Leipzig Reiseführer
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Altes Rathaus Dieses Wahrzeichen Leipzigs blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Einst war es Sitz des feudalen Oberhofgerichts und Gefängnisstätte. Der vor dem Rathaus gelegene Marktplatz Leipzigs wurde in vergangenen Jahrhunderten als Hinrichtungsstätte genutzt, so dass die Delinquenten einen recht kurzen Gang zum Schafott hatten. Von dieser Zeit zeugen noch heute eine Nachbildung des zeitgenössischen Richterstuhls sowie die Konterfeis der Leipziger Stadtrichter, die sich zusammen mit Porträts sächsischer Herrscher im Großen Festsaal des Rathauses befinden. Doch auch zahlreiche bürgerliche Vergnügungen fanden in den Räumen des von Hieronymus Lotter errichteten Bauwerks statt. Von der Musikempore, dem noch heute erhaltenen Pfeiferstuhl aus dem Jahre 1557, spielten die Stadtpfeifer zum Tanze auf. Auch heute noch ist das Alte Rathaus häufig Schauplatz kultureller Höhepunkte und bietet außerdem eine historisch-ehrwürdige Kulisse für zahlreiche Veranstaltungen in der Innenstadt. Schon 115 Jahre nach der Einweihung musste das Alte Rathaus saniert und umgebaut werden. Die Leipziger Bürger waren recht entsetzt, dass ein neu gebautes Haus schon nach so kurzer Zeit renovierungsbedürftig war – so entstand nach dem Namen des Erbauers der Begriff “Lotterwirtschaft”. Seit 1909 beherbergt es das Stadtgeschichtliche Museum, mit 500.000 Objekten in 72 Spezialsammlungen eines der größten kulturhistorischen Museen Deutschlands. In dem 1943 zerstörten und sofort nach Kriegsende originalgetreu wieder aufgebauten Gebäude kann ein historisches Modell der Stadt Leipzig aus dem Jahr 1823 besichtigt werden, das von Johann Christoph Merzdorf in liebevoller Handarbeit angefertigt wurde. Die architektonische Besonderheit des Bauwerks fällt dem aufmerksamen Betrachter sofort ins Auge: Der Rathausturm befindet sich nicht in der Mitte des Gebäudes, sondern ist nach links versetzt – typisch für den Renaissance-Stil in Deutschland im 16. Jahrhundert, der Regelmäßigkeit vermied und Asymmetrie bevorzugte. Auerbachs Keller Das berühmteste Restaurant der Stadt zieht seit 1530 die Besucher an. Hier speist man dank Goethes berühmtestem Werk “Faust” in einem einmaligen Ambiente, so dass nicht allein das Essen zum Erlebnis wird. Vielmehr lässt der Gast fasziniert die Gedanken schweifen angesichts der lebendigen Historie, die in diesem unterirdisch gelegenen Gasthaus spürbar wird. Schon in der Mädler Passage laden Mephisto und Faust als Bronzefiguren, geschaffen vom Maler und Bildhauer Mathieu Molitor, in die traditionsreiche Gaststube. Fausts Schuh zu berühren, bringt übrigens angeblich Glück. Im Restaurant rufen Wandgemälde und eine von der Decke hängende Skulptur “Walpurgisnacht” Szenen aus Goethes Drama in Erinnerung. Seit Jahrhunderten wird fabuliert von dem sagenumwobenen Ritt des “Schwarzkünstlers” Heinrich Faust auf einem Weinfass in Auerbachs Keller, den der Leipziger Maler Andreas Brettschneider im Jahre 1625 auf einer Holztafel festhielt. Seit Goethe sie in seinem Werk verwandte, ist diese Szene unsterblich geworden. Die Geschichten, die der Kellermeister heute allabendlich erzählt, locken zahlreiche Touristen aus dem In- und Ausland. Natürlich konnte Goethe nur durch engagierte Eigenrecherche den Geist dieses Ortes verinnerlichen und so ist es nicht verwunderlich, wenn Zeitgenossen zu berichten wissen, der Dichter sei als Student recht häufig und mit gutem Durst dort anzutreffen gewesen. Übrigens hatte der Keller eine unterirdische Verbindung zur Universität, die etlichen Professoren einen diskreten Rückzug nach durchzechter Nacht ermöglicht haben soll. Anfang der 90er Jahre floss ein beträchtlicher Teil der Investitionen zur Restaurierung der Mädler Passage in die Sanierung des berühmten Gasthauses. Unter anderem wurden historische Wandbilder originalgetreu wiederhergestellt. Hauptbahnhof Im Jahre 1915 entstand in Leipzig dieser größte Kopfbahnhof Europas. Die kathedralenähnliche Konstruktion aus Stein und Stahl, errichtet von den Architekten William Lossow und Hans-Max Kühne, verkörpert eindrucksvoll das Selbstbewusstsein des Bürgertums dieser Zeit und entspricht zusammen mit dem dazugehörigen Gleissystem in etwa der Fläche der gesamten Leipziger Innenstadt (der Ring umschließt immerhin 48 Hektar). Das Besondere am Leipziger Hauptbahnhof ist vor allem die symmetrische Bauweise, die sich auf eine Rivalität der Preußischen und der Sächsischen Eisenbahngesellschaften begründet, die den Bahnhof gemeinsam betrieben. Um weiteren Streit zu vermeiden, wurde beschlossen, dass beide Gesellschaften exakt dieselbe Konstruktion bekommen sollten. Industriearchitektur Leipzig - einzigartige Industriearchitektur erlebt im Stadtteil Plagwitz neue Blütezeit Ein totgesagter Stadtteil wird zum Flächendenkmal / Visionen des Industriepioniers Carl Erdmann Heine sind Vorbild In Leipzigs Westen hat sich mit dem Stadtteil Plagwitz ein ca. 90 Hektar großes Flächendenkmal der Industriearchitektur erhalten, das seinesgleichen sucht. Es war das erste planmäßig entwickelte, großräumige Industriegebiet Deutschlands. Das deutsche Unternehmertum ist eng mit der Geschichte von Plagwitz verbunden und wurde erheblich vom Gutsbesitzersohn und Rechtsanwalt Dr. Carl Erdmann Heine (1819-1888) geprägt. Durch sein Engagement in den Jahren zwischen 1840 und 1880 wurde Leipzig zum Vorreiter der deutschen Industrialisierung. Schon früh zeigte sich Heine von der damals noch revolutionären Eisenbahn sowie der wirtschaftlichen Nutzung von Wasserwegen begeistert. So handelt es sich bei dem 1873 eröffneten Bahnhof Plagwitz-Lindenau um den ersten Industriebahnhof Europas. Heines Visionen ermöglichten den Bau eines Kanals, der zur Schaffung einer Schifffahrtsstraße von Leipzig nach Hamburg führen sollte. Ziel war, die in Leipzig produzierten Industriewaren über den Hamburger Hafen weltweit abzusetzen. Der Visionär erwarb in Plagwitz große Wiesen und Ackerland und nutzte diese für Wohnungsbau und Industrieansiedlung. Er legte das sumpfige Gebiet trocken und regulierte Wasserläufe. Weiterhin engagierte sich Heine stark für die Ansiedlung von Industrieunternehmen und kümmerte sich um deren Anbindung an die Wasserwege bzw. an das Schienennetz. Die Kombination von Wohnquartieren und Arbeitsstellen war einmalig und verhalf der Industrie - in Verbindung mit den idealen Transportwegen - zum stürmischen Aufbruch. Ab 1920 ließen Rüstungsindustrie, Aktienspekulation, Krieg und wirtschaftlicher Verfall der sozialistischen Planwirtschaft den Industriestandort immer mehr ins Hintertreffen geraten. Nach der Wende 1989 erfolgte endgültig der Niedergang von Plagwitz, das im Zweiten Weltkrieg nur geringfügig beschädigt wurde. Nachdem fast eineinhalb Jahrhunderte die Schornsteine geraucht hatten, folgte die Deindustrialisierung im Zeitraffer. Die Betriebe wurden liquidiert, die Bevölkerung wanderte ab und es kam zu hohem Leerstand und Abrissen. Über 90.000 Industriearbeitsplätze gingen in Leipzig verloren, davon ein großer Teil in Plagwitz. Der Stadtteil wurde totgesagt und schien endgültig dem Verfall preisgegeben. Gespenstische Häuser, leere Fabrikgebäude, vom Gras überwucherte Bahngleise und verschmutzte Gewässer prägten dessen Image. Nun waren abermals Visionen gefragt. Eine neue Gründerzeit begann. Die Baudenkmäler sowie die Gewässer und Gleisbogen, die in ihrer Gesamtheit den einzigartigen Charme von Plagwitz ausmachen, sollten renoviert und rekonstruiert werden. Die Stadt und zahlreiche Investoren starteten ein umfangreiches Aufbauprogramm. Im Jahr 2000 erhielt Plagwitz als externer Standort der Hannoveraner EXPO unter dem Motto “Plagwitz auf dem Weg ins 21. Jahrhundert – Ein Stadtteil im Wandel” weltweite Aufmerksamkeit und damit einen deutlichen Entwicklungsschub. Glücklicherweise überdauerten die meisten Bauensembles der Gründerzeit und der frühen Moderne die schwierigen Jahre und entfalteten nach ihrer Restaurierung bald den Reiz einer untergegangenen Welt. Heute kann man ehrfurchtsvoll die prachtvollen Backsteinbauten sowie die beeindruckenden Brücken über den Karl-Heine-Kanal bewundern, die Leipzig zur Hafenstadt machen sollten. In ehemaligen Fabrikhallen sind exklusive Lofts entstanden, in deren Höfen dank Wurzelheizung exotische Palmen gedeihen. Zahlreiche Unternehmen, vor allem aus dem kreativen Bereich, haben sich in den vergangenen Jahren in Plagwitz niedergelassen. Mit dem “Business Innovation Center (BIC)” entstand 1999 eine erfolgreiche Existenzgründerinitiative. Eine touristische Attraktion ist “Rübesams Da Capo”, das in der restaurierten Fabrikhalle von 1895 – ehemals Landmaschinenfabrik Rudolf Sack - eine der größten Sammlungen amerikanischer Oldtimer in Europa ausstellt und sich mit dem außergewöhnlichen Ambiente der 1.000 qm großen Eventhalle einen Namen gemacht hat. Erholung bietet der Stadtteilpark, eine grüne Insel, die auf der Fläche einer ehemaligen Ladestation geschaffen wurde. Wer sich für die in rascher Folge entstandenen und bis zur Wende 1989 betriebenen Plagwitzer Industrieanlagen interessiert, findet außergewöhnliche Bauten. Architektonisch bedeutsam sind u.a. die im Jahr 1866 gegründete “Wollgarnfabrik Titel & Krüger” (Nonnenstraße/Elsterstraße), das 1928 nach Entwürfen des Hamburger Architekten Fritz Höger erbaute Verwaltungsgebäude der Leipziger “Konsum-Zentrale” (Industriestraße 85-95) – eine grandiose Symbiose von Backsteinexpressionismus und Neuer Sachlichkeit – die 1880 gegründete “Maschinenbaufabrik Unruh & Liebig” (Naumburger Straße 28) und die zwischen 1879 und 1925 in der Nonnenstraße errichteten “Buntgarnwerke” – eines der größten Gründerzeitdenkmale Deutschlands. Wer eine Bootstour auf dem Karl-Heine-Kanal macht, dem wird mit Sicherheit ein widerspenstiges Gebilde ins Auge fallen: Das 2003 nach einem Umbau eröffnete “Stelzenhaus” (Weißenfelser Straße) – ein ehemaliges Wellblechwalzwerk der Firma “Grohmann & Frosch” – wurde aufgrund Platzmangels Ende des 19. Jahrhunderts an einer Kanalbiegung errichtet. Getragen wird das streng funktionalistische Gebäude von wuchtigen Betonstützen. Die Entwicklung Plagwitz von einem Dorf zum Industriestandort lässt sich vier Epochen zuordnen: Die Industrialisierung 1840-1870, Welthandel und Gründerboom von 1870-1918, Weltwirtschaftskrise und Kriegsmaschinerie von 1920-1945, Aufstieg und Fall als Industriestandort nach dem Neubeginn von 1945-1989. Das brache Industrieviertel hat sich inzwischen zu einem modernen, grünen, sozial verträglichen und begehrten Quartier für Wohnen, Arbeit und Freizeit umgewandelt, das in Deutschland seinesgleichen sucht., Messe-Passagen Leipzig - Passagen, Durchhöfe, Messehäuser Das Flair der Leipziger Innenstadt wird vor allem durch die Besonderheiten der städtischen Architektur geprägt. Neben der zahlreich erhaltenen Altbausubstanz ist es das einzigartige System an Passagen und Durchhöfen, bei dem Architekturbegeisterte immer wieder ins Schwärmen geraten. Zwar verfügen Städte wie London, Paris und Hamburg ebenfalls über zahlreiche Geschäftspassagen, aber nur Leipzig besitzt ein so geschlossenes System dieser Bauten im Bereich der Innenstadt. Bemerkenswert dabei sind die verschiedenen historischen Formen, die erhalten geblieben sind. Den Anfang machte der Durchhof. Er wurde gebaut, um besonders während der Leipziger Messen die Waren schnell verladen zu können, ohne den Wagen zu wenden. Ein weiterer Vorteil war, dass die Wege zwischen zwei Gebäudereihen verkürzt wurden. Heute vermittelt z.B. Kretschmanns Hof noch einen Eindruck dieser interessanten Bauweise. Im Unterschied zum Durchhof, der verschiedene Gebäude miteinander verband, besaß das barocke Durchhaus des 18. Jahrhunderts einen einheitlichen Stil und eine geschlossene Gestalt. Die logistischen und ökonomischen Vorteile des Vorgängerbaus blieben jedoch erhalten. Im Erdgeschoß befanden sich meist Läden und Gewölbe, im ersten Stock Wohnräume und darüber die Warenlager. Von diesen architektonischen Kleinoden blieb in Leipzig nur der Barthels Hof erhalten, der nach seiner umfassenden Sanierung Mitte der 90er Jahre nun wieder im alten Glanz erstrahlt und zur Attraktion für Touristen geworden ist. Ende des 19. Jh. entstanden in Leipzig zahlreiche Messehäuser. Diese Gebäude erschlossen Grundstücke und Räume, die ursprünglich nichts miteinander zu tun hatten. So wurden z.B. Specks Hof oder die Mädler Passage über einer größeren Anzahl älterer Bauten errichtet. Das Beispiel des Städtischen Kaufhauses zeigt, dass die Messehäuser oft sogar ganze Straßenblöcke umschlossen. Diese Architektur war auf die Anforderungen der neuen Mustermessen zugeschnitten. Wurden zuvor alle Waren nach Leipzig herangeschafft, verladen und während der Messen verkauft, führten die Geschäftsleute Ende des 19. Jh. nur noch Warenmuster vor. Dabei kam es auf eine möglichst effektvolle Präsentation in einem ansprechenden Ambiente an. Die Messehäuser wurden meist nur während der Messezeit genutzt. Ob Steibs Hof, Zentralmessepalast, Stenzlers Hof oder Jägerhof – die Bauten beeindrucken noch heute mit ihrem architektonischen Anspruch, ihrer Pracht und Monumentalität. Allein im Bereich der Leipziger Innenstadt (Fläche von ca. 0,5 km2) entstanden zwischen 1893 und 1938 30 Messehäuser, die im Innern sehr funktional (Aufzüge, Licht, Pförtnerlogen) eingerichtet waren. Zu Leipzigs ”Messe-Blütezeit” 1927 waren 50 Messehäuser in Betrieb. Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 nutzten vor allem viele Immobilienunternehmen und Investoren die Chance, die historischen Passagen, Durchhöfe und Messehäuser zu sanieren. Dabei legte die Stadt Leipzig besonderen Wert darauf, dass die zu DDR-Zeiten teilweise völlig verfallenen Bauten (z.B. Webers Hof) eine dem Denkmalschutz entsprechende Sanierung erhielten. Dass dabei ein gewisser Dr. Jürgen Schneider die ”Filetstücke” der Leipziger Bausubstanz erworben hatte, ist hinlänglich bekannt. Mit der Entwicklung eines neuen Messekonzeptes und der Verlegung der Leipziger Messe 1996 auf das neuerbaute Messegelände, verloren die innerstädtischen Messehäuser ihre eigentliche Funktion. In die ehemaligen Ausstellungsräume zogen Museen, Galerien, Gastronomie, Geschäfte und Büros ein. Aber auch neue Passagen wurden gebaut (z.B. Brühl-Arkade, Strohsack) und tragen mit ihrem modernen Charme ebenfalls zur Attraktivität der Innenstadt bei. Bis auf wenige Gebäude, die noch nicht saniert sind (z.B. Oelßners Hof), finden Besucher heute in den Passagen und Messehäusern ein stimmungsvolles Ambiente vor, das zum Flanieren und Verweilen einlädt. Hunderte von Geschäften strahlen mit ihrem vielfältigen Angebot internationales Flair aus. Doch der Besucher findet hier nicht nur exklusive Markenartikel, sondern auch Waren des täglichen Bedarfs und eine typisch sächsische Gastronomie. Übrigens, wer Leipzigs Messehäuser und das Passagensystem näher kennenlernen möchte - kein Problem: die Gästeführer bieten spezielle Führungen zu den ”Leipziger Architektur-Spezialitäten” an. Die Rundgänge ”Messepaläste, Passagen – die Stadt während der Jahrhundertwende” sowie ”Dr. Jürgen Schneider und seine Immobilien in Leipzig” kann man buchen unter Tel. 0341/7104-230. LEIPZIG und seine Passagen, Durchhöfe und Messehäuser Passagen, Durchhöfe, Messehäuser BARTHELS HOF Früher: “Zur Goldenen Schlange” Er ist das einzige erhaltene Durchhaus des 18. Jahrhunderts aus der Zeit der Warenmesse und er gehört nicht nur wegen seiner attraktiven Lage zu den bekanntesten Gebäuden der Stadt. Die “Goldene Schlange” war Leipzigs ältester Renaissancebau und wurde 1523 von Hieronymus Walter errichtet und 1747-1750 von Friedrich Seltendorff im Auftrag des Stadthauptmanns und Kaufmanns Johann Gottlieb Barthel im Barockstil umgebaut. Barthel ließ die Gebäude Markt 8 und Hainstraße 1 mit Hof und Durchgang zur Kleinen Fleischergasse ausbauen. Die Fassade allerdings stammt aus dem Jahr 1871, und der noch von der Gotik beeinflußte prächtige Renaissance-Erker befindet sich erst seit 1872 an seinem heutigen Platz im Hof. Er gilt als das älteste erhaltene Fragment einer Leipziger Bürgerhausfassade. Beinahe dreieinhalb Jahrhunderte lang, von 1523 an, schmückte er das Haus Hieronymus Walthers, welcher seinerzeit Leipziger Niederlasssungsleiter des berühmten Handelsunternehmens Welser gewesen ist. Als Zeuge Leipziger Handelsarchitektur vermittelt der imposante Hof vor allem durch seine Fläche, die Höhe der Gebäude und deren Dachspeicher ein Bild von Leben in Leipzig zur Zeit der Warenmessen. Deutlich sind an mächtigen Hofflügeln aus dem 18. Jahrhundert noch die Ansätze der Kranbalken erkennbar, über die einst die Waren in die Magazine gezogen wurden. Der Handel war schon im 16. Jahrhundert gern in die Höfe verlegt wurden, da sie Schutz vor Wind, Hitze und auch Nässe boten. Entstanden waren die Höfe meist durch die Vereinigung mehrerer Häuser, wobei die alten Schlippen verschwanden. Daraus wiederum ergab sich ein öffentliches Durchgangsrecht, entgegen dem Römischen Recht, welches das Betreten der Höfe als Hausfriedensbruch ansah. Nach der Wende wurde der gesamte Komplex saniert und präsentiert sich nun wieder in voller Schönheit. Neben originellen Geschäften im Innenhof befindet sich hier auch die 1890 eingerichtete Gaststätte “Barthels Hof”, die viele sächsische Spezialitäten anbietet. 1804 hatte hier der Dichter Johann Gottfried Seume Quartier genommen. BAUWENSHAUS Das Bauwenshaus steht auf dem Burgplatz, einem Gebiet, das nach dem Zweiten Weltkrieg 45 Jahre lang eine Brachfläche war. Die Fertigstellung des Hauses, das gestalterische Bezüge zum Vorgängerbau aufnimmt, war 1994. Der Eckerker ruht auf Edelmetallsäulen. Das Gebäude wird über eine Hofhalle erschlossen, die mit Glas überdacht ist und die Tradition der Leipziger Durchgangshöfe aufnimmt. Die Öffnung des Hofes an der Schulstraßenseite durch eine gebäudehohe Glaswand ist ein neuer gestalterischer Akzent für das Stadtzentrum. BLAUER HECHT Die Passage erhielt ihren Namen nach dem erstmals 1551 erwähnten Gasthof “Zum blauen Hecht”. Die Fassadenverkleidung des 1911/12 von Leopold Stentzler errichteten Pelzgewerbehauses ist in Kalkstein ausgeführt. Auffällig ist das Dach, das von vier markanten Dachgauben mit spitzen Giebeln gebildet wird. Das Hauszeichen mit dem blauen Hecht betont den Passagenzugang. Tierköpfe bilden kapitellartige Abschlüsse der Fassadenpfeiler. Allerdings mündet die Passage in einen tristen Hinterhof der Reichsstraße. KRETSCHMANNS HOF Am Balkongitter über dem Erdgeschoß-Durchgang ist die Symbolik des Hausnamens “blauer und goldener Stern” plastisch dargestellt. Architektonisch sehr reizvoll ist der neu gestaltete rechteckige Hof. In den Loggien über den Hofausgängen sind je vier historische gußeiserne Säulen einbezogen. Die Hainstraße 14 ist mit dem Geschäftshaus Kretschmanns Hof verbunden, das 1910/12 vom Leipziger Architekten Max Fricke erbaut wurde. Der große Hof ist weiß gefließt. BRÜHL-ARKADE Früher: “Schwabes Hof” An der Stelle der heutigen Brühl-Arkade befand sich bis zu den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges “Schwabes Hof”, ein Durchgangshof. Danach war die Fläche unbebaut und wurde mit Blumen und Sträuchern bepflanzt. Die Brühl-Arkade ist in den fünfgeschossigen Neubau des Marriott-Hotels integriert, das 1998 nach Entwürfen der Planungsgruppe Wittstock und Partner aus Hannover fertiggestellt wurde. Der Neubau nimmt die Tradition der Leipziger Passagen auf gelungene Weise auf. Ein dreigeschossiger Balkonerker betont den Passagenzugang am Brühl. Die Passage wechselt zwischen flachen Durchgängen und zwei zweigeschossigen überglasten hellen Lichthöfen. Die Westseite des ersten Hofes wurde vom Leipziger Künstler Michael Fischer-Art mit großformatigen Bildern dekoriert. Auch die große Giebelwand der östlich anschließenden Baulücke ist mit Darstellungen des Künstlers gestaltet. DREI KÖNIGE Das Messehaus “Drei Könige” war früher das Zentrum der Schuhmesse. Mit 2.500 m2 zählt es zu den kleinsten Messepalästen. Erbaut in den Kriegsjahren 1915-1916, nach den Plänen der Architekten Pflaume und Nebel, wurde es zur Frühjahrsmesse 1917 in Dienst gestellt. Die Fassade aus Muschelkalkstein erhält ihren besonderen Akzent durch den zweistöckigen Erker, in dessen unterem Teil die von Albertshoffer geschaffenen Skulpturen “Drei Könige aus dem Morgenland”, die als Gebälkträger dienen, zu erkennen sind. Auf einem Teil des ehemaligen Messehauses “Drei Könige” stand einst das Gasthaus “Zu den drei Königen”. In seinem Hinterhaus hatte August Bebel in einem ehemaligen Pferdestall seine Drechslerwerkstatt, und in der ersten Etage wohnte er. August Bebel hatte im Hinterhof seine Drechslerwerk-statt. DRESDNER HOF Er diente als Ausstellungspalast für die pharmazeutische Industrie, der Chemie, der Kosmetik und der Textilchemie. Mit 6.500 m2 Ausstellungsfläche hatte es ein stattliches Ausmaß. Es wurde nach den Plänen des Architekten Alfred Stentzler gebaut und zur Frühjahrsmesse 1913 eingeweiht. Unter den elf Häusern, die dem neuen Messeplast weichen mußten, befand sich auch die ehemalige “Dresdnische Herberge”, die dem Neubau schließlich den Namen lieh. Das fünfstöckige Gebäude zählt zu den attraktivsten Messehäusern und ist an der Hauptfront 70 m lang. Durch die riesige Balkonanlage wird die vierte Etage besonders betont. 1928 erfolgte der erste Umbau, da mit dem Aufstieg der Messe der Bedarf an Ausstellungsraum schnell stieg. Eine in Leipzig einmalige Besonderheit war die 1928 nach Entwürfen des Künstlers Walter Gruner angelegte Empfangshalle im Stil des Art déco mit Serviceeinrichtungen im Keller. Sie beherbergt heute das Kabarett “academixer”. 1999 wurde der “Dresdner Hof” durch die Architektengemeinschaft Alte Fabrik Berlin zum Seniorenwohnheim umgebaut. Die Passage wurde um die ehemalige Pförtnerloge des Messehauses herumgeführt und ist nach Jahrzehnten wieder zugänglich. Architektonisch gehört der “Dresdner Hof” zu den herausragenden Messepalästen Leipzigs. GROßES JOACHIMSTHAL 1906 wurde die Historismusfassade aus Sandstein an der Hainstraße gebaut. Betont wird sie durch einen zweigeschossigen Erker über dem Durchgang sowie durch einen hohen Giebelaufbau. Die beiden Seitengebäude sind in der Mitte des Durchgangs brückenartig verbunden. Das Gebäude in der Katharinenstraße 13 wurde im Jahr 1896 errichtet. HANDELSHOF Es wurde nach dem Städtischen Kaufhaus als zweiter städtischer Mustermesse-Palast 1907-1909 gebaut und war mit 9.903 m2 Ausstellungsfläche der drittgrößte Messebau der Innenstadt. Dementsprechend konnten auch mehrere Branchen ausstellen, z.B. Hausgerätehersteller, Elektronikfirmen und Schneiderwaren. Der von den Architekten Georg Weidenbach und Richard Tschammer projektierte Bau hat vier Außenfronten und vier Ausgänge zu vier Straßen. Durch Bombeneinwirkung fast völlig ausgebrannt, wurde der Handelshof trotz größter Materialschwierigkeiten unmittelbar nach Kriegsende wieder aufgebaut und zur Frühjahrsmesse 1947 eröffnet. Seit 1998 dient der Handelshof bis zur Fertigstellung des Museumsneubaus auf dem Sachsenplatz als Interim für das Museum der bildenden Künste Leipzig. HANDWERKER-PASSAGE Die sogenannte “Kaufhalle am Markt” wurde 1845/46 nach den Plänen von August Eduard Poetzsch errichtet und besaß entlang des Durchgangs zur Klostergasse 41 Verkaufslokale. Berühmtheit erlangte das Haus durch Del Vecchios Kunstausstellung, die sich im zweiten Obergeschoß an der Seite zum Markt befand. Das Haus ist eines der letzten Vertreter des Durchgangshauses der Warenmesse. 1989 wurde die Handwerkerpassage eingeweiht und damit die Kaufhof-Tradition neu belebt. Das Gebäude selbst wurde 1997/98 umfassend saniert und ein neuer Seitenzugang zum Barfußgäßchen geschaffen. Auf der Balkonbrüstung befinden sich die Skulpturen Industrie und Arbeit. In dem Gebäudeteil am Barfußgäßchen befinden sich drei kleine Zinshäuser, die zu den interessantesten Kulturdenkmalen der Altstadt gehören. Im Vorgängerbau des Gebäudes Markt 10 hatte nach der Völkerschlacht 1813/14 der russische Stadtkommandant Oberst Viktor Prendel seinen Amtssitz HANSAHAUS Hervorgegangen ist der Ausstellungskomplex aus dem 1904-1906 von Polster und Höhn umgebauten Grundstück Nr. 13, dessen äußeres Kennzeichen ein Hanseatenkopf war. Dieser gab ihm den Namen Hansahof. Der Größe nach war das Gebäude anderen Messebauten unterlegen, aber dafür besaß es einen für damalige Verhältnisse ausgezeichneten Service: einen Erfrischungsraum, ein Schreibzimmer, einen Leseraum, einen Friseursalon – Neuerungen, die ansprachen. 1928 wurde das benachbarte Haus Nr. 15, in dem Lessing einmal gewohnt hatte, abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt, der mit der Nr. 13 verbunden wurde. Erst 1959 wurden beide Häuser durch eine entsprechende Fassadengestaltung auch architektonisch vereint. Das Hansahaus war im zweiten Weltkrieg ausgebrannt und mußte fast von Grund auf erneuert werden. In den Jahren 1993-97 erfolgte ein völliger Neubau durch das Düsseldorfer Architekturbüro Rohde, Kellermann, Wawrowsky und Partner. Der imposante Innenhof, der mit Specks Hof verbunden ist, wurde als genaue Kopie des bis zuletzt erhaltenen Zustandes ausgeführt. Bautypologisch ist dieser weiß/grün gefließte Innenhof in seiner platzartigen Ausdehnung von 600 qm für Leipzig einmalig. Auch die Oberlichtkonstruktion konnte detailgetreu wieder hergestellt werden. Im Vorgängerbau wohnte der Dichter Gotthold Ephraim Lessing, der sich am 20.9.1746 als Student der Theologie immatrikulieren ließ. Er schrieb hier sein Erstlingswerk “Der junge Gelehrte”, das die Neuberin 1748 in Zotens Hof aufführte. JÄGERHOF Früher: Lederhof (Hainstraße 17) und “Zum Goldenen Hahn” (Hainstraße 19) In den Jahren 1911-20 entstand das um drei Lichthöfe konzipierte Mustermessehaus nach Entwürfen von Alfred Müller im Auftrag des Kommerzienrats Chr. Jäger. Im ersten Innenhof kann man das historische Hauszeichen noch sehen. Die monumentale Straßenfassade aus Thüringer Muschelkalk ist typisch für die Architektur vor dem Ersten Weltkrieg. Der erste weiß gefließte Innenhof (grüne Gliederungen) ist besonders großzügig gestaltet. Alle drei Höfe wurden während der Sanierung 1995 mit leichten Glasdächern versehen. KÖNIG-ALBERT-HAUS Das Haus mit seinem Durchgang wurde 1913 nach Entwürfen von Emil Franz Hänsel, dem führenden Geschäftshausarchitekten der damaligen Zeit, gebaut. Zwei Höfe werden durch flache Durchgänge verbunden. Ein marmorverkleidetes Haupttreppenhaus befindet sich im großen Hof. Einmalig in Leipzigs Architektur ist die Verwendung von glasierter Keramik für die Verkleidung des Erd- und Zwischengeschosses an der Front zur Straße. Früher befanden sich im Hof zwei Friesgestaltungen mit Szenen aus dem Leben des sächsischen Königs Albert. KÖNIGSHAUS Der Alten Waage gegenüber, auf der Südseite des Marktes steht das Königshaus, das zu den kulturgeschichtlich interessantesten Baudenkmalen Leipzigs gehört. Um 1610 hatte der Medizinprofessor Welsch anstelle eines im 15. Jahrhundert gebauten Hauses ein sehr stattliches Gebäude errichten lassen, in dem der Rat bald seine Gäste unterzubringen pflegte. 1698 wohnte hier Peter der Große, als er sich auf der Durchreise von Holland nach Rußland in Leipzig aufhielt. 1706-1707 ließ der begüterte Manufakturist Andreas Dietrich Apel das Gebäude von Gregor Fuchs im Barockstil umbauen. Nun bevorzugten die Gäste das Haus erst recht. August der Starke feierte hier seine rauschenden Feste, deren Rechnung die Stadt zu begleichen hatte. Am 19.10.1813 verabschiedete sich im Erkerzimmer des ersten Stockwerkes Napoleon vom sächsischen König. Im Königshaus starb 1820 der Oberkommandierende der Verbündeten, Fürst Schwarzenberg, als er nochmals die Stätte der Völkerschlacht besuchte. Der Hof hat bis 1781 zeitweilig der Veranstaltung von Konzerten der “Musikübenden Gesellschaft” des Johann Adam Hiller gedient. 1932 baute der Leipziger Architekt Curt Schiemichen die Passage in das zum Mustermessehaus umfunktionierte Gebäude ein. Im Königshaus verkehrten bedeutende Persönlichkeiten wie Peter der Große, Napoleon, August der Starke und Fürst Schwarzenberg MÄDLER PASSAGE Früher: “Auerbachs Hof” Auerbachs Hof, die spätere Mädler Passage wurde 1530-1538 von dem aus Auerbach in Franken stammenden Medizinprofessor Heinrich Stromer als Durchgangshof im Renaissancestil errichtet. Er hatte diesen 1519 geerbt und eröffnete 1525 einen gut gehenden Weinschank. 1625 wurde das Gebäude durch einen Umbau zu dem Kaufhof, wie es auch von Goethe eindrucksvoll beschrieben ist. In etwa 100 Gewölben wurden Juwelen, Seide, Spitze und Galanteriewaren gehandelt. Begründet wurde der Ruhm des Weinlokals “Auerbachs Keller” durch die Kellerszene in Goethes “Faust”. Der Zugang wird durch bronzene Figuren des Leipziger Bildhauers Matthieu Molitor wirkungsvoll akzentuiert. Die heutige Mädler Passage ist eine der schönsten Ladenstraßen Leipzigs und verbindet die Königshauspassage mit der Messehofpassage. Mit einer Fassade zum Neumarkt und einer anderen zur Grimmaischen Straße erhebt sich das ehemalige Messehaus Mädler Passage, das 5.700 m2 Ausstellungsfläche besitzt und in dem sich traf, wer mit Porzellan, Keramik oder Steingut handelte. 1912 hatte Anton Mädler den bekannten, aber keineswegs ins moderne Messeleben passenden Auerbachs Hof abbrechen und den fünfstöckigen Neubau mit der Passage unter Beibehaltung des alten Grundrisses errichten lassen. Die Anlehnung an den Barock ist unschwer zu erkennen. Seit 1969 kann in der Mädler Passage auch ein Meißner Glockenspiel bewundert werden. Die Gesamtlänge des Durchgang beträgt 140 m. Das Passagensystem mit dem Herzstück Mädler Passage ist heute Maßstab für die weitere städtebaulich-architektonische Entwicklung des Leipziger Stadtzentrums. Im Weinlokal “Auerbachs Keller” verkehrte Johann Wolfgang Goethe während seiner Leipziger Studentenzeit. MESSEHAUS AM MARKT Betont wird die Stellung des Leipziger Marktes im Messeleben auch durch den Neubau des Messehauses am Markt. Es wurde am 01.09.1963 als Buchmessehaus mit einer Ausstellungsfläche von 5.300 m2 seiner Bestimmung übergeben und steht dort, wo sich das 1943 ausgebombte Messehaus “National” befand. Das Gebäude ist in Stahl-Skelett-Montagebauweise entstanden und mit Rücksicht auf die Umgebung betont schlicht gehalten. Es ist relativ harmonisch mit den benachbarten Gebäuden, dem Königshaus und dem Messehof, verbunden. MESSEHOF Früher: “Hohmanns Hof” An das Messehaus am Markt, dessen Haupttrakt an der Petersstraße liegt, schließt sich der Messehof an, der erste vollständige Messeneubau der Nachkriegszeit. Nach einjähriger Bauzeit konnte das Gebäude zur Herbstmesse 1950 übergeben werden. Es stand den Branchen Nahrungs- und Genußmittel zur Verfügung. Der Messehof hat eine Ausstellungsfläche von 9.400 m2. Vorher befand sich an dieser Stelle der im Krieg zerstörte “Hohmanns Hof”. Für den sechsstöckigen Messepalast, dessen Fundamente sechs Meter unter der Erde liegen, lieferte Eberhard Werner den Entwurf. Die Fassade wurde mit Langensalzaer Kalksteinplatten verblendet. Durch die Halle führt ein Teil des charakteristischen Passagensystems, es ist eine 80 m lange Ladenstraße zum Neumarkt. Von hier aus sind das Haupttreppenhaus und die fünf Aufzüge zu erreichen. In der Hallenmitte befindet sich die sogenannte Pilzsäule aus hellem juramarmor mit der zeittypischen Darstellung des “Werktätigen” (Bergmann, Bauer, Spinnerin, Geisteswissenschaftler). Das 1994 fertiggestellte Kaufhaus Peek & Cloppenburg hat einen Passagenarm zur Preußergasse ermöglicht. OELßNERS HOF Auf die glanzvollen Zeiten des Pelzhandels zur Jahrhundertwende verweisen die beiden prächtigen viergeschossigen Sandsteinfassaden in der Nikolai- und Ritterstraße. Das beeindruckende Pelzgewerbehaus wurde 1907/08 durch den Leipziger Architekten Max Pommer errichtet. Bemerkenswert sind die beiden kunstgeschmiedeten Tore. Über der Eingangstür in der Ritterstraße befindet sich eine barockisierende Kartusche mit den Handelssymbolen im Wappenschild: Merkurstab mit geflügeltem Helm, ein Handelsschiff, Fesselballon und Eisenbahnwagen. Im ersten Obergeschoss befindet sich ein Schlußstein mit dem Portrait des Bauherren. Das Gebäude soll in den nächsten Monaten saniert werden. PETERSBOGEN Früher: Collegium Juridicum Die Bebauung, die 1999 begann, schließt die im Zweiten Weltkrieg entstandene Lücke. Im leichten Schwung soll die neue Passage den massigen Baublock von der Petersstraße durchqueren und in eine Rotunde münden. In den Neubau werden ein Supermarkt, ein Hotel, das neue Juridicum der Universität, ein Multiplexkino und eine Bibliothek einziehen. Die Fassadengestaltung entwarfen vier junge Leipziger Architekten. Die zukünftigen Hotelfenster schieben sich als Glaskuben hinaus und sind perspektivisch von der Petersstraße aus erlebbar. Attraktion ist eine Banderole aus Glas, die Schirm und Trägerschicht zugleich ist. An ausgesuchten Punkten werden vier künstlerisch gestaltete Hologramme eingebracht. Dadurch entsteht eine virtuelle Galerie, die ständig in Bewegung ist. PETERSHOF Früher: “Hôtel de Russie” Dem Messehof gegenüber liegt der Petershof. Er wurde 1929 seiner Bestimmung als Messehaus übergeben und hat eine Ausstellungsfläche von 10.500 m2. In der Vergangenheit wurden dort vor allem Spielwaren, Musikinstrumente und Scherzartikel präsentiert. Dem Bau mußten elf Gebäude weichen, darunter auch das “Hôtel de Russie”, an dessen Stelle der Gasthof “Zum Engel” stand, in dem 1710 Johann Friedrich Böttger erstmals in Leipzig sein Porzellan ausstellte und in dem 1785 Schiller wohnte. Der siebenstöckige Petershof wurde von Alfred Liebig nach eigenen Entwürfen gebaut. Im Erdgeschoß ist heute das Filmtheater Capitol untergebracht. SPECKS HOF Der Specks Hof ist die älteste erhaltene Passage Leipzigs und gehört zu den architektonisch herausragendsten Geschäftshäusern in Leipzig. Auf dem Gelände des 1908-1909 von Emil Franz Hänsel errichteten Messehauses hatte früher ein bekannter Kaufhof gestanden, dessen Besitzer Speck hieß, zuletzt sogar Freiherr von Speck, der aber trotz des hochtönenden Namens mit Wolle handelte und Schafzucht betrieb. Der schnelle Aufstieg des benachbarten Handelshofes regte zum Bau des fünfgeschossigen Messepalastes an. Die Rechnung ging sogar so gut auf, dass 1911 und 1928 Erweiterungen vorgenommen werden mußten. Schon im Zuge des ersten Ergänzungsbaus wurde Specks Hof 1911 mit dem Messehof Hansahaus, mittels eines Durchgangs verbunden. Specks Hof war übrigens der erste Messebau mit einem perfekten Zwangsrundgang für Besucher und diente vielen weiteren Messebauten als Muster. Bis 1989 diente das Messehaus mit einer Präsentationsfläche von 6.000 m2 als Ausstellungsort für Leder- und Schmuckwaren. Am 27.11.1995 wurde es nach der Sanierung wiedereröffnet. Die neuen Eigentümer Bilfinger & Berger und Rendata hatten 200 Millionen Mark investiert. Attraktion sind seitdem die drei Lichthöfe, für die spielerische Lösungen zeitgenössischer Kunst in Auftrag gegeben wurden. Der Leipziger Bruno Giesel, der Hallenser Moritz Götze und der Berliner Johannes Grützke setzten das Thema phantasievoll mit Wandfriesen, Malereien und Keramik-Medaillons um. Im Lichthof A schuf Giesel ein Bildfries, das unter dem Thema “Die Psychologie der Zeit” steht. Der Wandfries im Lichthof B: “Der Morgen, der Mittag, der Abend” von Goetze besteht aus ca. 20.000 keramischen Platten. Im Lichthof C malte Grützke 16 Medaillons mit der witzigen Darstellung von einfachen Gebrauchsgegenständen in der Emaille-Glasurtechnik. Bemerkenswert sind auch die restaurierten Kupferpassagen und die Art-déco-Leuchter, die das Flanieren, entlang der zwei Dutzend Geschäfte zu einem besonderen Vergnügen machen. In ihrer Verbindung von Altem und Neuem gehört die Passage zu den glanzvollsten ihrer Art in Deutschland. STÄDTISCHES KAUFHAUS Er widerspiegelt wie kaum ein anderes Kulturdenkmal im Stadtzentrum mehr als 500 Jahre Handels- und Kulturgeschichte. Mit dem Wandel der neuen Messeform – der Mustermesse als Ursache der Herausbildung der Großproduktion Ende des 19. Jahrhunderts – entstanden zwangsläufig auch neue Formen der Messehäuser. Die alten Messehöfe mußten der Neugestaltung weichen. So entstand zwischen 1893 und 1901 unter Leitung von Hugo Licht der erste Mustermessepalast der Welt, das Städtische Kaufhaus. Der mächtige Komplex mit 4.500 m2 Ausstellungs-fläche diente der Glaswarenindustrie als Messepalast. Hier wurde das Prinzip des Zwangsrundgangs eingeführt. Bis 1917 wurden noch weitere 30 neue Messehäuser gebaut. Der Bau des Städtischen Kaufhauses erfolgte in drei Etappen: 1893/94 wurde ein Bibliotheksgebäude für Messezwecke umgebildet, 1895/96 entstand der Haupttrakt und 1899-1901 unter Einbeziehung des alten Gewandhauses der letzte Abschnitt. Dabei wurden auch die Räumlichkeiten des Konservatoriums und der von Dauthe geschaffene Konzertsaal, in dem von 1781-1884 die Gewandhauskonzerte stattfanden, abgebrochen. Über der Toreinfahrt in der Universitätsstraße befindet sich in einer Nische die überlebensgroße Bronzefigur Kaiser Maximilians I. Sie wurde von Carl Seffner geschaffen, da sich während des Baus des Städtischen Kaufhauses die Verleihung des Messeprivilegs durch Maximilian zum 400. Male jährte. Die Innengestaltung unterlag ganz den Gesetzen der Zweckmäßigkeit. Die Kojen und Rundgänge wirkten beispielhaft für alle folgenden Messebauten. Am 04.12.1943 wurde das Gebäude bei einem Bombenangriff schwer beschädigt. 1954 konnten nach langwierigen Aufbauarbeiten wieder Messeaus-steller einziehen. Nach der Wende wurde das Städtische Kaufhaus umfangreich saniert und die denkmalpflegerischen Vorgaben konnten auf das Genaueste umgesetzt werden. Der seit Jahrhunderten bestehende Hof der Stadtbibliothek wurde wieder zu einer angenehmen Verweilzone. Der Durchgang mit intarsiertem Marmorfußboden wurde neu angelegt und erinnert etwas an die frühen Pariser Passagen des 19. Jahrhunderts. Bemerkenswert ist auch der rekonstruierte Personenaufzug aus dem Jahr 1901 im Treppenhaus A. Er ist der älteste erhaltene Personenaufzug Leipzigs. Bedeutend ist auch die linke der beiden Rokokotüren neben dem Hofeingang an der Universitätsstraße, die ab 1781 zugleich Zugang zum historischen Gewandhaussaal im zweiten Obergeschoß war. Namhafte Musiker wie Mendelssohn Bartholdy, Mozart, Weber und Schumann verkehrten hier. Die linke der beiden Rokokotüren neben dem Hofeingang an der Universitätsstraße nutzten u.a. Liszt, Schumann, Weber, Mozart und Mendelssohn Bartholdy, um in den historischen Gewandhaussaal im zweiten Obergeschoß zu gelangen. STEIBS HOF Der Leipziger Baumeister Felix Steib errichtete 1907 das nach ihm benannte Geschäftshaus. Obwohl es als Messepalast konzipiert war, diente es schließlich – wie die meisten anderen Gebäude in der Nikolaistraße - dem Pelzhandel. Über 700 Pelzfirmen hatten um 1930 im Gebiet um den Brühl, die Nikolaistraße, die Reichsstraße und die Ritterstraße ihren Sitz. Am Bau fällt die interessante Mischung aus historisierenden, teilweise vom Jugendstil geprägten Formen und moderner Geschäftsarchitektur auf. Auffällig ist die neobarocke Sandsteindekoration der Mittelachse. Die plastischen Arbeiten stehen unter dem Thema Handel und Industrie. Im Giebelfeld des Frontispiz befindet sich ein hochovales Fenster, das von zwei Putti mit den Symbolen Handelsschiff und Hammer flankiert wird. Die Fensterverdachung darüber ist von einer Weltkugel bekrönt. Das Geschäftshaus wird von zwei Löwenplastiken als Wappentier über dem Hauptgesims “bewacht”. Im zweiten Obergeschoss ist die lateinische Inschrift “Labor vincit mundum” (Die Arbeit überwindet die Welt) angebracht. Das reich geschmückte Sandsteinportal stellt die schönste Eingangsgestaltung des Historismus in Leipzig dar. Die beiden Höfe sind weiß und blau gefließt. Der vordere Hof erhielt ein Glasdach. Der Steibs Hof, von den Stuttgarter Architekten Heinle, Wischer und Partner saniert, wurde 1997 mit dem “Hieronymus-Lotter-Preis für Denkmalpflege” ausgezeichnet. Im Zuge der Mitte 1990 vorgenommenen Sanierung des Dussmann-Hauses (Brühl 64/66) wurde ein kleiner überglaster Innenhof geschaffen, der heute mit Steibs Hof verbunden ist und eine neue Passage bildet. STENTZLERS HOF Ein besonders charakteristischer Messebau Leipzigs ist Stentzlers Hof. Das fünfstöckige Gebäude bot den Vertretern der Sportartikelfirmen eine Ausstellungsfläche von 3.500 m2. Es wurde 1914-1916 von Leopold Stentzler gebaut und spiegelt von allen in dieser Zeit entstandenen Messepalästen die langjährigen Erfahrungen der Mustermesse am besten wider. Die Treppe wurde beispielsweise zentral angelegt, um eine günstige Ausgangssituation für die bewährten Rundgänge zu schaffen. Der monumentale Bau in Eisenbeton weist reichen figürlichen Schmuck auf. Die Figuren an der Außenfront, Arbeiten des Bildhauers Bruno Wollstätter, verkörpern den Handel, die Fülle und ähnliche Allegorien. Von der städtischen Macht kündet an der Hausecke ein Roland mit Schwert und Leipziger Wappenschuld. Darunter befindet sich ein Spruchband: “Einigkeit macht stark”. Bei der Sanierung 1994/95 konnte der Zugang zur Petersstraße wieder geöffnet werden, so dass ein passagenartiger Durchgang zum Peterskirchhof möglich ist. Der Hof erhielt auch ein Glasdach. In die Gestaltung des Hofes wurde auch ein zweigeschossiger frühbarocker Kastenerker aus der Zeit um 1690 mit üppigem Blumenschmuck einbezogen. STROHSACK Früher: Zum Strohsack Der Grundstein für dieses neue Geschäftshaus mit Passage wurde am 30.11.1995 gelegt. Der Bau wurde von den Leipziger Architekten Appel, Behzadi und Bohne bis 1997 realisiert. Zentrum des Baus ist die zweigeschossige Halle an der Nikolaistraße. Unter dem Restaurantbalkon wurde eine Uhr unter Plexiglas in den Hallenfußboden eingelassen. Deren Zeiger werden von einer männlichen und einer weiblichen Figur gebildet. Der Passagenzugang an der Nikolaistraße wurde durch eine über alle Geschosse reichende futuristische Glasfassade betont. Die nördlich anschließende Straßenfassade orientiert sich an der Geschäftshausarchitektur der Jahrhundertwende, die südliche mit ihren Fensterrahmungen im ortstypischen Rochlitzer Porphyr an den Bürgerhausfassaden des 18. Jahrhunderts. In Richtung Ritterstraße folgen zwei weitere Höfe, die jedoch architektonisch weniger interessant sind. Ihren Namen verdankt die Passage dem Bürgerhaus in der Ritterstraße 7, das in den Neubau integriert ist. THEATERPASSAGE IM KROCHHOCHHAUS Der Name Theaterpassage ist ab 1880 gebräuchlich. Der Durchgang bildete eine Abkürzung von der Ritterstraße 4 bis zur Goethestraße und dem Augustusplatz mit dem Neuen Theater. Das Krochhochhaus wurde 1927/28 nach Entwürfen des Münchner Architekten German Bestelmeyer im Stil der Neuen Sachlichkeit errichtet und ist das erste Hochhaus der Stadt. Der elfgeschossige kalksteinverkleidete Stahlbetonbau lehnt sich in der Gestaltung an den Uhrturm am Marcusplatz in Venedig an. Die Glockenschlägerplastiken bilden den oberen Abschluß. An der Kugel über der Uhr lassen sich die Mondphasen ablesen. Das Giebelfeld trägt die Inschrift “Omnia vincit labor” (Die Arbeit überwindet alles). WEBERS HOF Webers Hof, ab 1875 so genannt, ist mehr als 400 Jahre alt und gehört zu den architekturgeschichtlich bedeutendsten Bürgerhäusern der Stadt. 1662 baute der Maurermeister Christian Richter das Vorderhaus völlig neu auf. Dabei entstand der noch heute erhaltene Treppenturm. Bedeutsam ist der prächtige Frührenaissance-Erker mit den Fruchtgehängen und Füllhörnern, einer der ältesten Leipziger Erker. Das Sandsteinportal im Erdgeschoß entstand 1872. Der Charakter des Gebäudes als Baudenkmal der Renaissance bewahrte das Haus zu Zeiten der DDR vor dem Abbruch. Nach der Wende wurde der völlig vernachlässigte Webers Hof saniert und auf den Zustand von 1662 zurückgebaut. Im Innenhof wurden die nicht erhaltenen Laubengänge als moderne Adaption ausgeführt. Seit Beendigung der Sanierungsarbeiten 1997 ist der Webers Hof mit Barthels Hof verbunden. In seinem stimmungsvollen Innenhof wird während der Sommerzeit Theater aufgeführt. ZENTRAL-MESSEPALAST Dieser Monumentalbau aus Würzburger Muschelkalkstein ist 1914, kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges, in den Dienst der Messe gestellt worden. Das riesige Langhaus bringt den Optimismus der jungen Mustermesse ebenso zum Ausdruck wie den Geltungsdrang des Bürgertums. Deutlich zeigt das auch der Giebel an der Grimmaischen Straße mit vorgetäuschtem, vierstöckigem Erker und einem Löwen auf dem First. Die Plastiken in Höhe der ersten Etage sind Arbeiten des Bildhauers Bruno Wollstätter. Der Architekt und Bauherr, Emil Franz Hänsel, erwarb 1926 auch das anschließende Messehaus Monopol in der Grimmaischen Straße und verband es mit dem Zentral-Messepalast. Durch diese Vereinigung entstand eine Ausstellungsfläche von 4.700 m2. Ausgestellt wurden Bürobedarf, Verpackungsmaterial und Papier sowie Druckerzeugnisse. Der Zentral-Messepalast wurde nach umfangreicher Sanierung vor kurzem wieder eröffnet und beherbergt heute neben attraktiven Geschäften auch das Museum “Zeitgenössisches Forum Leipzig”. Panometer Leipzig AMAZONIEN – Das Zauberbild der Natur Bäume, die weit in den Himmel wachsen, lange Wurzeln, die scheinbar aus der Luft herabhängen, grünes Dämmerlicht und ein vieltausendstimmiges Konzert der Tiere: das ist die faszinierende Welt des Regenwaldes. Diese Welt fängt Asisi in seinem neuen weltgrößten 360°-Panorama AMAZONIEN ein und ermöglicht damit eine visuelle Expedition mitten hinein in die dichten Wälder am gewaltigen Amazonasstrom. Im Maßstab 1:1 mit rund 106 Metern Länge und 30 Metern Höhe offenbart AMAZONIEN die Komplexität und Schönheit des fernen, brasilianischen Regenwaldes. Wie auf einer Lichtung öffnet sich von der 6 Meter hohen Plattform der Blick rundherum weit in den Regenwald. Mit dem Fernglas entdeckt man eine Raupe auf dem Blatt, Ureinwohner des Amazonasgebietes, Papageien in den Baumkronen, schönste Blüten oder ein Faultier, das sich hängen lässt. „Erst sieht man nur Grün“, so Asisi. Das faszinierende Ökosystem Regenwald enthüllt seine einzelnen Facetten erst dem, der ganz genau hinschaut. Asisis AMAZONIEN sensibilisiert für die üppige und artenreiche Regenwaldlandschaft, in die das Panorama seine Betrachter buchstäblich mitten hinein zu stellen scheint, und weckt die Lust, sich näher mit ihr auseinanderzusetzen durch das Sehen. Begleitet wird das 360°-Panorama von einer Lichtinstallation, die den Ablauf vom Tag bis zur tiefdunklen Tropennacht im Regenwald simuliert, von regenwaldtypischen Toneffekten sowie einer eigens für das Gemälde komponierten Musik von Eric Babak. Hommage an Humboldt Für den passionierten Zeichner Alexander von Humboldt war die Landschaftsmalerei das geeignete Hilfsmittel, um die Natur sinnlich erfahrbar zu machen. Humboldt war bemüht, die Zusammenhänge in der Natur zu erkennen und verständlich darzustellen. Und er war überzeugt: je größer die Dimension eines Gemäldes, umso intensiver gelinge dies. Als Hommage an den deutschen Naturforscher und anlässlich seines 150. Todesjahres widmet der Panoramakünstler Yadegar Asisi sein AMAZONIEN Humboldts Wunsch nach einem Panorama, das «die Natur in wilder Üppigkeit und Lebensfülle» zeigt. Begleitausstellung Was es Legende der rosa Flussdelphine auf sich hat, wie der Wasserzyklus im Regenwald funktioniert, oder wie Insekten tarnen und täuschen, lässt sich in der begleitenden Ausstellung erfahren. Hier kann man beispielsweise die räumliche Simulation eines Urwaldbaumes in seiner Originalgröße von 25 Metern oder das 60:1-Modell einer tropischen Stechmücke erleben. Die Blüten-Anamorphose versetzt den Betrachter quasi als Insekt in das Innere einer gewaltigen Tropenblüte und in einer Videoinstallation kann man eine Ameisenwanderung durch den Dschungel beobachten. An mehrere Hörstationen kann man den sagenumwobenen Legenden und Geschichten Amazoniens lauschen. Thomaskirche & Bachdenkmal Vor allem zwei große Namen verbinden sich mit der Leipziger Thomaskirche. Johann Sebastian Bach wirkte 27 Jahre als Thomaskantor und Martin Luther hielt hier anläßlich der Einführung der Reformation im Jahre 1539 eine Pfingstpredigt. Das im Jahre 1212 von Dietrich von Meißen gegründete Gotteshaus vereinigt die Baustile verschiedener Epochen. Es entstand im 13. Jahrhundert zunächst im romanischen Stil und wurde später im gotischen ausgebaut. Auch Elemente der Renaissance und des Barock finden sich. Die Kirche ist auch die Hauptwirkungsstätte des Thomanerchors, einem der bekanntesten Kirchenchöre Deutschlands, der ebenfalls im Jahre 1212 gegründet wurde. Heute ist vor allem das 1908 von Carl Seffner geschaffene Bach-Denkmal, das sich im Hof der Thomaskirche befindet, ein Anziehungspunkt für viele Besucher der Stadt. In ihrer Rechten hält die Figur eine Notenrolle, mit der anderen Hand berührt sie die Tasten einer dahinter befindlichen Orgel. Der Komponist selbst ist in einem Grab im Altarraum der Kirche beigesetzt: Authentisches aus seinem Leben ist im Bach-Archiv zu sehen, das sich gegenüber der Kirche befindet und in dem zu zahlreichen Anlässen Bachs Musik erklingt. Leipzig - das Leipziger Land hat sich zum Ferien-Paradies entwickelt Aus Mondlandschaften werden Badeseen / Neuseenland macht der Südsee Konkurrenz Willkommen an der sächsischen Südsee! Viele Besucher trauen ihren Augen kaum, wenn sie während der Sommerzeit in das Freizeitparadies Neuseenland kommen. Nur etwa 12 km vom Stadtzentrum Leipzigs entfernt, tummeln sich am Cospudener See seit zwei Jahren Tausende Badelustige, Naturliebhaber sowie Wassersportfans. Dünengleiche Strände, reizvolle Cafés und Restaurants sowie der Landschaftspark Cospuden mit ”Erlebnisachse” und dem Wassersport-Zentrum Hafen Zöbigker laden zum Sonnen und zum sportlichen Treiben ein. Wer sich die Cospudener Küste lieber vom Wasser her anschauen möchte, kann sich mit der ”MS Cospuden” auf gemütliche Rundfahrt begeben. Neuseenlands Ruf als Wassersportregion festigt sich kontinuierlich, denn Segler, Surfer und Taucher finden an den Seen optimale Wind- und Sichtverhältnisse. Auch Trendsportarten wie Kite-Surfen und Wasserski haben sich erfolgreich etabliert. In dieser Hinsicht hat sich seit Jahrzehnten auch der nahe Markranstädt gelegene Kulkwitzer See etabliert. Die Umwandlung der früheren Kohlegruben in die Freizeitregion Neuseenland ist eine touristische Attraktion. Auf einer der weltweit größten Landschaftsbaustellen vollzieht sich ein atemberaubender Wandlungsprozess: Neben dem Anbau neuer Wälder entstehen 18 Seen mit einer Gesamtfläche von rund 70 km2. So wird im Jahr 2004 das Markkleeberger Kohleloch zum Markkleeberger See. Im Ortsteil Auenhain eröffnete ein Modellbaupark. Gartenbahnen verschiedener Maßstäbe schnaufen wie ihre großen Vorbilder und sind zum Mitfahren für Groß und Klein geeignet. Am Südostufer entstand 2005 eine 450 Meter lange Kanu-Slalomstrecke. Der Störmthaler See wird zum Sportgewässer ausgebaut. Es entsteht das Wassersportzentrum Gruna mit Ruder- und Kanu-Regattastrecke, Uferpromenade und Wildwasserstrecke. In der Planungsphase befinden sich derzeit noch der Bau einer Unterwasserlandschaft am Hainer und Haubitzer See sowie der ”Bergbau-Technik-Park” auf der Espenhainer Kippe. Der Weg zum Freizeitparadies ist also vorgezeichnet… Wie kam es zu dieser atemberaubenden touristischen Entwicklung? Über hundert Jahre war das Gebiet zwischen Leipzig, Borna und Altenburg ein Zentrum der Braunkohlenindustrie, die rund 35.000 Menschen beschäftigte. Das Resultat waren ”Mondlandschaften”, verschmutzte Flüsse sowie Umweltbelastungen durch Rauchgase. Noch im Jahr 1989 förderte man 50 Mio. Tonnen Braunkohle. Insgesamt wurden im Leipziger Südraum über 3 Mrd. Tonnen Braunkohle gewonnen und 250 km2 Land abgegraben, Dörfer weggebaggert und Flüsse verlegt. Erst mit der Stillegung von Tagebauen und Fabriken 1990 entstanden völlig neue touristische Perspektiven. Die touristischen Planungen im Neuseenland gehen mit dem Gewässerbund einen ehrgeizigen Weg. Unter Einbeziehung der Seen, Flüsse und Kanäle können Fahrgastboote bald direkt ins Leipziger Stadtzentrum durchstarten. Mit der durchgängigen Befahrbarkeit des Floßgrabens zwischen dem Cospudener See und Leipzig wird 2004 die erste Etappe dieses großen Ziels erreicht. Auch eine weitere Vision nimmt Konturen an: Freizeitkapitäne schippern mit ihren Booten grenzenlos von Borna über Leipzig und Merseburg bis zur Nordsee…
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Peterskirche, Leipzig
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