Wanderung am Meer von La Caleta zum Spaghetti-Strand in Teneriffa Süd

Bei einer Wanderung am Meer von La Caleta zum Spaghetti-Strand in Teneriffa Süd lernen wir eine ganz eigene Landschaft kennen. Die Kanarenwolfsmilch und die Opuntien geben sich hier ein Stelldichein.

Noch mehr Hunde

Ein wunderschöner Tag verspricht das zu werden! Bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein fahren wir los nach La Caleta. Das liegt in Teneriffas Süden und man kommt am schnellsten dorthin, wenn man von der Autopista TF1 die Abfahrt Adeje beim Kreisverkehr am Lidl nimmt, sich dort unterhalb der Autobahn nach dem Einkaufszentrum Hiper Trebol orientiert und oberhalb desselben die Straße in Richtung Meer einschlägt. Man lässt dann den Golfplatz Adeje rechts liegen, passiert links die Driving Range und hält immer auf das ganz unten am Meer liegende La Caleta zu. Direkt am ersten Kreisverkehr im Ort ist rechts ein Parkplatz. In nordwestlicher Richtung, also ortsauswärts, folgen wir der Straße 'Calle del Varadero' von Mitte Parkplatz etwa 120 Meter, bis diese deutlich einen Schwenk nach links macht. Dort führt eine rote Treppe zwischen den Wohnanlagen Bahia La Caleta und Costa La Caleta hinauf.

Oben angekommen schauen wir noch einmal zurück. Von hier oben haben wir einen schönen Blick über La Caleta, dahinter liegen die großen Hotels der Costa Adeje bis unsere Sicht in dem Häusermeer von Las Americas untergeht. Linker Hand ragt über Adeje die Bergkette auf mit dem 'El Conde', der mit 1001 Metern küstennah alles überragt. Er ist das Wahrzeichen des südlichen Teneriffas. Jetzt können wir auch unsere Hunde von der Leine lassen, die schon sehnsüchtig darauf gewartet haben, endlich freizukommen. Den Bergrücken überqueren wir, um nach nicht einmal hundert Metern vor einer Abbruchkante zu stehen, die fast senkrecht ins Meer fällt. Nur dünn bewachsen ist hier an der Küste die der Sonne, Hitze und Salzgischt ausgesetzte Wachstumszone. Auf dem kargen Untergrund aus gepresstem Bims, mancherorts hervorstehenden Basaltadern und den Blöcken von Breccie können sich nur wenige Pflanzenarten halten.

Am auffälligsten und wohl auch am vielfältigsten im Reich der Flora in der Küstenvegetation sind sicherlich die Wolfsmilchgewächse. Sie reichen von beblätterten Varianten bis hin zu Pflanzen, die aussehen wie Kakteen. Wenn auch nicht auf den Kanaren zuhause, so ist doch der Weihnachtsstern das am ehesten zur abschreckenden Berühmtheit gelangte Wolfsmilchgewächs. Doch an der Küste finden wir ihn gar nicht. In der mittleren Bergregion wird der aus Mexiko Eingeschleppte bis zu vier Meter hoch. Doch zurück zur Küstenvegetation. Eine der schönsten Varianten der Wolfsmilchgewächse begegnet uns in Form der Kanaren-Wolfsmilch, deren armdicke kandelaberartige Triebe straff aufrecht wachsen und wie Orgelpfeifen nebeneinander stehen. Riesige undurchdringliche Büsche bildet so ein Gewächs im Laufe von Jahrzehnten. Die Triebe sind mit starken Dornen bewehrt und das Gift dieser Pflanzen gilt als eines der stärksten der Euphorbien.

Wir durchqueren jetzt einen der zahlreichen Barrancos, diesen Schluchten, die manchmal erst wenige hundert Meter oberhalb der Küste beginnen oder auch schon ganz oben im Hochgebirge. Letztere hat die Erosion dann sehr tief eingeschnitten, es können hundert und mehr Meter sein. Doch der hier ist einer der Kleineren mit einem vorgelagerten Fels- und Kiesstrand, den wir schnell durchschritten haben. Wieder geht es hinauf auf 40 Meter über dem Meer. Hier und da haben sich Opuntien angesiedelt, die mit Dornen bewehrten Kaktusfeigen, auf denen früher die Cochenille-Schildlaus gezüchtet wurde. Sie diente der Gewinnung von natürlichem Karmin-Rot, das man auch heute noch in hochwertigen Lebensmitteln oder Kosmetika findet. Die Laus gibt es auch weiterhin noch, ein grauer, mehrere Millimeter dicker Belag auf den Kakteenblättern zeugt davon. Zerreibt man etwas davon in der Hand, so färbt sich die Handfläche tief dunkelrot. Jetzt stehen wir wieder auf einem Bergrücken, der sich wie ein Schiffsbug weit ins Meer hinein schiebt. Im Westen zeigt sich schemenhaft der Umriss von La Gomera im Mittagsdunst. Weiter nördlich ragen die hässlichen Hochhaustürme von Playa Paraiso in den Himmel, Bausünden der Vergangenheit. Doch wir konzentrieren uns jetzt ganz auf das, was zu unseren Füßen liegt.

Ein weißer Strand, 200 Meter lang, zieht sich die vor uns liegende Küste entlang. Manche Namen hat man ihm gegeben, offiziell heißt er Playa Diego Hernandez, dann wieder Playa Blanca und wir nennen ihn nur Spaghetti-Strand. Da laufen wir jetzt hin, Hund und Rudelführer möchten sich ins Wasser stürzen. Gute 500 Meter haben wir noch zu gehen, die Hunde sind schon ganz aufgeregt. Doch zuerst müssen wir den Strand oberhalb passieren, um in einem Barranco gefahrlos hinunter zu kommen. Da breitet er sich aus, der Spaghettistrand. Warum der im Volksmund so heißt? Erstens mal ist dieser Strand frei, ohne Regeln, ohne Bewachung und jeder kann hier tun, was er möchte. Mit Hunden oder ohne, mit Kleidern oder ganz nackisch. Und von letzterem soll sein Name Spaghettistrand herrühren, weil man nämlich diverse Körperteile dünnklappriger Gestalten mit dem Namen der edlen Pasta belegte. Also, FKK oder nicht, hier wird Pause gemacht und wir kühlen uns erst einmal im Meer ab. Der Sand reicht hier weit ins Meer hinein, wenn er da ist. Im Winter nehmen ihn die Strömungen mit hinaus, dann gibt es oft nur blanken Fels, im Frühjahr, so bis Juni, bringen die Wellen dann den Sand gewaschen zurück.

Das hat er nach einem anstrengenden Sommer auch nötig, denn leider halten sich nicht alle seine Gäste an die moralischen Regeln, die uns das Leben leichter machen. So wird mancher Müll hier zurückgelassen und dass man einen Strand nicht als Toilette missbraucht, wissen viele Individuen der Gattung Homo sapiens leider auch nicht. Doch wenn man diese Bereiche meidet, dann ist es am Spaghetti-Strand herrlich. Der weiß-gelbe Sand, sonst haben wir ja meist schwarzen hier, entsteht durch die Erosion der Bimsfelsen, die die Rückwand des Strandes bilden. Die Hunde toben ausgelassen über die glatte Sandfläche und durchs flache Wasser. Ist das ein Hundeleben! Schade, dass wir irgendwann zurück müssen zum Auto. Aber damit warten wir noch ein wenig. Wenn die Sonne untergeht, werden die Berge hinter Adeje in Gold getaucht und das möchten wir uns nicht entgehen lassen. Jetzt müsst ihr mich entschuldigen, ich muss den Hunden Ball werfen.

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Autor: voyager  17.11.2010 |  Beitrag hilfreich? Ja (1) | Nein

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