Weltkulturerbe Masada - Mit Romanheldin Tempe an Israels heiligem Berg
Die Reise führt zum Weltkulturerbe Masada. Mit Romanheldin Tempe an Israels heiligem Berg zu forschen, heißt Wissen und Fiktion auf die Probe stellen. Wo liegt die Wahrheit in einer über 2.000 Jahre alten Geschichte?
Das Tote Meer, unwirtlich, heiß, staubtrocken und 400 Meter unter dem Meeresspiegel liegen seine Ufer in Israel, Jordanien und dem umstrittenen Westjordanland. Aus den libanesischen Bergen fließt der Jordan durch den See Genezareth und speist das abflusslose Tote Meer. Flankiert wird das Tote Meer beidseitig von hunderten Meter hohen Bergmassiven, die von dem tief eingeschnittenen Tal annähernd in Nord-Süd-Richtung durchschnitten werden. Unweit seines Ufers auf israelischer Seite, am Südende des Toten Meeres, erhebt sich ein isolierter Berg aus der Kette der Klippen, die steil zum Tal abfallen. Er misst keine 50 Meter über dem Meeresspiegel, aber 450 Meter über dem Toten Meer. An seiner westlichen Seite trennen ihn immer noch 100 Höhenmeter von seiner Umgebung. Seinen oberen Abschluß bildet ein Plateau.
Umkämpft, mythisch und heilig, ist dieser Berg seit mehr als zweitausend Jahren zugleich Zeuge und Ankläger in der Zeitgeschichte. Masada, es könnte ein Berg wie jeder andere sein, hätte Herodes der Große nicht zwischen 40 und 30 vor unserer Zeitrechnung auf der Hochfläche eine Festung errichtet. Uneinnehmbar geschützt sollte sie sein gegen alle Feinde durch ihre fast senkrechten Wände, die sie vom Umland trennen. Fast 40 Wehrtürme in einer Schutzmauer verstärkten zusätzlich die Festung. Nach Herodes war Masada unter römischer Herrschaft, wurde dann im Jahr 66 unserer Zeitrechnung von jüdischen Truppen eingenommen, den Sikariern, die zu den Zeloten gehörten.
Fast 2.000 Jahre später und in einem anderen Teil der Erde beschäftigt sich jemand mit der Geschichte des Berges Masada. Kathy Reichs ist eine anerkannte Anthropologin und gilt als eine der bekanntesten forensischen Anthropologinnen der Welt. Sie ist Professorin der Anthropologie, lehrt an der Universität in Charlotte, North Carolina und pendelt in ihrem Beruf zwischen den forensischen Labors in Quebec in Kanada und in Charlotte. Damit nicht genug, ist sie Schriftstellerin, die sich in Romanen detailversessen ihren berufsspezifischen Themen widmet, ohne dass es eine Sekunde langweilig würde. Zentrale Figur der Bücher ist Temperance 'Tempe' Brennan, der alle bisher genannten Eigenschaften von Kathy Reichs zu Eigen sind. Trotzdem behauptet diese, dass es sich bei Tempe nicht um ihr Alter Ego handelt!
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Was ihr Privatleben angeht, unterscheiden sich beide Charaktere sehr. 2005 erschien innerhalb der Reihe von bisher mehr als einem Dutzend Romanen der Titel 'Totgeglaubte leben länger'. Anders als die bisher veröffentlichten Bücher führt dieser schnell hinaus aus der vertrauten Umgebung der Ermittlerin in Sachen Knochen. Auch die Gebeine, die zum Hauptthema des Buches werden, sind deutlich älter, als die, mit denen Tempe sich sonst befassen muss. Ihre Reise führt sie aus Quebec nach Israel, wo sie zusammen mit ihrem kanadischen Ermittlerkollegen und Detective Andrew Ryan einige Abenteuer zu bestehen hat.
Doch zurück ins 1. Jahrhundert. Nachdem die jüdischen Kämpfer im Jahre 66 die Festung von den Römern zurückeroberten, bauten sie diese zur Stadt aus. Eine Synagoge, Wohnhöhlen, eine Bäckerei und weitere weltliche und sakrale Bauten wurden errichtet. Die Stadt-Festung hatte zu dieser Zeit fast eintausend Einwohner. Im Jahr 73 belagerten die Römer aufs Neue die Festung, bauten auf der weniger hohen Westseite eine Rampe und konnten so innerhalb weniger Monate die Festung Masada wieder besetzen. Dies geschah widerstandslos, fast eintausend Menschen hatten kollektiven Selbstmord begangen. Ihre Tat gilt heute noch in der israelischen Geschichte als Sinnbild des jüdischen Freiheitswillens. Aufgeschrieben wurde die tragische Geschichte von Flavius Josephus, einem zeitgenössischen jüdischen Historiker.
Erst 1838 entdeckte man Masada wieder, das in Vergessenheit geraten war. In den 1960 er Jahren und später fanden systematische Ausgrabungen der Festung statt, die erstaunlich gut erhaltene Artefakte zu Tage förderten. Selbst organisches Material wurde in der Trockenheit sehr gut bewahrt. Nun fügen sich zwei Geschichten zusammen, die von Kathy Reichs und die des Berges Masada in Israel. Noch in Quebec gerät Dr. Tempe Brennan an ein seltsames Skelett, dessen Alter auf um die 2.000 Jahre datiert wird. Ein Freund, der Archäologe Jake - im wirklichen Leben Dr. James Tabor von der Universität in Charlotte - führt sie auf die Spur einer Geschichte, die sich in den 1960er Jahren zutrug, am Berg Masada. Dort grub der israelische Militär, Archäologe, Politiker und, in erster Linie, Jude Yigael Yadin die Festung aus und entdeckte unterhalb der Festungsmauer eine Höhle mit etwa 20 Skeletten, die ungeordnet durcheinander lagen. Lediglich ein weiteres Skelett, unterhalb der anderen, war ordentlich bestattet.
Yadins zuvor geschilderte Eigenschaften waren nicht voneinander isoliert und wurden dem Fund zum Verhängnis. Die archäologische Dokumentation war dürftig beziehungsweise wurde überhaupt nicht veröffentlicht, eine zuverlässige Altersbestimmung fand nicht statt. Auch später fand keine Veröffentlichung der Ausgrabungsergebnisse der Höhle statt. Die bekannten Tatsachen beruhen nur auf Erkenntnissen aus Kladden der Ausgrabungsbesprechungen. Erkannte Yadin vielleicht, dass dies gar keine Überreste jüdischer sondern frühchristlicher Menschen waren? Und warum war ein Leichnam so ordentlich beerdigt, alle anderen nicht, der zudem später auf rätselhafte Weise aus einem Museum in Paris verschwand, in das man ihn genauso geheimnisvoll gebracht hatte? Warum war zuvor das komplette Skelett wie auch die anderen aus der Höhle fünf Jahre in der Obhut von Dr. Nicu Haas, einem Wissenschaftler an der hebräischen Universität, ohne das dieser die Existenz veröffentlichte? Wer war der Mann, der zu der Zeit starb, als ein Jesus von Nazareth gestorben sein könnte, wäre er nicht am Kreuz gestorben? Das wird zur Spekulation nicht nur des Romans von Kathy Reichs, das sind die Abwägungen vieler Wissenschaftler und wissenschaftlicher Journalisten und Autoren, auf die sich der Roman beruft.
Das Skelett in Quebec ist genau so alt; es ist, so rekonstruieren Tempe und ihre Mitstreiter, das Skelett, das in der Höhle von Masada gefunden wurde und später dann aus dem Museum verschwand. Als Tempe in Israel ist, findet sie zusammen mit Jake in einem Grab in Jerusalem Gebeine, eingewickelt in ein gewebtes Leichentuch. Die mitochondriale DNA-Untersuchung - der Nachweis mütterlicher Erbinformationen - ergibt eine Übereinstimmung mit mehreren Individuen eines weiteren Grabes. Und es ergibt die Übereinstimmung mit dem wieder aufgetauchten Skelett aus der Masada-Höhle! Eine Sensation für Tempe, Ryan und Jake. Ist das auf ein Sterbealter von über siebzig Jahren datierte Masada-Skelett ein Verwandter von Jesus, dem Jesus, ist es Jesus? Wo hört die Fiktion auf, wo fängt die Wahrheit an? Oder ist die Wahrheit in diesem Fall die Essenz aus Fiktion und Tatsächlichem? Wenn, dann würde es die Grundfesten der Juden ebenso erschüttern wie die christlichen. Auf dem Berg Masada dürfen, zu dieser Zeit, keine Christen gelebt haben, sagt die jüdische Doktrin, die Masada als Heiligtum und Sinnbild des Judentums verklärt. Jesus muss am Kreuz gestorben und wieder auferstanden sein, so die vatikanische Verbreitung der christlichen Säulen. Alles andere wäre Blasphemie, oder doch nicht?
Die Ausgrabungsstätte Masada wurde 1966 zum Nationalpark erklärt. Welterbe der UNESCO wurde Masada 2001. Die Nationalparkverwaltung hat das Gelände sehr gut touristisch zugängig gemacht. Besichtigt werden können die Reste der jüdischen wie römischen Gebäude und Befestigungsanlagen sowie die immer noch vorhandenen und gut erhaltenen Belagerungseinrichtungen der Römer. Der Berg kann über verschiedene Wege von Westen erreicht werden und über eine Seilbahn vom östlichen Fuß des Berges. Führungen und eine mehrsprachige Lichtbildshow werden auch für gehandicapte Touristen rollstuhlgerecht angeboten. Informationen zu Öffnungszeiten und Preisen können im Netz bei der Nationalparkverwaltung abgerufen werden. Mehrere hunderttausend Besucher erleben jedes Jahr den geheimnisvollen Ort am Toten Meer.
Kathy Reichs wird hoffentlich noch viele Bücher über ihre abwechslungsreiche Arbeit schreiben, Tempe den Leser auch weiterhin mit ihren Fällen um Bones und spektakuläre zeitnahe oder archäologisch brisante Themen fesseln. Mit 'Totgeglaubte leben länger' gönnt die Autorin dem Leser mit einem Ausnahmewerk im Sinne von Sakrileg keine ruhige Minute. Selten hat ein Buch so gefesselt, zumindest betrifft dies den Autor dieses kleinen Essays. Für den Leser gilt: einfach mal ausprobieren und hier und da der Phantasie ein wenig freien Lauf lassen. Totgeglaubte leben länger.
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