Wien - schönstes WC
In Wien gibt es das schönste WC. Es ist ein Jugendstiljuwel, ein stilles Örtchen, wie man es sich schöner nicht vorstellen kann. Ein Besuch bei einem Wien-Besuch ist Pflicht !
Dieses Gefühl kennt wohl jeder. Wer suchte nicht schon einmal mit verzweifeltem Blick nach einer "öffentlichen Bedürfnisanstalt"? In Wien hat man, wenn man sich beim Suchen im 1. Bezirk, in der Nähe des Grabens befindet, die Möglichkeit ein wahres Juwel unter den WCs zu finden, das schönste WC von Wien. Früher, also bis mindestens zum Ende des 15. Jahrhunderts, genierten sich die Menschen nicht, jeder erledigte sein Geschäft dort, wo er gerade war. Im späten 18. Jahrhundert war dann das Schamgefühl der Menschen so weit entwickelt, dass es so nicht mehr machbar war. Es entwickelten sich die sogenannten Buttenweiber und Buttenmänner. Sie hatten eine hölzerne Butte umgeschnallt, einen weiten Mantel dabei um die Kundschaft vor neugierigen Blicken zu schützen, und suchten Kundschaft auf der Straße, indem sie ein Sprüchlein riefen, das nicht fein genug ist, um es hier aufzuschreiben. Man brauchte für diese Arbeit sogar eine polizeiliche Erlaubnis und eine durch Aufschrift als K.K. Retirade, also Toilette, bezeichnete Butte.
Schön langsam entwickelten sich verschiedene Arten von Toiletten. 1881 war Rettung in Sicht, der Berliner Wilhelm Beetz hatte eine bahnbrechende Idee, um der Geruchtsbelästigung Herr zu werden. Er erfand ein Pissoir mit ölgetränkten Schieferplatten zur Lösung des Problems. Daraus ergab sich eine große Wasserersparnis. Diese Technik wird in modernisierter Art und Weise auch heute noch angewandt. 1883 erhielt Wilhelm Beetz den Auftrag in Wien "Bedürfnisanstalten für Personen beyderlei Geschlechts" zu errichten.
Im Jahr 1905 - unglaublicherweise gerade erst etwas mehr als hundert Jahre her- entstand in der Wiener Innenstadt, am Graben, ein unterirdisches WC, das heute als älteste unterirdische Toilette der Welt gilt. Diese Toilette gibt es heute noch, sie scheint in jedem Reiseführer auf, der etwas auf sich hält. Man vermutet, dass dieses Jugendstil-WC-Anlage eventuell nach Plänen von Adolf Loos gebaut wurde. Die Einrichtung besteht aus Marmor, Decken und Trennwände sind aus Edelhölzern, geschliffenes Glas, edle Lampen, Messing und in schönen Mustern geflieste Böden runden das Bild dieses Pracht-WCs ab. Dort gibt es auch noch eine der letzten sogenannten Wartefrauen, eine Klofrau, die für Sauberkeit auf diesem Jugendstil-Juwel sorgt. Noch eine kleine WC-Anmerkung zum Schluss: Auch Friedensreich Hundertwasser, ein weltbekannter Wiener Künstler, soll 1999 in Kawakawa in Neuseeland die schönste und meistfotografierte Toilettenanlage der Welt geschaffen haben. Vielleicht sollte man auch dorthin eine Reise planen?
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