresken zu finden. Im Fresko Totentanz mahnt der Künstler Vinzenz, der in dem Ort Kastav beheimatet war, die Gesellschaft seiner Zeit, an die irdische Vergänglichkeit. Ein weiteres Fresko zeigt die Flucht nach Ägypten und drückt gleichzeitig die istrianische Lebensweise aus. Die Kapelle ist vom Parkplatz aus über einen kurzen Fußweg durch eine Baumgruppe zu erreichen. Der Bau besteht aus Stein, das Dach ist vorgezogen und mit Schindeln gedeckt. An der Stirnseite befindet sich eine Loggia mit drei Steinbögen. Leider ist die Kapelle versperrt, jedoch können interessierte Besucher den Schlüssel im Haus mit der Nummer 33 bekommen.

Tinjan, Heimat des Zupan Tisches

Der Ort Tinjan liegt ca. elf Kilometer von Pazin entfernt auf der Strecke nach Porec, an der ehemaligen Grenzlinie des venezianischen Reiches. Bekannt ist Tinjan für den steinernen Zupan Tisch. Er steht, umgeben von Laubbäumen, gleich am Beginn des Ortes. Der Legende zufolge, traf sich einmal im Jahr eine Männerrunde und nahm auf den ebenfalls aus Stein hergestellten Hockern Platz. In der Mitte des Tisches wurde ein Floh gesetzt und wem das Tier in den Bart sprang, der durfte für ein Jahr das Amt des Dorfobersten (Zupan) ausführen.

Divigrad, die verlassene Stadt

Wenige Kilometer vom Verkehrsknotenpunkt Pula- Rijeka entfernt, liegt die verlassene Stadt Divigrad. Heute kann man nur noch Ruinen betrachten und die ursprüngliche Form und Größe mit über 200 Gebäuden erahnen. Der Name Divigrad bedeutet im Kroatischen zwei Städte, denn im Mittelalter wurde gegenüber der schon im zehnten Jahrhundert verlassenen Burg Monpartentin, das Kastell Moncastello errichtet. Die Stadt wurde im Laufe der Geschichte im Zuge wechselnder Herrschaftsverhältnisse mehrmals neu aufgebaut.

So wurde Divigrad erstmals 1354 von den Genuesen, dann 1381 durch die Venezianer und 1615 im Krieg zwischen Österreich und Venedig zerstört. Nach einer Pest-Epidemie wurde die Stadt 1630 von ihren Bewohnern verlassen. Die Mauern sind inzwischen mit wildem Wein und Sträuchern überwuchert, teilweise komplett zugewachsen. Zu sehen ist noch das alte Stadttor sowie Teile der Türme. Der Weg durch die Stadt ist steinig und einige Teile sind wegen Einsturzgefahr gesperrt. Einzelne Überreste von Gebäuden, Treppen und Säulen sind zu erkennen.

Durch hohes Gras gibt es einen schmalen Fußweg zur Stadtmauer und einem der Türme. Auf beiden Seiten fallen die Mauern senkrecht hinab und es gibt kein Geländer. Daher muss man bei der Begehung vorsichtig sein. Der Turm ist leider nicht begehbar, aber von der Mauer hat man einen schönen Überblick über die ganze Stadt und auf den unterhalb liegenden Limski- Fyord. Im Zentrum Divigrads lassen Ruinen die frühchristliche Kirche zur heiligen Sophie erkennen, von der auch nur noch Teile der Außenmauern stehen. Der Zugang ist durch ein Eisengitter versperrt, jedoch sind im Inneren Steinbögen und Mauerreste mit Verputz zu sehen. Ein schmaler Weg führt auf die Rückseite des Gebäudes. In den Außenmauern sind Schießscharten und kleine Erker erkennbar.

Der befestigte Ort Gracisce

Der Ort Gracisce liegt acht Kilometer südlich von Pazin in Richtung Labin. Das leicht erhöhte Stadttor liegt gleich an der Hauptstraße nach Labin. Rechts und links des Tores befinden sich verfallene Steinhäuser. Nach dem Betreten des Tores, eröffnet sich das Innere des Ortes. Auffällig ist, dass die Straßen und Wege alle nur mit Kies bedeckt sind und es keine asphaltierten Straßen gibt. Gegenüber dem Tore steht eine kleine Kapelle mit Loggia und rotem Schindeldach.

In die Mauerfugen der heiligen Maria geweihten Kapelle, schlugen in früheren Zeiten Frauen Nägel ein, damit ihr Kinderwunsch in Erfüllung ginge. Auf dem Hauptplatz befindet sich der Palast der Familie Salamon im venezianischen Stil und die Bischofskapelle. Die Gebäude stammen, so wie die Schutzmauer, aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Leider ist der Palast in einem sehr schlechten Zustand und bedarf einer gründlichen Renovierung. Die Bischofskapelle ist im ehemaligen Sommersitz des Bischofs von Pican integriert.

Im Norden der Siedlung steht die sehr schöne alte Kirche des Hl.Vitus mit einer gepflegten Gartenanlage. Umgeben ist die gesamte Anlage mit einer brusthohen Mauer, an der an einigen Stellen alte verwitterte Grabsteine aus dem Mittelalter lehnen. Beeindruckend ist die schöne Aussicht über den Nordosten Istriens bis zum Ucka Gebirge. Gleich in der Nähe der Kirche liegt noch eine weitere kleine Kapelle mit dem Namen SV Eufemije. Der schlichte Steinbau besitzt eine glatte Außenfläche, jedoch keinen Kirchturm. Insgesamt wirkt Gracisce sehr ausgestorben und verlassen. Viele Häuser sind dem Verfall preisgegeben, Einwohner sucht man auf den Gassen und Wegen vergeblich. Der alte Stadtturm ist ein halbrunder Bau aus Stein und war einst ein Teil der Befestigungsanlage. Die Außenmauern sind mit Schießscharten durchbrochen, im Inneren ist er heute hohl und ohne Dach.

Geheimtip: Der kleine Ort Pican

Etwas abgelegen, an der Hauptverbindungsstrecke nach Labin liegt der kleine, befestigte, aber malerisch schöne, ehemalige Bischofssitz Pican. Der mittelalterliche Ort ist mit seiner Hügellage typisch für Zentralistrien. Der Ort mit seinen 320 Einwohnern liegt in einer Seehöhe von 360 Metern. Sehenswert ist das alte Stadttor mit Erker, sowie die Kirche SV Katharine aus dem Jahre 1746. Die Fassade der Kirche ist ähnlich jener in Gracisce und der Kirchplatz bietet eine schöne Aussicht auf die Landschaft von Istrien.

Der 48 Meter hohe Glockenturm ist der dritthöchste Istriens. In der Kirche wird ein mit Goldfäden durchgewobener Bischofsumhang aufbewahrt, ein Geschenk von Kaiserin Maria Theresia. Pican wurde deshalb Bischofsitz, da hier die fünfte Diözese in der Geschichte des Christentums gegründet wurde. Aufgelöst wurde sie jedoch schon im Jahr 1788, die Kirche hat aber heute noch den Status einer Kathedrale. Der Platz vor der Kirche liegt etwas erhöht und ist über Stufen zu erreichen. Die Erhöhung dürfte deshalb vorhanden sein, da unter den Steinplatten des Platzes, Gräber eingelassen sind.

Die Kastellanlage Krsan

Ein weiterer Geheimtipp am Weg nach Labin ist die alte Kastellanlage Krsan. Über eine schmale enge Straße erreicht man die Befestigungsmauern mit dem Haupttor. Parken ist kein Problem, denn vor der Burg gibt es einen kleinen Parkplatz, der genügend Platz zum Parken bietet. Erwähnt wurde das Kastell erstmals im Jahre 1274. Der heutige Name stammt aus dem 15. Jahrhundert, als die Burg im Besitz der Adelsfamilie Kerstlein de Pisino kam.

Der letzte Besitzer war der Conte Tonetti von Plomin. Im 19. Jahrhundert wurde in Krsan das mittelalterliche Dokument Gesetzbuch Istrien gefunden. Es gibt über das Leben in dieser Gegend und die Schreibkenntnis der Kroaten Auskunft. Bis vor 80 Jahren lag Krsan am Ufer des Cepic Sees, jedoch wurde dieser zwischen den Weltkriegen abgelassen und auf dem Gebiet entstand Ackerland.

Im Inneren des Kastells führt an der linken Seite eine steile Rampe hinauf zur Kirche des Hl. Anton und den ehemaligen Räumlichkeiten. Durch einen Gang und Stufen erreicht man einen kleinen Burghof mit Zisterne aus dem Jahr 1666. Erstaunlich wie gut die Gebäude erhalten sind, bzw. wurden Renovierungsarbeiten durchgeführt. In einem der Räume ist eine ehemalige Feuerstelle erkennbar, hier dürfte sich früher die Küche befunden haben. Der Ort wirkt verlassen und leer, denn nur wenige Häuser sind bewohnt und intakt. Gegenüber dem Kastell liegt die kleine schlichte Kirche des Hl. Jakob mit Turm, die jedoch verschlossen ist und nicht besichtigt werden kann.

Das venezianisch geprägte Labin

Schon in der illyrisch keltischen Zeit und bei den Römern war der Ort unter dem Namen Albonesium bekannt. In weiterer Folge waren die Ostgoten im fünften Jahrhundert, die Byzantiner, die Langobarden und Franken Herren der Stadt. Ab dem Jahr 1420 war die Stadt Labin für vier Jahrhunderte unter venezianischer Verwaltung. Dies spiegelt sich in dem Baustil wieder, in dem die Stadt errichtet ist. So prangt der venezianische Löwe auf dem Stadttor aus dem 16. Jahrhundert. Nach Betreten der Altstadt wird dem Besucher klar, wer hier über die Jahrhunderte weg, verantwortlich für die Gestaltung der Stadt war.

Labin liegt auf einem 320 Meter hohen Felshügel und bietet eine wunderbare Aussicht auf die Kvarner Bucht mit dem ehemaligen Fischerdorf Rabac auf der einen und der neuen Bergarbeitersiedlung auf der anderen Seite. Wer mit dem eigenen PKW anreist wird schnell feststellen, dass Parkplätze sehr rar sind. Die wenigen vorhandenen werden von Parkwächtern für ca. 65 Cent pro Stunde vermietet. Tipp: Ein Stück entfernt vom Platz Trg Titou findet man leichter einen Parkplatz und das noch gratis dazu.

Auffallend ist, dass sich in Labin mehr Touristen aufhalten, als in den vorher erwähnten Städten und Dörfern. Hier herrscht mehr Leben, Trubel und geschäftiges Treiben. Reisebusse laden Touristen aus und ein, Autos suchen Parkplätze und die Cafés sind voll mit Sonne genießenden Gästen. Am Trg Titou kann man bei der Orientierungstafel mit den Sehenswürdigkeiten seine Besichtigungstour beginnen. Gegenüber der Orientierungstafel befindet sich die im Jahre 1662 errichtete Stadtloggia unter Kastanienbäumen.

Über eine steile Rampe an der Rückseite von Labin gelangt man in die Altstadt. Von der Spitze der Rampe hat man eine schöne Aussicht über den Ostteil von Istrien bis zum Ucka Gebirge. Touristen stehen hier herum, fotografieren das Panorama oder sich gegenseitig vor der atemberaubenden Kulisse des Ucka Gebirges. Einige lesen in ihren Reisehandbüchern, andere wieder genießen einfach nur die Aussicht.

Die Altstadt ist zum Glück eine autofreie Zone, denn in den engen verwinkelten Gassen kämen Pkws ohnehin nur schwer durch. Auffallend sind die Häuser mit ihren bunten Fassaden und Holzläden vor den Fenstern. Im Zentrum der Altstadt liegt die Stephanskirche mit ihrer venezianischen Fassade. Über dem Haupteingang ist wieder der venezianische Löwe und das Stadtwappen von Labin erkennbar. Neben der Kirche steht die kleine Kirche Maria Geburt, in der Bilder des Papstes Johannes II. bei seinem Besuch in Kroatien zu sehen sind.

Gleich nebenan lädt der wunderschöne Scampiccio Palast zum Besichtigen ein. Folgt man der ansteigenden Straße mit den flachen Stufen, erreicht man auf der Spitze des Hügels den Kirchturm. Eine Spezialität von Labin ist, dass der Kirchturm einige Gassen entfernt von der eigentlichen Kirche liegt. Er bietet mit seiner Höhe von 30 Metern eine tolle Aussicht über Istrien. Zu beachten sind jedoch die sehr eigenwilligen Öffnungszeiten.

Weitere Sehenswürdigkeiten von Labin sind die Paläste in der kleinen Gasse G. Martinuzzi, hier liegt auch die kleine Kirche SV Marija. Am Ende der Gasse liegt noch der Frankovic Palast und der Palast Battiola Lazzarnini, in dem sich ein kleines Museum befindet. Den Abschluss des Rundganges bilden die runde Bastion aus dem 16. und 17. Jahrhundert, sowie das Stadttor aus dem 16. Jahrhundert.

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Autor: miguel060804  28.02.2011 |  Beitrag hilfreich? Ja | Nein

Kommentare zu Unbekanntes Istrien- Eine Reise durch das Landesinnere

Userbild redbeet1.505redbeet hat 1.505 Beiträge geschrieben und hat sich damit die Auszeichnung Gold verdient. ab 10 Beiträgen Bronzemedaille ab 25 Beiträgen Silbermedaille ab 50 Beiträgen Goldmedaille ab 75 Beiträgen Auszeichnung Bronze ab 100 Beiträgen Auszeichnung Silber ab 250 Beiträgen Auszeichnung Gold Als Beiträge zählen wir jede Nacht deine Reisetipps, Kommentare, Bilder, Trips, Fragen, Antworten & Reiseinformationen. redbeet: istrien und slowenien habe ich vor ein paar jahren mit dem auto bereist und habe dabei einen wunderschönen urlaub verlebt. tolle landschaft (sehr abrechslungsreich) und tolle menschen, dabei noch nicht so überlaufen...
einfach ins auto setzen und los und übernachtungen spontan bei bauern (die sowas überall anbieten) und dann essen vom hof... toll (01.03.11)

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