Wandern am Laacher See - Warum Mönche auf einem Vulkan leben
Beim Wandern am Laacher See erfahren wir, warum Mönche auf einem Vulkan leben. Der Vulkanismus in der Eifel ist aktiver denn je, es brodelt mächtig unter dem großen Eifelsee.
Als vor etwa 13.000 Jahren gewaltiges Donnern und Beben die Erde der Osteifel erschütterte, dürften nur recht wenige Individuen der Gattung Homo sapiens die Augen vor Schreck weit aufgerissen haben. Sie fürchteten zu Recht um ihr Leben, denn mit einer unglaublichen Macht zerriss es den Boden, Magma, Feuer, Steine und glühender Sand gingen auf weite Umkreise nieder. Heute befindet sich an diesem Ort ein Calderasee, der Laacher See. Er ist Zentrum des Vulkangebietes Osteifel, das sich in einem kilometerweiten Umkreis bis in das Rheintal erstreckt. Der größte See der Eifel liegt ruhig da. Oder täuscht das etwa? An seinem südwestlichen Ufer gibt es ein Kloster, die Benediktinerabtei Maria Laach. Die Kirche, das Laacher Münster, ist ein romanischer Bau, der im Jahr1093 begründet wurde. Hoch ragen die mächtigen sechs Türme der Klosterkirche auf, sie ist eine der schönsten Bauwerke der Romanik in Deutschland. Genau wie der See und die umgebenden Ländereien befindet sie sich im Besitz der Benediktiner, die getreu ihrem Motto bete und arbeite, die Besitztümer am Laacher See hegen, pflegen und vermehren.
Gegenüber der Einfahrt zum Kloster parken wir auf dem dafür vorgesehenen Parkplatz und machen uns heute einmal auf den Rundweg am Seeufer. Bis zum Campingplatz am Nordende wollen wir gegen den Uhrzeigersinn laufen und dann den anderen Wanderweg in halber Höhe zurückgehen. Dazu müssen wir zunächst einmal fast zwei Kilometer etwas abseits vom Ufer durch die Felder wandern, bevor wir direkt ans Seeufer gelangen. Dort am Ostufer stoßen wir auf geringe Mauerreste der Pfalzgrafenburg aus dem 11. Jahrhundert. Sie gehörte einst dem Pfalzgrafen Heinrich von Laach, der das Kloster erbauen ließ, und trutzte auf einem Felssporn über dem See. Jetzt führt der Weg am Ufer entlang. Mal ist der See hier von Schilf begrenzt, doch meist reichen die Bäume bis ans Wasser heran. Nackte Wurzeln zeugen von leichtem Wellengang. Dazwischen liegen dicke Felsblöcke im Wasser und abgestorbene Bäume und Äste ragen heraus. Herbststimmung liegt über dem See. Nebelschwaden wabern über das Wasser und eine Entenfamilie zieht Wasser pflügend ihre Kreise.
Es blubbert, hörbar und sichtbar, das sind Gasblasen, die da an die Wasseroberfläche drängen. Bricht jetzt gleich der Vulkan aus? Nein, so dramatisch ist es noch nicht, doch Vulkanologen haben herausgefunden, dass die Mönche wortwörtlich auf einem Vulkan leben. Sie fanden auch heraus, dass der Laacher See Vulkan in einem Rhythmus von 12000 bis 13000 Jahren wiederholt ausgebrochen ist. Er ist überfällig. Nach ihren Erkenntnissen ist die Magmablase unter dem See und der Umgebung stärker geworden, was wiederum die aufsteigenden Kohlendioxydgase anzeigen, deren Auftreten sich in den letzten Jahren vermehrfacht hat. Ups, jetzt sind wir aber doch etwas aufgeschreckt! Sollte? Könnte? Heute leben nicht nur ein paar Homo sapiens hier. Die Eifel hat sich bevölkert, es gibt Städte, Koblenz, Neuwied, das Rheintal sind auch nicht weit. Ja, selbst im Rhein hat man bereits Kohlendioxydausstoß bemerkt. Nach zwei Jahren Probezeit und nur 100 Tagen regulärem Betrieb wurde 1988 das Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich bei Koblenz stillgelegt, hauptsächlich wegen der vernachlässigten Erdbebengefährdung. Es steht genau dort, wo sich die Magmakammer bis zum Rhein hin ausdehnt.
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Doch zurück zum Laacher See. Wir sind jetzt sensibilisiert, sehen an vielen Stellen die Kohlendioxydblasen empor quellen. Was wäre wenn? Der Ausbruch vor 12900 Jahren verwüstete 1300 Quadratkilometer vollständig, begrub sie unter meterdicken Bimsablagerungen. Die Bimsauswürfe fand man noch bis nach Skandinavien und in der Schweiz. Das erinnert uns an den Ausbruch des Eyjafjallajökull in Island im März 2010. Seine Aschewolken legten den Flugverkehr in halb Europa lahm. Zunächst setzen wir unseren Weg fort, weiter am Ufer des Laacher Sees bis wir dann kurz vor dem Freibad etwas aufsteigen und dem Weg zurück in halber Höhe folgen. Von hier aus haben wir einen besonders schönen Blick über den See hinüber zur Abtei. Wir wandern jetzt mitten im Hang der östlichen Caldera. Ach ja, eine Caldera ist das, was nach der explosiven Eruption als Rand eines Kraters stehen bleibt, also dann, wenn das Gestein mit großem Druck hinausgeschleudert wurde. Oder sie ist das Überbleibsel einer Magmakammer, die sich anderweitig entleert hat und der Deckel ist dann in sich zusammengebrochen. So etwas finden wir auch unter Teneriffas höchstem Berg, dem Teide.
Bald hat sich unsere Runde geschlossen, wir sind zurück am Parkplatz, was wir von unserer Wanderung mitgenommen haben, sind ein paar Gedanken mehr. Was wird eines Tages werden aus diesem schönen Fleckchen Erde? Doch so schnell wird es ja nicht passieren, flüstert uns der menschliche Optimismus zu. Die Klostergärtnerei möchten wir noch besuchen. Das gehört irgendwie dazu, wenn man in Maria Laach ist. Die Gärtnerei ist etwas Besonderes. In ihrem Außengelände kann man unglaublich viele Pflanzen bestaunen, besonders die Vielzahl der angebotenen Kräuter, Stauden und Wasserpflanzen ist überraschend. Daneben machen sich Zier- und Obstgehölze wunderschön aus vor der ehrwürdigen Kulisse der Münsterkirche. In einem zum Tropenhaus umgestalteten Gewächshaus wird die tropische Pflanzenwelt repräsentiert. Die weiteren Gewächshäuser, in denen die Pflanzenanzucht stattfindet, schließen sich räumlich an. Sehr ansprechend ist die Gestaltung der Beete und der Gewächshäuser angelegt, ein regelrechter Augenschmaus. Im Laden der Gärtnerei gibt es neben Pflanzkeramik verschiedene Produkte aus der Herstellung anderer Klöster zu kaufen, wie den Ettaler Klosterlikör, Dinkelprodukte, Weine, Tee, Bärlauchessig, Kosmetika und Edelbrände.
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