Armenien - ein Binnenstaat im südlichen Kaukasus
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    Armenien, Yerevan

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    , Yerevan , Kaghak Yerevan , Armenien
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    • Userbild ameliesommer13ameliesommer hat 13 Beiträge geschrieben und hat sich damit die Bronzemedaille verdient. ab 10 Beiträgen Bronzemedaille ab 25 Beiträgen Silbermedaille ab 50 Beiträgen Goldmedaille ab 75 Beiträgen Auszeichnung Bronze ab 100 Beiträgen Auszeichnung Silber ab 250 Beiträgen Auszeichnung Gold Als Beiträge zählen wir jede Nacht deine Reisetipps, Kommentare, Bilder, Trips, Fragen, Antworten & Reiseinformationen.
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      24.04.10 09:21
      Anfang Oktober hat mich ein Flugzeug von Berlin nach Jerewan gebracht. Armenien!?! Ich hatte keine große Vorstellung, was mich dort erwarten würde. Meine Kindergartenfreundin Susanne, schreibt dort gerade ihre Doktorarbeit und ich nehme mir immer wieder gern eine Auszeit von meinem Leben und begebe mich auf Entdeckungsreise in ein neues, mir unbekanntes Land.

      Ich verließ Deutschland bei Regen, grauer Himmel, dicke Wolken, der erste Nieselregen hatte eingesetzt. Meine Wohnung hatte ich an einen jungen Mann zwischen vermietet. Mit kalten Füßen stieg ich in das kleine Flugzeug, das mich über Prag nach Jerwan brachte. Auf meinem Schoss lag der Lonely Planet, die „Bibel“ für Individualreisende. Großartige Reisevorbereitung liegt mir nicht, oder besser gesagt, mag ich nicht besonders, ich steige gern unvoreingenommen aus dem Flugzeug, möchte selbst meine Erfahrungen machen, das Land riechen, schmecken, sehen, erleben. Ein kleines gelbes Taxi, brachte mich vom Flughafen in die Innenstadt, später erfuhr ich, dass es sich um einen Lada handelte, draußen war es noch dunkel. Entlang der Straße, reiht sich ein Spielsalon an den anderen. Buntblinkernde Leuchtreklamen zwinkerten mir zu. Bin ich aus versehen in Las Vegas gelandet?

      Der Taxifahrer biegt von der Hauptstraße ab, fährt an ein paar Garagen vorbei, weiter durch dunkle Gassen, plötzlich machte es einen Ruck und das Taxi steht vor einem großen Sowjetgebäude, hier wohnt also meine Freundin, im neunten Stockwerk. Ein kleiner enger Aufzug bringt mich nach oben, es ist die Sorte Aufzug, in dem man sich lieber nicht an die Wände lehnt. Es ruckeltundzuckelt, ich höre ein paar Ketten rasseln und schon spukt er mich wieder aus.

      Meine Freundin befindet sich auf einer Exkursion in Karabach und wird erst in ein paar Tagen wieder zurückkommen. Auf ihrem Schreibtisch finde ich einen lieben Brief, der mich mit den nötigsten Instruktionen, wo man den Wasserboiler anmacht, wie man eine Marschrutkafahrt abwickelt und wie man am besten in die Stadt, zu den Sehenswürdigkeiten kommt versorgt. Sie hat mir 100,-- Dram, so viel kostet die Marschrutkafahrt, dazugelegt. Als ich den Vorhang zu Seite schiebe, sehe ich wie die Stadt langsam aus dem Schlaf erwacht. Ich sehe braunrosa Häuserberge, die in einem zarten Licht erwachen. Keine Frage mehr, ich bin nicht in Las Vegas.

      Stunden später sitze ich vor der Oper im Stadtzentrum und beobachte das Leben um mich: ich sehe alte Damen, mit langen Röcken und Strickwesten, die auf kleinen Hockern sitzen und Sonnenblumenkerne in Zeitungspapier gewickelt, verkaufen. Gepflegte, schlanke Frauen, mit hochhackigen Schuhen und kräftig geschwungenen Augenbrauen. Die Farbe, die hier dominiert ist schwarz, ich sehe sie an alten Frauen, die sie der Trauer wegen tragen, an den schwarzen Lederjacken, der jungen Männer. Statt Jeans, trägt man hier eher Buntfaltenhosen und ältere Männern sehe ich mit Anzügen durch die Straßen laufen. Die Haare und die Augen sind schwarz. Dazu bunte Wäsche, die zum Trocknen fröhlich vor den Fenstern im Wind baumelt.


      Ich wandere weiter durch die Stadt, sie erscheint mit sauber und ordentlich. Strukturiert. Gefühlte zweihundert Stufen laufe ich die Kaskade nach oben, sie ist eine weitere Sehenswürdigkeit, die ich in meinem Lonely Planet gefunden habe, auf den Stufen tummeln sich Liebespärchen, ein Sicherheitsmann erzählt mir, dass das öffentliche Trinken von Bier in Armenien verboten ist. Ich hatte eine verschwommene Idee von wodkatrinkenden Menschen im öffentlichen Raum, nein das ist hier nicht anzutreffen, man sieht dafür alle paar Meter einen Brunnen, aus dem fortlaufend Wasser, an einem dünnen Strahl nach oben schießt, die Menschen machen kurz Halt, trinken ein paar Schlücke und sind schon wieder in ihrem Tag verschwunden. Von hier oben, erzählt mir der Sicherheitsmann, kann man bei gutem Wetter den schneebedeckten Ararat sehen. Der Ararat liegt in der Türkei, trotzdem ist es im Herzen unser Berg erzählt er mir. Der Ararat ist das Nationalsymbol Armeniens und auch im Wappen des Landes abgebildet. Ich soll morgen noch mal kommen, dann kann ich ihn vielleicht sehen, ruft er mir zum Abschied zu, aber ich freue mich auch so an dem wunderbaren Ausblick über die Stadt, mit ihren braunrosafarbenen Tuffsteinhäusern.

      Ich lasse mich weiter treiben und befinde mich plötzlich in Kond. Kond ist in keinem Reiseführer zu finden, es ist eine Stadt mitten in der Stadt. An manchen Teilen, ist sie von einer Mauer umgeben. Mir fällt die Ruhe hier auf, es sind wenige Menschen zu sehen, die schmalen Gassen sind zu klein für einen turbulenten Autoverkehr. Kond wirkt wie eine ruhige Insel in der lauten Stadt. Eine grau getigert Katze huscht an mir vorbei, ab und an sieht man Jemanden aus dem Fenster blicken. Später erfahre ich, dass Kond den Stadtvätern ein Dorn im Auge ist, das Armenviertel soll platt gewalzt werden. Die Stadt soll modern werden. Ich folge der Katze durch schmale Gassen, kurz darauf sehe ich einen alten Mann mit grauem Haar und einer Zigarette im Mund vor seinem Haus sitzen. Er trägt einen dunkelblauen Trainingsanzug und in sein Gesicht sind viele Geschichten geschrieben. Er winkt mich zu sich und bittet mich auf der Bank neben sich Platz zu nehmen, fragt mich ob ich russisch spreche, ich schüttle meinen Kopf. Germania, sage ich und deute auf mich. Westgermania. Er lächelt und ruft nach seiner Frau. Riba hat in der Schule deutsch gelernt, ein paar Wörter kann sie noch, erzählt sie mir freudestrahlend. Sie stellt mir Weintrauben hin, wenig später befinde ich mich im Wohnzimmer, eine große hölzerne Standuhr schmückt den Raum, ich sitze auf einem weichen imposanten Sofa, vor mir steht eine kleine Tasse süßer Kaffee und Schokoladenwaffeln. Sie erzählt mir von ihren Kindern und Enkelkindern. Ihr Mann hat lange in Bulgarien gearbeitet. Jetzt ist er krank, meint sie mit einem Seufzen. Wir reden auch über den Genozid in dem von 1915 bis 1917 nach unterschiedlichen Angaben zwischen 600.000 und 1.5 Millionen Menschen gestorben sind. Bedrückt sieht sie jetzt aus.

      Es klopft an der Tür, eine Nachbarin fragt nach Wasser. Fließendes Wasser gibt es nicht immer hier, erzählt mir Riba, deswegen hat sie immer ein paar Eimer auf Vorrat in der Küche stehen. Für das Abendessen hat sie Tolma vorbereitet, dass sind Weinblätter mit Rindfleisch und Reis gefüllt. Das Nationalgericht Armeniens, dazu reicht man Fladenbrot. Sie überredet mich zum Abendessen zu bleiben. Glücklich und mit einem großen Lächeln auf dem Gesicht verabschiede ich mich nach dem Essen.

      Hajo ruft sie mir zu, das bedeutet: viel Glück!

      Ich bin noch ein paar Wochen in Armenien, im Land der vielen Steine gewesen. Ich habe viele wunderschöne Klöster gesehen, Schafherden, die auf dem kargen Feld grasten, habe mir Museen angeguckt, mein Lieblingsmineralwasser gefunden, aber das was mir noch lange in Erinnerung bleiben wird, ist die Gastfreundschaft und Wärme der Menschen. Eine Wärme, die man spürt, wenn man selbst auftaut.
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    • Userbild Blinder Passagier
      5
      Blinder Passagier 06.05.10 10:17
      Für Kulturbegeisterte das Eldorado!
      Ich habe selten so eine Gastfreundschaft Erlebt.
      Werde das nächste Jahr wieder Hin Fliegen!
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    • Userbild Blinder Passagier
      5
      Blinder Passagier 31.05.10 17:29
      ich bin armenierin aber lebe in deutschland .ich liebe es.und am meißten die sprache
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