Wandern im Nationalpark Cahuita an der Karibikküste von Costa Rica

Das Wandern im Nationalpark Cahuita an der Karibikküste von Costa Rica verführt freiwillig oder nicht, zu einem kühlenden Bad im Meer. Leguane und Brüllaffen sind die Begleiter durch den Park.

Er tankt Sonne am frühen Morgen

Frisch gestärkt mit dem Kaffee von Juana, unserer Wirtin in den Cabinas Tropical in Puerto Viejo, machen wir uns auf den Weg nach Cahuita. Von ihrem Mann Rolf, dem Biologen und Wanderführer, haben wir uns noch einmal eingehend beschreiben lassen, wie es dort aussieht, wo wir hin müssen und so weiter. Nach unserem Reinfall gestern im Nationalpark Manzanillo sorgen wir lieber etwas vor. Er hat uns übrigens bestätigt, was wir in Manzanillo erlebt haben und mag den Weg dort so wenig wie wir. Der Ort Cahuita liegt rund 15 km nördlich von Puerto Viejo direkt am Meer. Der Nationalpark beginnt an der südöstlichen Ortsgrenze und man darf sich bei den freundlichen Parkrangern erst einmal in ein Besucherbuch eintragen, aber Eintritt muss man nicht bezahlen. Lediglich eine Spende macht die Gesichter noch freundlicher. Durch einen Waldgürtel, der und vom Meer trennt, geht es auf einer sandigen Piste in den Park hinein. Das Plätschern der Wellen ist von links ständig zu hören, wir laufen parallel zum Meer. Rechts, hoch in einem Baum, tankt ein erster Leguan Sonne. Dann wird es immer feuchter im dichten Gebüsch, bis daraus bald ein kleiner See mit sehr dunklem, modrigbraunem Wasser wird. Wir halten intensiv Ausschau nach Krokodilen, aber keines lässt sich blicken.

Der Wald öffnet sich zu einem weiten Strandareal, das sich auch zurück nach Cahuita erstreckt, wir hätten also auch am Strand in Cahuita loslaufen können, aber das wussten wir ja vorher nicht. Was wir für einen See gehalten hatten, ist wohl ein kleiner Flusslauf, der aber so gut wie keine Strömung hat, was auch daran liegt, dass jetzt offenbar Flut herrscht und das Meerwasser ins Land zurückdrückt. Die Mündung des Flüsschens steht hoch unter Wasser und da müssen wir drüber, oder besser durch, denn eine Brücke gibt es nicht. Wieder einmal haben wir begründete Angst um unsere Kamera und das Fernglas. Also starte ich erst einmal einen Versuch ohne alles, ohne Gepäck, da, wo das Wasser am ruhigsten scheint, ziemlich weit rechts. Kaum zwei Schritte im Wasser sacke ich gleich eine Stufe hinunter, stehe bis unter die Arme in der braunen Brühe. Also zweiter Versuch, weiter links zur Mündung hin. Da ist es zwar nicht so tief, aber der sehr weiche Sand verschlingt fast meine Wanderschuhe. Also versuche ich es noch weiter links, schon fast im Meer und helfe mir mit einem Stock, den wohl jemand mit den gleichen Problemen am Strand zurückgelassen hat. Hier ist der Sand fester, das Wasser nur kniehoch. Kamera und Fernglas kommen in den Rucksack obenauf und heldenhaft durchqueren wir im Gänsemarsch das Wasser, ich voran wie Christopherus mit dem Stock. Geschafft!

Zur Belohnung huscht ein Waschbär vorbei, der aber schneller ist, als wir die Kamera zücken können. Mit quatschnassen Schuhen setzen wir unseren Weg fort, aus dem Sand wird bald fester Waldboden, wir laufen jetzt schräg vom Meer weg. Zeit für ein paar Informationen. Der Park ist über 5000 ha groß, wozu wiederum Land- und Meeresfläche gehören. Leider ist das Korallenriff vor Cahuita fast vollständig zerstört, nachdem es durch ein Erdbeben 1991 um über einen Meter angehoben wurde. Ein großer Teil des Reservates besteht aus einer mehr als 1000 m breiten Landzunge, die sich in nordöstlicher Richtung ins Meer hinein schiebt. Schon kurz vor unsere Flussdurchwatung hatten der Weg und das Küstenprofil diese Richtung eingeschlagen, so dass wir jetzt also nach Nordosten, vorher war's Südosten, laufen. Ein Stück vor uns hören wir lautes Geraschel, das sich als eine kleine Gruppe Brüllaffen herausstellt, die durchs Astwerk toben. Leider sind sie ein bisschen weit weg und ständig vom Laub verdeckt. Der Pfad führt nun wieder näher am Meer entlang, manchmal auf Holzbrücken, wo der Untergrund zu nass ist, aber immer noch durch Bäume vom Strand getrennt.

Seit unserem unfreiwilligen Bad ist meine Frau nicht so ganz gut drauf, die gestrige Tour in Manzanillo hat sie ganz schön geschafft und ihr Problemknie meldet sich mal wieder. Ich versuche zumindest, sie zu beruhigen und zeige ihr immer wieder die Schilder, die in Abständen den südlichen Parkausgang immer näher kommen lassen. Außerdem habe ich das beste Argument, dass der heutige Weg ja wohl nur ein flacher Spazierweg ist, gegen das schlammige Auf und Ab von gestern. Kleine braune Wesen kreuzen ein paar Meter weiter unseren Pfad, viel zu schnell für die Kamera! Es sind Agutis, Nagetiere, die mit ihren langen Beinen und dem dazu nicht passenden gedrungenen Körper den Eindruck erwecken, gleichzeitig von Hasen, kleinen Wildschweinen und Ratten abzustammen. Wir kommen der Spitze der Landzunge jetzt immer näher und der Wald wandelt sich zu einem Areal von schwarzem Moderwasser, in dem riesige Mangroven mit ihrem Wurzelgewirr festen Stand im Untergrund finden. Algen bilden grüne Schlierenmuster auf der Wasseroberfläche. Direkt an der Landspitze, wo die abgestorbenen Korallen über die Wasseroberfläche ragen, steht eine kleine Schutzhütte mit Tisch und Bänken. Da lassen wir uns nieder und machen Brotzeit mit süßem Hefezopf und Bananen. Erst eine Gruppe lärmender Touristen, die ein Boot genau dort auslädt, verscheucht uns aus unserer Ruhe und wir ziehen weiter.

Jetzt sollen es nur noch 800 Meter sein bis zum Parkausgang, sagt ein Schild. Nur wenige Meter trennen uns nun von der Wasserlinie, seltsame exotische Pflanzen säumen den Pfad, mit Blütenknospen, die aussehen wie geschlossene rote Fichtenzapfen. Ein Baum mit hell fleckiger Rinde hat bis tief hinunter riesige geschlitzte Blätter mit dicken Blattnerven und gibt ein sehr dekoratives Bild ab. Gleich daneben steht eine wilde Bananenstaude mit kleinen, aber noch grünen Früchten. Ein paar Meter davon gibt es eine Ansammlung länglicher mit Moos bewachsener Betonklötze und -platten, deren Nutzen sich uns nicht offenbaren. Einige formen ein Gebilde, das an einen Tisch erinnert. Dahinter, zum Meer hin stehen wie hingemalt, Kokospalmen, fast im Meer. Eine seltsame Idylle. Kurze Zeit später ereilt uns der Ausgang und mich der geballte Zorn meiner Frau. Zu offensichtlich ist nämlich, dass dieser nicht identisch ist mit der Bushaltestelle an der Straße. Der Wegweiser mit zweieinhalb Kilometer lässt da auch keine Deutung zu. Meine Frau ist zornig, weil sie frustriert ist, ich bin frustriert, weil sie zornig ist. Das beschleunigt aber unseren Schritt, was Zorn und Frust wiederum verrauchen lässt.

Dann biegen wir um eine letzte Ecke, sehen dreihundert Meter weiter die Straße und 50 Meter vorher ein Kneipenrestaurant. Die Stimmung hebt sich merklich. Der geschäftstüchtige Wirt steht schon in Erwartung neuer Gäste am Weg und wir kommen weder an seiner Freundlichkeit noch an der Erwartung einiger kühler Köstlichkeiten vorbei. An der Theke sitzt eine ihre Kamera zerpflückende und putzende junge Frau. Schnell outet sie sich als Deutsche, die bei der Flussdurchquerung weniger Glück hatte und ihre Kamera ein Bad nehmen ließ, welches dieser sehr schlecht bekam. Wir trösten und laben uns, jeder nach seinem Bedürfnis, mit eiskaltem Imperial, dem leckeren costaricanischen Pils. Der Wirt weiß, dass der nächste Bus erst in einer dreiviertel Stunde kommt, was uns reichlich Zeit zum Relaxen lässt. Gemeinsam mit der Besitzerin der zerstörten Kamera gehen wir anschließend zur Bushaltestelle, doch bevor der Linienbus kommt, hält ein etwas älterer VW-Bus, wir sind uns schnell handelseinig und in wenigen Minuten zurück in Cahuita an unserem Auto.

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Autor: voyager  16.11.2010 |  Beitrag hilfreich? Ja | Nein

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