Warum Zugfahrten durch Burma auf den Magen schlagen
Für eine Reise ins exotische Myanmar braucht es viel Schneid und noch mehr Reiseerfahrung. Die Fahrt mit Burmas Zügen erfordert eine große Portion Verrücktheit und einen robusten Magen.
Mit meiner Reise nach Myanmar, oder Birma oder Burma, im März 2010 habe ich mich für den erfolgreichen Abschluss meines Studiums belohnt. Ans Herz legte mir das Land mein damaliger Liebhaber, ein bekannter Reisefotograf und Myanmar-Experte. Trotz oder gerade wegen meiner vielen privaten Reisen als Lufthanseatin neige ich dazu, mir so wenig wie möglich Gedanken vor einem Trip zu machen und mich stattdessen neugierig und offen mitten ins Getümmel zu stürzen. So wird die Vorfreude bis zum Abflug erhalten und nicht durch Planerei verdorben. Meiner Meinung nach sind die unerwarteten Erlebnisse die schönsten. Vor unguten Überraschungen muss mich bislang ein aufmerksamer Glücksengel - und die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes - beschützt haben, denn meine Menschenkenntnis ist nicht sehr ausgeprägt.
Obwohl ich keine Freundin von gedruckten Reiseführern bin und die hörige Lonely-Planet-Jüngergemeinde samt ihrer dicken Spiegelreflexkameras zu meiden versuche, empfehle ich den Lonely Planet aus dem Jahr 2009. Denn Englisch wird in Burma kaum gesprochen und z.B. Fahrtzeiten lassen sich nur sehr schwer via Zeichensprache klären. Ich verdanke dem Buch eine Handvoll wertvoller Übernachtungstipps sowie den perfekten Zeitpunkt für das Besteigen der Shwesandaw Pagoda in Bagan: Sonnenuntergang.
Zugfahrten durch Myanmar sollten nur von Reisenden mit robusten Mägen in Betracht gezogen werden. Mit den 20 km/h Durchschnittstempo hat das nichts zu tun, denn ich bin ein Fan von langsamen Reisen. Obgleich Busfahrten kaum ein geringeres Übel darstellen und Inlandsflüge mein damaliges Budget gesprengt und mich vieler schöner Ausblicke beraubt hätten, habe ich auf der nächtlichen Fahrt von Mandalay nach Bagan allen Heiligen im Himmel geschworen, nie wieder eine dieser Rostkisten zu betreten. Ich würde gern behaupten, das hätte politische Gründe - die Expresszüge sind MTT-gefördert. Aber tatsächlich war es die pure und nackte Angst.
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Schon das Erwerben der Fahrkarte im in Regierungshand befindlichen, geisterhaft leeren Bahnhofspalast in Mandalay war eine zermürbende Angelegenheit. Erwähnte ich bereits, dass ich der burmesischen Amtssprache nicht mächtig, blond, groß und alleinreisend weiblich bin? Die Wagons scheren beim Poltern über die krummen Gleise gefühlte drei Meter nach links und rechts aus und man kann die Füße wegen der paarungsfreudigen Ratten nicht auf dem Boden abstellen. Gegen die armen Teufel in den Haltebahnhöfen hat mich Indien hart gemacht, zumindest ein bisschen, nicht aber gegen die Prügelmiliz in den Zügen.
Wer Pferdekutschen als Relikte des Mittelalters ablehnt und die 300 Kilometer von Mandalay nach Bagan weder per Mofa, Slowboat noch per pedes zurücklegen möchte, der möge sich ein Busticket kaufen. Bussitze - nicht die winzigen ausklappbaren Bretter in den Gängen zwischen den Sitzreihen, mit denen die Überlandbusse bis auf den letzten Quadratmillimeter und die Geldbörsen der Betreiber aufgefüllt werden - sollte man rechtzeitig reservieren, dann fährt es sich halbwegs anständig. Einem anständigen Abenteuer habe ich mich noch nie verwehrt.
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Mein Fahrschein
Im Bahnhofsgebäude
Innenansicht des Zuges
Im Zug: Nachts kein Auge zu