Zugfahren in Indien - Ein besonderes Erlebnis
Zugfahren in Indien ist nicht nur aufregend sondern auch verhältnismäßig billig. Allein das Reisen mit dem Zug durch die Schönheit indischer Landschaften ist eine Reise nach Indien wert.
Das Gefühl der Freiheit ist eines der schönsten Gefühle überhaupt. Backpacker, die dem lauten Großstadtrummel indischer Städte entrinnen und sich von der vielfältigen Natur Indiens begeistern lassen wollen, sollten unbedingt den Zug als ruhige und entspannende Reisemöglichkeit in Betracht ziehen. Im Gegensatz zum Reisen auf der Straße ist diese Variante um einiges billiger und gemütlicher. Zudem können Traveller auf diese Art und Weise Indien am besten landschaftlich entdecken.
Das indische Eisenbahnnetz ist mit knapp 64.000 km nicht nur das größte der Welt, es arbeiten für dieses gigantische System auch Hunderttausende Beschäftigte der indischen Staatsbahn. Obwohl Indien sehr große Probleme in der Infrastruktur aufweist, ist das 1863 von den Briten eingeführte Eisenbahnnetz hier eine Ausnahme. Zu überfüllten Zugabteilen kommt es aufgrund eines ausgeklügelten Reservierungssystems nicht. Nur bei regionalen Bummelzügen kann es sogar passieren, dass Inder auf den Dächern und an den Seiten der Waggons mitfahren und die Züge auch innen vollkommen überfüllt sind. Aber dieses Szenario wird immer seltener, denn diese gefährliche Art des Reisens ist nun offiziell verboten. Reisende mit Platzangst, welche mit den apokalyptischen Bildern und Videos aus TV und Internet konfrontiert wurden, müssen also keineswegs vor überfüllten Zügen Angst haben, solange sie eine Reservierung vornehmen.
Um wirklich sicher und komfortabel mit dem Zug zu reisen, muss ein Zugreisender in Indien nicht viel zahlen, damit er wirklich für indische Verhältnisse puren Luxus bekommt. Es gibt hier die Auswahl zwischen meist vier Klassen: Sleeper Class, 3 AC, 2 AC, 1 AC. Die meisten Inder reisen in der wirklich spottbilligen Sleeper Class. Die Waggons sind hier in Abteile unterteilt mit je sechs Sitzmöglichkeiten. Nachts werden die Sitze zu Betten umgewandelt, auf jeder Seite des Abteils gibt es also drei Betten auf drei Etagen. Wem die Hitze zu schaffen macht und wem sechs Leute in einem Abteil zu eng sind, bucht besser die zweite Klasse (2AC). Diese ist für vier Personen ausgelegt. Das AC steht hier für air conditioning und bedeutet, dass in dieser Klasse eine Klimaanlage für angenehme Temperaturen sorgt. Aber Vorsicht! In der Nacht besteht auf den oben positionierten Betten Erkältungsgefahr, da sich dort auch die Klimaanlage befindet. Für manche Reisenden reichen auch die zwei bis drei kleinen Deckenventilatoren in nicht klimatisierten Abteilen, die an oder ausgestellt werden können.
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In der 1 AC, der ersten Klasse ist der Boden noch zusätzlich mit einem Teppich ausgelegt und das Abteil ist abschließbar. Zudem gibt es Waschgelegenheiten. Die 3 AC unterscheidet sich von der 2 AC nur in einem Punkt. Hier gibt es wie in der Sleeper Class sechs anstatt vier Betten. In allen Klassen werden am Abend Kissen und Decken verteilt. In der Sleeper Class sollte man sich aber nicht darauf verlassen und vorsichtshalber eigene Decken und Kissen mitbringen. In manchen Zügen gibt es noch das Second Seating, eine Zugklasse, die eher an raue Verhältnisse der damaligen dampfbetriebenen Züge der 40er und 50er erinnert - Holzbänke ohne Sitzplatzreservierung. So etwas findet man jedoch nur selten und wenn, dann auf Kurzstrecken.
Manche Züge fahren sehr langsam und halten an jedem kleinen Bahnhof. Dies trifft besonders auf die Züge mit dem Wort MAIL im Zugnamen zu. Auch vielversprechend klingende Züge namens Express werden diesem Wort nicht gerecht. Sie halten zwar nicht so oft, sind aber trotzdem nicht viel schneller. Sehr empfehlenswert sind die sogenannten Rajdhani –Züge. Sie enden bzw. starten alle in Delhi, halten viel weniger, sind moderner und schneller. Backpacker sollten sich also vorher ganz genau erkundigen mit welchem Typ Zug sie fahren, wie oft die Züge halten und wie lange sie brauchen. Wer plant, von einem Zug in den anderen umzusteigen, sollte sich bewusst sein, dass indische Züge manchmal bis zu drei Tage am Stück fahren und schon einiges an Verspätung gesammelt haben. So kann es z.B. sein, dass ein Reisender theoretisch fünf Stunden zum Umsteigen Zeit hat aber der Zug, indem der Traveller reist oder auf den er wartet, acht Stunden Verspätung hat. Denn sobald ein Zug Verspätung besitzt muss dieser andere Züge ohne Verspätung passieren lassen und wird sozusagen auf das Abstellgleis verwiesen.
Das Besondere am Zugfahren in Indien sind die unglaublich billigen Preise. Für nur umgerechnet 6,50 Euro ist es möglich in der Sleeper Class 1.384 km von Delhi nach Mumbai zu fahren. Vergleichsweise teuer wird es in der ersten Klasse des Rajdhani-Express. Die gleiche Strecke kostet hier über 50 Euro. Dafür sieht das Zugabteil aus wie in einem modernen deutschen ICE. Die erste Klasse klimatisiert in normalen Zügen kostet immerhin noch 43 Euro. Wer also beim Reisen durch Indien sparen möchte ist mit der Sleeper Class und der 3 AC gut bedient.
Die Reservierung von Bahnfahrten in Indien ist nicht ganz so einfach wie in Deutschland. Oft werden Reisende enttäuscht, wenn sie nach stundenlangem Anstehen endlich am Schalter sind und dann plötzlich einen Zettel in die Hand gedrückt bekommen, den sie zuvor hätten ausfüllen müssen. Wichtig ist auch zu wissen, dass es an großen Bahnhöfen Extraschalter für Touristen gibt. So können lange Wartezeiten vermieden werden und die Servicekräfte kennen schon die Fragen und Probleme der Ausländer. An kleineren Bahnhöfen ist es jedoch von erheblichem Vorteil die Zugnummer des Zuges zu wissen, mit dem man reisen möchte. Dafür gibt es das Buch „Trains at a Glance“. Hier sind für alle Strecken die Züge mit den entsprechenden Zugnummern verzeichnet. Oder aber Traveller erkundigen sich im Internet auf den Seiten der Indian Railway oder der Indian Railway Catering and Tourism Corporation über die möglichen Zugverbindungen. Auf www.makemytrip.com ist es sogar möglich Zugreisen in Indien von Deutschland aus zu buchen. Eine sehr bequeme und sichere Variante. Allerdings müssen Backpacker dann ihre gesamte Reise nach den Abfahrten der Züge richten. Eine Preisrückerstattung gibt es nicht.
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