Von St. Jost bis Bürresheim - Durchs romantische Nitztal in der Eifel

Von St. Jost bis Bürresheim führt durchs romantische Nitztal in der Eifel ein Waldweg, der Wanderer besonders reizt, führt er doch ständig entlang des munteren Bachlaufs bis zu einer der schönsten Burgen der Eifel

Nimmt man die Bundesstraße B 412, entweder aus Richtung der A 61 oder aus Richtung des Nürburgrings kommend, so zweigt in östlicher Richtung nahe Jammelshofen, jedoch auf dem Höhenrücken, die Landstraße L 10 ab. Ihr folgen wir durch die Orte Arft und Langenfeld in Richtung Mayen. Etwa ein Kilometer hinter dem Ortsausgang Langenfeld zweigt rechts, in südlicher Richtung, eine schmale Straße ab, die uns, zunächst durch Felder, Wiesen und Heidelandschaft, dann im Wald, in Serpentinen hinunter ins Tal bringt. Dort liegt St. Jost, das nur aus der früheren St. Joster Mühle und einer Kapelle besteht und seit einigen Jahren gibt es an dem stillgelegten Bergwerk eine Gaststätte. Wir befinden uns im Tal der Nitz, eines kleinen Gewässers, mehr Bach denn Fluss, das aus Richtung Nürburgring und Virneburg kommend, einen zunehmend steilen Einschnitt durchfließt, um dann bei Schloss Bürresheim in die Nette zu münden.

St. Jost ist seit Jahrhunderten Wallfahrtsort. Die Legende will es, dass der Graf von Virneburg im 15. Jahrhundert unterhalb seiner Burg eine Kapelle bauen wollte, doch ein Hochwasser der Nitz nahm das Bauholz mit sich und wurde weiter bachabwärts angeschwemmt. Dort, in St. Jost, entstand auf Grund dieser Fügung die Kapelle. Der Graf brachte von einer seiner Wallfahrten die Reliquien des heiligen Jodokus aus Frankreich mit. So wurde die Kapelle diesem Heiligen geweiht, dessen Namenskurzform Jost ist und dessen Gebeine sich heute in der Pfarrkirche von Langenfeld befinden. Jährlich im Herbst pilgern tausende Menschen aus nah und fern nach St. Jost, um sich des Beistands des Heiligen zu versichern. Wir stellen in Sichtweite der Kapelle unser Auto ab und satteln unsere Rucksäcke mit der Marschverpflegung und der obligatorischen Regenjacke. Auch wenn uns das Wetter im Moment hold ist, man kann ja nie wissen! Nach einem kurzen Blick in die Kapelle, weniger um den Beistand des Heiligen bemüht als um einen Blick auf den aufwändig gestalteten Barock-Altar zu werfen, der aus dem 17. Jahrhundert stammt, setzen wir uns talwärts in Bewegung.

Vorbei an einem großen Wiesengelände mit einer Jugendhütte - dort finden im Sommer Zeltlager statt - laufen wir Richtung Brücke über die Nitz. Links zweigt ein Weg ab zu dem erwähnten Bergwerk mit Gasthaus. Doch das lassen wir heute genau dort liegen, nämlich links und tauchen ein in die Umarmung des Nitztales, das uns gleich hinter der Brücke mit dichtem Buchenwald umfängt. Links läuft murmelnd, manchmal zu einem Rauschen anschwellend, der Bach, so, als wolle er uns das alte Lied erzählen vom Sein und vom Werden, vom immer dahin fließenden Leben, von der Unendlichkeit der Natur. Durch die Bäume erhaschen wir einen Blick hinüber auf die grauen Abraumhalden des alten Blei- und Silberbergwerks, dessen Gründung ins Mittelalter zurückreichen soll, vielleicht sogar bis in römische Zeiten. Zurzeit wird das Bergwerk zu Besuchszwecken ausgebaut, nachdem 1957 der letzte Bergmann ausfuhr.

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Vor uns liegen rund neun Kilometer Strecke bis Schloss Bürresheim. Doch der Waldweg stellt an den Wanderer keine großen Anforderungen, er folgt meist dem Verlauf des Baches. Felsblöcke treten an den Weg heran, herabreichend aus größerer Höhe, Schattenpflanzen gedeihen in ihren Ritzen, hübsche Frauenhaarfarne und sogar den seltenen Hirschzungenfarn kann man noch entdecken. Efeu berankt die schattigen Felsen und klettert empor in die Bäume. Es ist dunkel und feucht, Moose bedecken Steine und abgestorbenes Holz genauso wie die unteren Stämme lebender Bäume. Nichts hört man hier als das Plätschern des Wassers, eine wundervolle Ruhe herrscht hier. Auf der anderen Bachseite tut sich eine kleine Lichtung auf, eine winzige Wiese mit hohem, grünen Gras. Zur rechten Jahreszeit kann man sich dort ein Blumenmeer vorstellen, Orchideen könnten dort gedeihen. Über eine Felsnase am Weg tropft Wasser herunter, an Moosfäden, die sich wohl fühlen in soviel Feuchtigkeit. Wir kommen kaum zum Laufen, es gibt ja ständig etwas zu sehen und dauernd müssen wir stehen bleiben. Da ist, wo der Fels zurücktritt vom Weg, ein ganzes Stück Wand herunter gebrochen, die Erosion mit Wasser und Frost hat ihr Werk getan. Das sieht unfriedlich aus, roh, doch es wird nicht lange dauern, dann hat auch hier die Natur ihren Mantel aus Grün darüber gedeckt.

Nur selten zweigt ein Weg rechts oder links ab, zu steil sind die Hänge, bevor das Gelände allmählich etwas flacher wird. Jetzt begleiten uns hier und da Wiesen, dann kommt nach sechs Kilometern Nitztal ein verträumter kleiner Ort in Sicht, der schon um das Jahr 1100 bestand. Arm und bescheiden war das Leben hier, der Boden warf nicht genug zum Leben ab, so zogen die Männer in die nahe gelegenen Steinbrüche und Bergwerke um Mayen herum. Heute ist Nitztal eine Wohnoase, in der man gerne lebt. Die Straße, vom Nettetal her kommend, endet hier, es gibt keinen Durchgangsverkehr und trotzdem ist die Anbindung gut nach Mayen und auch zu den unweit gelegenen Autobahnen. Vor uns liegen noch drei Kilometer bis Schloss Bürresheim, die wir beschließen, auf der Landstraße zurückzulegen.

Das Schloss liegt da, wie hingemalt, seine Türme, das Fachwerk über den hoch aufragenden Grauwackemauern und die mit Schiefer gedeckten Dächer lassen das mittelalterliche Bauwerke erscheinen, als sei es aus einem Märchen erstanden. Die Ursprünge der Burganlage gehen auf das 12. Jahrhundert zurück, diesen Teil, die Kölner Burg überließ man jedoch im 17. Jahrhundert dem Zerfall. Im 14. Jahrhundert begann der Bau der Trierer Burg, dem heutigen Schloss Bürresheim. Weder Krieg noch Feuer suchten die Gemäuer je heim und so ist Bürresheim neben Burg Eltz eine von nur zwei letztlich barocken Wohnburgen, die nie zerstört wurden. Auf Grund dessen, dass sie Jahrhunderte im Besitz einer Adelsfamilie war ist die Ausstattung der Burg mehr als reich. Die angesammelten Kunstwerke und antiken Möbel können innerhalb einer geführten Führung bestaunt werden.

Zuletzt gehörte die Burg dem Adelsgeschlecht Westerholt, das über mütterliche Linien und in Erbfolge auf die Eigentümer im 15. Jahrhundert zurückgeht. Nach 1921 war die Burg nicht mehr bewohnt und ging in die Obhut von 'Schlösser und Altertümer Rheinland-Pfalz' über, der stattlichen Burgenverwaltung des Landes. Im Januar, Februar, März, Oktober und November ist Schloss Bürresheim von 9.00 bis 17.00 Uhr geöffnet, von April bis September bis 18.00 Uhr. Im Dezember ist geschlossen. Das Eintrittsgeld reicht von 2 Euro für Kinder ab sechs Jahren bis 4 Euro für Erwachsene. Es gibt zudem stark ermäßigte Familien- und Gruppenpreise. Wir beenden unsere Wanderung mit der Besichtigung der Burg und kehren danach in der urgemütlichen rustikalen Hammesmühle ein, die nur ein paar hundert Meter entfernt liegt vom Schloss in Richtung Mayen.

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Autor: voyager  26.11.2010 |  Beitrag hilfreich? Ja (1) | Nein

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