Widersprüchliches Bogotá - Zwischen Metropole und Moloch

Zwischen historischer Altstadt mit bunten Häusern und kleinen Gässchen und überfüllten Straßen. Zwischen gut gekleideten Geschäftsleuten und bettelnden Kindern. Zwischen modern und altmodisch: Das alles ist Bogotá.

Blick vom Cerro de Monserrate

Bogotá: Wenn man als Europäer diesen Städtenamen hört, fallen einem wohl als erstes Drogen, Gewalt, Armut und Chaos ein.Dies alles ist ein Teil Bogotás. Doch Bogotá hat auch so viel anderes zu bieten: Die wunderschöne Candelaria, Herzstück der kolonialen Altstadt zum Beispiel. Stunden kann man hier damit zubringen, die kleinen, kopfsteingepflasterten Gässchen auf und ab zu schlendern, vorbei an bunten Häusern und zahlreichen Cafés, die zum Verweilen einladen. Rund um die Plazoleta del Chorro de Quevedo befinden sich kleine Galerien und Läden, Bars und Restaurants. Sonntags kommt man hier oft in den Genuss eines spontanen Live-Konzertes oder kann den Geschichtenerzählern zuhören, wenn sie Selbstgeschriebenes zum Besten geben. Dicht an die Berge im Osten der Stadt gepresst liegt er da, der wohl schönste Barrio Bogotás, mit dem dunkel bewaldeten Cerro de Monserrate im Hintergrund, auf dessen Spitze sich ein Kloster befindet, zu Fuß oder mit der Seilbahn zu erreichen - um dann einen prächtigen Blick über die Stadt zu genießen.

In Bogotá gibt es zahlreiche grüne Parks, in denen man dem chaotischen Stadttreiben ein bisschen entkommen kann, unzählige Museen, die einen guten Einblick in Bogotás Gegenwart, wie das MAMBO - Museo de Arte Moderno Bogotá oder das Museo Botero, einer der berühmtesten Maler und Bildhauer Kolumbiens, das ebenfalls sehr interessante Museo Militar - ist das Militär doch noch immer allgegenwärtig, und auch seine Vergangenheit bietet, so zum Beispiel das Museo de Bogotá oder das weltberühmte Museo de Oro.

Zentraler Punkt Bogotás ist die Plaza Bolívar; insofern man bei einer enormen Stadt wie dieser mit geschätzten acht Millionen Einwohnern von einem Zentrum sprechen kann: Heimat Tausender von Tauben, an den autofreien Sonntagen in fester Hand der Radfahrer, Inlineskater und Großfamilien mit Kinderwagen, dazwischen Essensstände, die die verschiedensten Gerüche verbreiten, "Minutos"-Anbieter, also Leute mit Handy, die zu einem festen Preis Telefonminuten verkaufen und in der ganzen Stadt an jeder Ecke zu finden sind, patrouillierendes Militär, das versucht, zuletzt doch noch etwas Ordnung in das chaotische Treiben zu bringen. Und, man glaubt es kaum, in der Vorweihnachtszeit - in Bogotá hat es auch Mitte Dezember etwa 18 Grad - wurde mitten auf der Plaza eine Eislaufbahn aufgebaut, auf der sich Alt und Jung vergnügen. Auf der Plaza befinden sich der Justizpalast, das Bürgermeisteramt, die Touristeninformation und eine der ältesten Kirchen Bogotás, die Catedral Primada.

An der Plaza Bolívar vorbei führt die La Séptima, eine der größten und wichtigsten Straßen Bogotás, die die Widersprüchlichkeiten dieser Stadt vielleicht am deutlichsten widerspiegelt: Hier eilen gut gekleidete Geschäftsleute entlang, auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz in einem der zahlreichen Finanzgebäude, hier bieten Schuhputzer ihre Dienste an, hier bieten Straßenhändler mit lauter Stimme ihre Ware feil, Schüler schlendern in Gruppen einher, und, nicht zu vergessen: Auto an Bus an Taxi an Pferdewagen an Motorrad. Unaufhörlich und pausenlos. Wolkenkratzer unterschiedlichster Bauweise stehen neben niedrigen Wohnhäusern, McDonalds steht neben einem kleinen Restaurant mit "Comida típica", Smaragdhändler stehen neben Straßenkünstlern. Hier findet man alles, was man sucht und vielleicht auch so einiges, was man lieber nicht finden wollte. Hier gibt es alles, was man zum Leben braucht oder auch nicht. Das ist das widersprüchliche Bogotá.

Geht man die Séptima entlang Richtung Norden, sieht man viel von Bogotá: Man passiert zahlreiche Kirchen und Museen, den Parque de la Independencia, der mit seinen vielen Eukalyptusbäumen sowohl Bogotános wie auch Touristen zum Rasten einlädt, die Stierkampfarena, einige der besten Universitäten des Landes, wenn nicht sogar ganz Lateinamerikas. Vorbei geht es am Zentralfriedhof, bis man ins Viertel El Chapinero gelangt, mit der anschließenden Zona Rosa, dem Ausgehviertel Bogotás mit zahlreichen guten Restaurants, Clubs und Bars. Je weiter man Richtung Norden geht, desto besser betucht sind die Bewohner, je weiter man Richtung Süden gelangt, desto ärmer, undurchdringlicher und gefährlicher wird die Stadt. Ganz im Nordosten der Stadt befindet sich das Viertel Usaquén. Wem das chaotische Stadttreiben zu bunt wird, kann hier eine gute Fluchtmöglichkeit finden. Um den zentralen Platz Plaza de Usaquén gelegen finden sich unzählige kleine Galerien und Cafés in gemütlicher Atmosphäre. Sonntag Vormittag gibt es hier einen herrlichen Mercado de Pulgas, einen Flohmarkt zum Stöbern und kleine Kostbarkeiten entdecken.

Der internationale Flughafen der Stadt, El Dorado, befindet sich im Nordwesten Bogotás, ein Taxi zum Zentrum, beispielsweise in die Candelaria, wo sich auch die meisten Hostels und Hotels befinden, kostet etwa 7 Euro. Der Busbahnhof, Terminal de Transporte Terrestre, von dem aus es stündlich Verbindungen in alle größeren Städte des Landes gibt, liegt etwa 6 km nordwestlich des Stadtzentrums. Sowohl am Busbahnhof, wie auch im Flughafen gibt es einen Schalter, an dem man sich ein Taxiticket kauft - somit ist gewährleistet, dass man dort ankommt, wo man ankommen möchte und dies vor allem zu einem vorher fest ausgemachten Preis. Seit 2001 gibt es ein modernes Schnellbusnetzwerk in Bogotá: den Transmilenio, leider ständig überfüllt, dennoch das schnellste Transportmittel der Stadt (ca. 0,70 Euro/Fahrt). Ansonsten gibt es zahlreiche Nahverkehrsbusse, die auf Winken anhalten. Eine Fahrt in einem dieser Colectivos ist mit Sicherheit immer spannend und amüsant, kommt man mit den warmherzigen Bogotános hier sehr schnell ins Gespräch.

Was am Anfang unüberschaubar und unendlich chaotisch, vielleicht sogar ein bisschen bedrohlich wirkt, wird schnell, hat man ein bisschen begriffen, wie das Leben in Bogotá, in dieser vielleicht widersprüchlichsten aller Metropolen, funktioniert, zu einem schönen und unvergesslichen Erlebnis. Die Bewohner Bogotás sind - meist - sehr freundlich, wenn man einmal mit ihnen ins Gespräch gekommen ist, gibt es sehr spannende, zum Teil unglaubliche Geschichten aus und um Bogotá zu hören. Eines ist sicher: Zu Staunen hört man in Bogotá nie auf.

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Autor: OTRA-OnTheRoadAgain  09.12.2010 |  Beitrag hilfreich? Ja (34) | Nein

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